Endlich ging es wieder nach Mallorca, lange musste ich mich gedulden, aber dann war es soweit. 

Und zum ersten Mal Abflug vom neuen Flughafen BER (Flughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt). Es war erstaunlich leer, Check In und Sicherheitskontrolle waren schnell erledigt und so ging es pünktlich von Gate 10 am 01. September von Berlin nach Palma de Mallorca. Das Flugzeug war, gegensätzlich dem fast leergefegten Flughafen, bis auf den letzten Platz ausgebucht. Der Flug verlief reibungslos und nur wegen eines Defekts am Gepäckband verzögerte sich der Bustransfer etwas. Ich habe darauf zurückgegriffen, weil ich diesmal den Nordosten der Insel erkunden wollte, mein Ziel: Playa de Muro.

Dennoch habe ich wiederholt festgestellt, so ein Bustransfer frisst einfach zu viel wertvolle Urlaubszeit. Klar, man kann es unter kostenlosem Insel-, und Hotelviewing verbuchen, man könnte aber die Zeit auch schon die ersten km im Sattel verbringen. Ohne Mietwagen bleibt einem aber kaum etwas anderes übrig. Nachdem ich im Hotel eingecheckt hatte, habe ich erstmal mein Mietrennrad bei einem der unzähligen Radverleiher auf der Insel abgeholt. Meine Touren habe ich alle selber über komoot geplant.

1. TOUR:
Playa de Muro – Muro – Sineu – Santa Margalida – Can Picafort
(56 km, 342 hm)

Nachdem Gewitterwarnung und Regen ab 13 Uhr angesagt waren, hatte ich eine meiner Touren etwas gekürzt. Ich bin auch zunächst ziemlich bedrohlich aussehenden Wolken entgegengefahren, aber bis auf ein paar Tropfen haben sie es nicht über die Berge geschafft. Es ging zunächst nach Muro, erstmal sehr viel Schilf links und rechts, vorbei am „Parc Natural De S’Albufera“, welcher das größte Feuchtgebiet der Balearen ist und unter Naturschutz steht. Danach wurde es etwas welliger und mit viel Schafgeblöke ging es bis nach Sineu, dort habe ich am Marktplatz, wo der letzte Wochenmarkt Mallorcas stattfindet, bei dem noch Vieh verkauft wird, eine kurze Pause gemacht. Sehenswert vor Ort ist zudem die Pfarrkirche Nuestra Señora de los Angeles. Über Santa Margalida ging es dann vorbei an den, auf der ganzen Insel immer wiederkehrenden, für die Balearischen Inseln typischen, Tanca-Mauern (oder auch Trockenmauern) nach Can Picafort. Dort am Strand stehen seit einigen Jahren Skulpturen von Joan Bennàssar. 

2. TOUR:
Playa de Muro – Pollença – Port de Pollença – Alcúdia – Ermita de la Victoria – Port de Alcúdia
(59 km, 445 hm)

Pollença ist eine malerische Stadt mit mediterraner Atmosphäre. Wenn man schon mal hier ist, sollte man auch einen Blick auf die Carrer del Calvari werfen, sie ist eine Freitreppe, die über 365 Stufen vom Zentrum bis auf den Kalvarienberg zur Kapelle Eglésia del Calvari führt. Mit dem Rennrad reicht es zwar wirklich nur für einen Blick darauf, aber mir ist bei meinen Touren immer wichtig auch mal nach links und rechts zu schauen, etwas von Land und Leuten sehen, deshalb auch „Rennradurlaub“ und nicht „Trainingscamp“. Vom Port de Pollença nach Alcúdia fährt man direkt entlang am Meer, durch Alcúdia lohnt es sich entlang der historischen Stadtmauer zu fahren, mein Ziel war jedoch die über Alcúdia liegende Halbinsel. Dort die Nordküste entlang fährt man über eine ruhige Küstenstraße bis zur Ermita de la Victoria, hier befindet sich auch ein Restaurant. Nebenbei sammelt man noch ein paar Höhenmeter und man hat einen phantastischen Blick auf das Cap de Formentor. Leider ist die Straße dann irgendwann gesperrt: Militärgebiet. Zurück nach Playa de Muro ging es dann über den Port de Alcúdia.

