Die frühen Jahre

Als kleines Kind ließ mich mein Vater nur im Garten Fahrrad fahren, so dass sich schon bald ein weißer Kreis auf der Rasenfläche abzeichnete, wo ich meine vielen Runde drehte. In den Jahren danach gab es ein Fahrrad mit 3 Gang Nabenschaltung und Fahrten innerhalb des Wohngebietes. Ein billiges, ständig kaputtes Mountainbike aus dem Baumarkt öffnete mir später die Welt der 21 Gang Kettenschaltung und endlich Touren außerhalb des Ortes, eines kleinen Dorfes im Taunus (westlich von Frankfurt) in Hessen. 

Wir hatten damals nur 3 Fernsehprogramme und die Tour de France war das einzige übertragene Radsportereignis, woran ich mich aus dieser Zeit erinnern kann. Doch durch diese Erinnerung und besonders den Toursieg von Jan Ullrich 1997 war meine Leidenschaft für diesen Sport endgültig geweckt. Ich wollte und bekam mein erstes Rennrad. In gelb, was damals schon meine Lieblingsfarbe war. Einmal im Jahr war ich an der Strecke des Tagesklassikers „Rund um den Henninger Turm“ (heute „Eschborn-Frankfurt“), welcher bis heute durch den Taunus führt, jubelte den Stars des Team Telekom zu und sammelte manchmal in den Tagen danach Trinkflaschen aus dem Straßengraben. Mein gelbes Rennrad der Marke „Concorde“ mit Shimano Sora Schaltung sollte mich die nächsten 20 Jahre begleiten und ist noch heute im Einsatz für das Wintertraining auf der Rolle.

Der Allgäuer Jens Sommerer und seine Liebe zu Radtouren

Tagestouren und erste Reiseidee

Fürs Rennen fahren war ich nicht schnell genug, mein Fokus lag auf Tagestouren zunächst nordwestlich von Frankfurt, später nach meinem Umzug nach Darmstadt hauptsächlich im Odenwald entlang der Bergstraße und am Rhein entlang. Doch trotz der damaligen Tagesreichweite von 250km hatte ich mich an den sich immer und immer wiederholenden Strecken sattgesehen und wollte etwas Neues. 

Ich kaufte 2017 für 26€ einen gebrauchten Kinderanhänger auf einem Kleinanzeigenportal, plante  Wochenendtouren mit einer Übernachtung. Der Gedanke wurde aber immer größer, ich trainierte intensiver, nahm im Winter 2017/2018 in vier Monaten 20kg ab. Ich kaufte verschiedene Ausrüstung für die Reise, machte Testfahrten, auch um die Ergebnisse meiner leider nicht digital stabilisierten Kamera auf dem Anhänger zu testen. Im Frühjahr 2018 brach mir dann der Rennradrahmen am Schaltauge, was die ganze Tour in Frage stellte. Ein neues Rennrad war nicht im Budget, meine alten Komponenten hätten nicht zu einem neuen Rahmen gepasst, keine der von mir kontaktierten Schweißereien trauten sich zu den Rahmen zu reparieren. Ich recherchierte daher im Internet und fand am Ammersee ein gebrauchtes Rennrad ähnlich wie meines. So fuhr ich an einem Tag von Darmstadt nach München und zurück, baute mir aus 2 Rennrädern ein Neues zusammen und war bereit für die Tour.

Der Allgäuer Jens Sommerer und seine Liebe zu Radtouren

Tour 1 im Sommer 2018

Meine erste Tour führte mich von Hessen bis ins Allgäu, am Bodensee entlang, zum Rheinfall nach Schaffhausen, zum Feldberg im Schwarzwald, durch die Vogesen und durch den Pfälzer Wald zurück ins Rhein Main Gebiet. 15 Etappen, 1.420 Kilometer, 13.800 Höhenmeter. Nach meiner Rückkehr verbrachte ich viel Zeit am PC um meinen ersten Film „Road Bike Road Movie 2018“ zu produzieren und zeigt diesen Freunden und Kollegen. Das Ansehen der Aufnahmen bestärkte mich in dem Gedanken, weitere Radreisen in den kommenden Jahren zu unternehmen.

