Aufgrund eines erhöhten Stoffwechsels mit vermehrtem Umsatz und erhöhten Verlusten von Mikronährstoffen wie z.B. durch Schwitzen sind Nahrungsergänzungsmittel bei ambitionierten Sportlern beliebt (1). Es besteht Konsens, dass die Basis von Leistungsfähigkeit eine ausgewogene Ernährungsweise ist. Jedoch bleibt unklar welche Nahrungsergänzungsmittel bei welchen Sportlern und vor allem in welcher Dosierung sinnvoll sind. Es gibt zahlreiche Anbieter von Multinährstoffpräparaten oder Eiweißshakes, doch sind diese für jeden gleichermaßen geeignet? 

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Während wir Energie und Baustoffe über die sogenannten Makronährstoffe, also Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße unserem Körper zuführen, kommt es besonders auf die regelmäßige Zufuhr lebensnotwendiger Vitamine, gewisser Aminosäuren (verzweigtkettige Aminosäuren) und Fettsäuren (Verhältnis gesättigter, einfach- und mehrfach gesättigter Fettsäuren) von außen an, um Stoffwechselprozesse effektiv ermöglichen zu können. Weiterhin müssen Mineralstoffe und Spurenelemente dem Körper im richtigen Verhältnis angeboten werden, um unsere körperliche und mentale Leistungsfähigkeit aufrecht zu erhalten (2). Schleicht sich mit der Zeit ein relevanter Mangel ein, kann dies unterschiedliche Symptome wie verminderte Leistungsfähigkeit, Anfälligkeit für Übertraining und erhöhtes Verletzungsrisiko (3), eingeschränkte Regeneration, einer Neigung zu Entzündungen (4, 5) oder erhöhte Infektanfälligkeit mit sich bringen.

Der deutsche olympische Sportbund (DOSB) erklärt, dass auf den Gebrauch von Nahrungsergänzungsmitteln im Leistungssport in vielen Bereichen und Sportarten verzichtet werden kann. Gleichzeitig räumt er jedoch ein, dass in besonderen Situationen und unter bestimmten Bedingungen sie eine sinnvolle Ergänzung darstellen (6). Wie könnte nun ein individualisiertes Vorgehen aussehen? 

Entscheidet man sich dafür, den Ernährungszustand mittels Labormessungen zu überprüfen, sollte folgendes berücksichtigt werden: Die häufig in den Zellen mengenmäßig überwiegenden Mikronährstoffe sollten im Vollblut gemessen werden. Werden diese wie üblich im Serum gemessen, also dem Blutanteil außerhalb der Zellen, kommt es zu einer Verzerrung der Blutergebnisse. Nur bei einem labordiagnostisch festgestellten Mangel sollten hochwertige Nahrungsergänzungsmittel in ausreichend hoher Dosierung gegeben werden. Beim Leistungssportler sollten stattdessen ausgewählte Präparate mit Arzneimittelzulassung eingesetzt werden, da für diese die Kontaminationsgefahr ausgeschlossen werden kann. Weiterhin sollte kontrolliert werden, ob das einzusetzende Produkt auf das Vorhandensein von verbotenen Substanzen durch ein unabhängiges Institut geprüft wurde. Alternativ sollte man sich zumindest informieren, ob eine Selbstauskunft durch den Hersteller zur Produktreinheit besteht (Kölner Liste: www.koelnerliste.com).

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Bei einer vorliegenden Unterversorgung ist nach Supplementierung bereits nach 2-4 Wochen mit entsprechenden Verbesserungen zu rechnen. Obwohl eine Verbesserung der Ernährung im Alltag (z.B. über den Tag verteilt Anteil an Gemüse/Obst, Protein ausreichend hoch gestalten, auf Qualität von Kohlenhydraten und Fetten achten) gleichermaßen wünschenswert ist, wird sich ein manifester Mangel in der Regel nicht allein hierüber regulieren lassen. Nach einigen Monaten ist eine Laborkontrolle sinnvoll, um den Ausgleich des Mangels sicherstellen zu können. 

Zusammenfassend bietet das individuelle Vorgehen in der Ernährungs- und Mikronährstoffmedizin somit einen wichtigen ergänzenden Beitrag bei der Frage ob und welche Nahrungsergänzungsmittel den Sportler optimal unterstützen können.

Dr. med. Cornelia Ott
Fachärztin für Innere Medizin, Ernährungsmedizinerin
www.drcorneliaott.de

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Literatur:

  • Diehl K. et al., Elite adolescent athletes´ use ofe dietary supplements: characteristics, opinions, and sources of supply and information. Int J Sport Nutr Exerc Metab, 2012; 22(3): 165-174
  • Gröber U., Metabolic Tuning: Selected nutrients in competitive sport. Erfahrungsheilkunde 2018; 67:28-86
  • Córdova M. et al., Effect of magnesium supplementation on muscular damage markers in basketball players during a full season. Magnes Res 2017; 30 (2): 61-70
  • Worm N., Mehr vom Sport, Low Carb in der Sporternährung, Systemed Verlag 2009
  • Cordain L., Getreide, das zweischneidige Schwert der Menschheit, Verlag Novagenics 2004
  • DOSB, Nahrungsergänzungsmittel, 1. Auflage Juni 2014

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DR. CORNELIA OTT
Nach vielen Jahren spezialisierter Medizin an der Universitätsklinik Erlangen bin ich der festen Überzeugung, dass die besten Ergebnisse durch das Zuhören und Einfühlen in den Patienten erzielt werden. Nur auf diese Weise können die wahren Ursachen von Beschwerden und Krankheiten erkannt und erfolgreich behandelt werden. Dieser wichtige Schritt wird in unserem Gesundheitssystem jedoch leider übersprungen. Nach der Akutbehandlung geht es zurück in den Alltag. Die Folge: Patienten sind mit Ihren Problemen allein und müssen sich das Verständnis über ihre Krankheit selbst erarbeiten. Die Chance für eine ganzheitliche Behandlungsstrategie wird verpasst. Dabei können wir selbst sehr viel tun, um unsere Gesundheit zu fördern, wieder herzustellen oder zu erhalten. Häufig sind bei Menschen mit gesundheitlichen Problemen Mikronährstoffdefizite festzustellen. Diese bleiben oft lange unbemerkt oder gehen mit unspezifischen Beschwerden wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, erhöhter Infektanfälligkeit und anderen einher. Unter großer Belastung des Körpers wie zum Beispiel bei Stress, Infekten oder Dauermedikation können sich Jahre später Krankheiten manifestieren. Diese Erkenntnis bewegte mich dazu, neue Wege zu gehen und mich auf eine langfristige Gesundheitsförderung zu spezialisieren.