3. TOUR:
Playa de Muro – Santa Margalida – Petra – Manacor- Portocristo- Cala Millor – Son Servera – Artà
(104 km, 682 hm)

Auf dieser Tour zeigte sich der ganze Facettenreichtum der Insel. Vorbei an unzähligen Wein-, Mandel- und Olivenanbaugebieten, durch urige Städte, die jede für sich ihre eigene Geschichte zu erzählen hat. In Petra darf ein Blick auf die Pfarrkirche von San Pere nicht fehlen, in Manacor die Pfarrkirche Nostra Senyora dels Dolors, in Son Severa, ein wenig versteckt, die Kirche ohne Dach Església Nova und in Artà die Wallfahrtskirche Santuari de Sant Salvador. An der Ostküste ging es von Portocristo bis zu den geballten Hotelanlagen in Cala Millor. Je nachdem ob man mehr auf den Nebenstraßen oder auf den Bundesstraßen unterwegs ist, kann man hier den Rennradfahrerbeinen freien Lauf lassen. Ich mag eine Mischung aus Beidem. Man wird hier auch nicht angehupt oder „belehrt“ und wenn, wäre es vermutlich ein Deutscher in einem Mietwagen. Mir ist das allerdings auf Mallorca noch nie passiert, nicht auf einer Bundesstraße, nicht auf einer Nebenstraße und auch nicht in der Stadt.

4. TOUR:
Playa de Muro – sa Pobla – Inca – Alaró – Santa Maria – Llubí – Can Picafort
(91 km, 515 hm)

Auch auf dieser Tour wieder viele Wein-, Mandel- und Olivenanbaugebiete. Mein Highlight das Cycling Planet in Alaró. Das Cycling Planet ist eine Mischung aus Fahrradladen, Fahrradverleih, Werkstatt und Café und widmet sich dem Recycling. Auch muss hier unbedingt die mit Liebe zum Detail arrangierte Toilette erwähnt werden, mit u.a. einem Rennradlenker als Klopapierhalterung. Überhaupt spürt man im ganzen Ladenlokal, bis ins kleinste Detail, dass man hier mit ganz viel Herz für die Sache dabei ist. Die Speisekarte steht dem auch in keinster Weise nach, die Auswahl ist riesig, von Café bis hin zu selbstgemachten Shakes und tollen Kuchen sowie etwas Herzhaftem.    

Wenn ich etwas hm-tauglicher wäre, hätte ich bestimmt auch noch den Orient besucht oder wäre über Bunyola nach Sóller gefahren, aber was nicht ist … ich weiß jetzt zumindest wie mein Wintertraining aussehen wird. 

5. TOUR:
Playa de Muro – Pollença – Cala Sant Vicenç – Port de Pollença – Campanet – Muro – Can Picafort
(78 km, 420 hm)

Meine Abschiedstour führte mich nochmal ganz in den Norden über Pollença nach Cala Sant Vicenç und Port de Pollença. Dann wieder ins Landesinnere nach Campanet, hier befinden sich auch die Tropfsteinhöhlen von Campanet (Caves de Campanet). Davor befindet sich noch ein Café mit Blick auf die Serra de Tramuntana, dieser Gebirgszug im Nordwesten von Mallorca ist ein UNESCO Welterbe. Auf meiner letzten Tour habe ich mir dann auch noch einen klassischen Dorn eingefahren, das ist mir bis jetzt in jedem Rennradurlaub auf Mallorca mindestens einmal passiert. Diesmal habe ich ihn stecken lassen und es geschafft, die letzten 20 km damit bis zurück zum Hotel zu kommen. Natürlich hatte ich einen Ersatzschlauch dabei, aber bei den porösen Reifen, die man mir dort diesmal überlassen hatte, hab ich den Wechsel gerne dem Radverleih überlassen.

Ich hoffe, ich konnte euch ein wenig für die Insel, in meinen Augen ein Rennradparadies, begeistern, wenn Ihr ihr nicht, wie ich, schon längst verfallen seid. Was soll ich mir noch unbedingt anschauen? Fahrt Ihr lieber in Gruppen dort oder allein? Mögt Ihr lieber geführte Touren oder selbsterstellte? Ich für meinen Teil will unbedingt noch viel mehr in die Berge, aber dafür muss erstmal anders trainiert werden. Habt Ihr Tipps für eine Flachländerin wie mich? Wie werde ich über den Winter zur Bergziege?

Ich bin Saskia, wohne in Berlin und habe mich bei den Hamburg Cyclassics 2018 mit dem Rennradfieber infiziert, ein ziemlicher Rookie also. Seitdem gibt es für mich nichts Schöneres als mit dem Rennrad die Welt zu erkunden, über den Asphalt zu fliegen und gleichzeitig die Natur um mich herum aufzusaugen und so Energie für den Alltag zu tanken. Ich besitze mittlerweile zwei Rennräder, ein Kuota Kobalt für meine Genusstouren und ein Rose Xeon RS für Zwift und den Arbeitsweg.