Wenn die Ideen im Kopf rumoren, braucht man eine Form, in die diese gefasst werden können.

Eine dieser Formen wurde die Geschichte von Jochen. Einem vom Leben Abgehängten, der durch einen völlig unerwarteten Impuls seine Selbstermächtigung über den Sport wiederfindet.

Ich selbst, als damals 17jähriger, habe 1993 in Halle an der Saale beim Heidetriathlon meinen ersten Triathlon überhaupt absolviert. Nachdem ich als vorletzter Brustschwimmer aus dem Wasser gestiegen war, mich gefühlte zehn Minuten umgezogen hatte – währenddessen unerschütterlich in dem Glauben, dass ich sie auf dem Rad alle kriege – kam ich dann, nachdem ich auf der Laufstrecke auch noch falsch abgebogen bin, schließlich als Vorletzter ins Ziel. In den Worten des Sprechers: „Oh, da kommt noch ein Teilnehmer.“

Die Erfahrung war so niederschmetternd, dass ich es mit dem Triathlon erstmal wieder bleiben ließ. Und doch schmorte in mir der Wunsch, irgendwann im Leben eine Langdistanz zu finishen. Die Bilder von Hawaii haben mich oft zu Tränen gerührt.

Dann, mit Ende Dreißig, wenn beim Mann die midlife crisis anklopft, fing ich wieder mit dem Training an. Ich trotzte meiner mangelnden Begabung, besonders auf dem Rad, und 2019 bereitete mich nach erfreulichen Erlebnissen auf kleineren Strecken auf die Langdistanz vor.

Von Beruf bin ich freier Schauspieler und Spielleiter. Meine Arbeitszeiten gestalten sich sehr unterschiedlich, lassen aber immer ausreichend Lücken fürs Training. Im „Langdistanzjahr“ stellte ich mit leichtem Unbehagen fest, dass ich mittlerweile mehr Zeit mit meinem Hobby Triathlon verbringe als in meinem Beruf. Und da kam der Gedanke, beides miteinander zu verbinden. An einem Roman war ich eh schon dran. So dachte ich mir, mache ich doch einen Spielfilm! Muss man davon eigentlich Ahnung haben?

Im Bekanntenkreis fand ich schnell Menschen, die beruflich mit Film, Kamera und Ton zu tun haben. Ohne deren Hilfe und Engagement wäre ich komplett aufgeschmissen gewesen. Namentlich waren das Paul Schlesier, Lena Kömmling, Anika Koppe und Sascha Kiesewetter. Das Filmprojekt wuchs durch das Team, durch die Ausstattung und durch die Begeisterung aller Beteiligten.

Unseren Filmhelden Jochen setzten wir für seine ersten Trainingseinheiten vor der Kamera auf ein altes DDR-Klapprad. Mit seiner 1,90-Größe verlieh das der Szenerie eine wunderbare Slapstick. Das Drehen der gesamten Radszenen gestaltete sich auch für ein Low-Budget-Filmprojekt als kreative Aufgabe. Um den Radfahrer, egal ob der auf einem Carbon-Rennrad oder auf einer Klapperkiste mit 20 Zoll sitzt, mit der Kamera zu filmen und dabei mehrere Perspektiven einzufangen, braucht man eine Drohne, einen Gimbal (so ein Ding, an das man die Kamera montiert und ausbalanciert, damit die Bilder nicht so verwackelt werden) und eine Möglichkeit vor, hinter und neben dem Radfahrer zu fahren.

Wir probierten einiges aus wie:

  • Kameramann sitzt auf dem Gepäckträger (zu wacklig und zu riskant, immerhin wog die Kamera rund 6 Kilo und war zudem viel zu teuer, um damit einen Sturz zu riskieren)

und

  • Kameramann im Kinderanhänger (dafür war beides zu schwer, der Kinderanhänger fasste „nur“ 80 Kilo)

und

  • Kameramann im Lastenrad (hier war der Lastenradfahrer stets im Weg)

Was letztlich funktionierte, war ein großer Anhänger. Darauf hatte der Kameramann genug Platz und sogar der Tonmann konnte noch mit drauf. Für mich, der das Rad vorm Anhänger mit zwei Leuten und ihrem kiloschweren Equipment fuhr, war es Training auf Maximalkraftniveau. Unsere Schauspieler durften bei den Dreharbeiten nicht zu schnell fahren, denn, trotz Tretunterstützung, schaffte ich nicht mehr als 20 Km/h.

Aber irgendwie rockten wir den einmonatigen Dreh. Sogar ein nur für den Dreh initiiertes Triathlonrennen konnten wir filmen.

Kleiner erfreulicher Nebeneffekt: Unser Hauptdarsteller, Daniel Weißbrodt, sonst starker Raucher, begann zur Vorbereitung auf die Rolle mit dem Sporttreiben und schaffte es sogar, zeitweise ganz mit dem Rauchen aufzuhören. Ganz wie der Held im Film!

Die Dreharbeiten sind abgeschlossen, und jetzt kommt die eigentliche Aufgabe: Der Film geht in die Postproduktion. Wir hoffen dafür genug Gelder über die Crowdfounding-Plattform Startnext einzuwerben. Wenn das gelingt sieht es gut aus, dass der Film Ende nächsten Sommers auf die Leinwand kommt. Und  hoffentlich so manche Couchpotato zum Sportmachen motiviert.

Jochen macht Triathlon – Der Trailer

Der Fastfünfziger Jochen hängt zu Hause rum, raucht Kette und hat abgeschlossen mit Neuerungen in seinem Leben. Bis zu diesem Tag. Und jetzt versucht er sich an einem sinnlosen Triathlon – nur wegen dieser Frau. Der Pre-Trailer zum Crowdfunding auf www.startnext.com/jochen-macht-triathlon mit exklusiven und manchmal auch nicht so schmeichelhaften Szenen für Jochen.

Larsen Sechert über seinen Jochen macht Triathlon – Wir wollen nicht klagen!

Autor und Regisseur Larsen Sechert erklärt im Interview, warum nach dem Dreh die Arbeit eigentlich erst beginnt.

(Larsen Sechert, freier Schauspieler, für den Film „Jochen macht Triathlon“ Regie und Drehbuch)