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Tour 2 im Sommer 2019

Durch eine berufliche Veränderung zog ich im Februar 2019 von Darmstadt ins Allgäu, trat dort eine Tätigkeit als Führungskraft im Personalwesen an. Das Allgäu ist wunderschön zum Radfahren und doch wollte ich noch im selben Jahr von dort eine Alpenüberquerung machen. Es ging über das Hahntennjoch, den Reschenpass, das berühmte Stilfser Joch (2.760m) , den Gaviapass bis runter zum Gardasee. Erstmals ging es ins Hochgebirge und auf die berühmten Strecken der großen Rundfahrten. Unvergesslich und natürlich wieder in einem Film -diesmal mit neuer stabilisierter Kamera in 4K festgehalten. Transalp 2019.

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Neue Technik in 2020

Aufgrund von Hüftproblemen fiel die Tour 2020 aus, dennoch war es ein wichtiges Jahr, da ich mir ein neues Rennrad und einen neuen Anhänger kaufte, selbstverständlich beides in gelb, so wie mein Trikot, mein Helm, meine Handschuhe und meine Reifen, die ich mir extra aus Italien kommen ließ. Ich hatte aus den vergangenen Reisen gelernt und so war mein Rad jetzt aus Carbon, hatte eine Schaltwerksverlängerung, Scheibenbremsen gaben mehr Sicherheit, der neue Einspuranhänger war aerodynamischer und leichter.

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Tour 3 im Sommer 2021

Mittlerweile hatte ich endgültig Feuer gefangen und wollte erstmals die berühmten Pässe der Tour de France fahren. Was hatte ich 1997 mitgefiebert, als sich Ullrich, Pantani und Virenque nach L’Alpe D’Huez hochquälten! Und dann gab es ja noch den Col de L’Iseran, den höchsten Pass der Alpen, der noch höher ist als das Stilfser Joch, welches ich 2019 bezwungen hatte. Mitte Juli gings los mit meinem neuen Colnago C64, erst über den Furkapass in der Schweiz, Col de la Forclaz, kleinen Sankt Bernard, Col de L’Iseran, Col du Galibier, L’Alpe D’Huez, entlang der Lavendelfelder der Provence auf den Mont Ventoux. Am Ende hatte ich noch ein paar Tage übrig und erreichte nach gut 2 Wochen Fahrt westlich von Marseille das Mittelmeer. Ein unvergesslicher Moment. Auch auf dieser Reise drehte ich einen Film in 4K, für den ich sogar extra eine Sängerin für den Titelsong und einen Drohnenpiloten engagierte. „L’Alpe du Jens 2021“

Social Media und Filme

In Frankreich bin ich beinahe täglich fotografiert und von Leuten auf mein Rad und einen möglichen Instagram Kanal angesprochen worden, den ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht hatte. Mich hat das Interesse überrascht, aber ich legte mir den Kanal an: #jensontour1.

Aufgrund meiner Vollzeit Tätigkeit im Personalwesen sehe ich mich nicht als typischen Influencer und doch freut es mich mit Leuten ins Gespräch zu kommen und Kontakte zu knüpfen. Gerne würde ich auch meine kompletten Filme online veröffentlichen, doch aufgrund der dort verwendeten Orginalsongs bekäme ich Probleme mit dem Urheberrecht. Mein Bekanntenkreis freut sich jedoch sehr über neues Videomaterial und die Fahrtaufnahmen bei über 60km/h.

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Zukunftspläne

Um eine Radreise zu machen braucht man Gesundheit, Fitness, Urlaubstage und ein gewisses Budget. Solange ich diese Faktoren aufrecht erhalten kann, will ich 1x im Jahr auf Radreise gehen. 2022 plane ich die Gipfel der Pyrenäen zu erklimmen, von Aubisque und Tourmalet bis Andorra Arcalis, wo Ullrich das gelbe Trikot übernommen hat, hoch nach Luz Ardien, an dessen Anstieg Armstrong gestürzt ist und Ullrich Fairness bewies und wartete. Vom Timing her will ich Mitte Juli starten, da auch die Tour de France zu diesem Zeitpunkt in den Pyrenäen ist. Vielleicht bleiben am Ende noch ein paar Tage für einen entspannten Strandspaziergang am Atlantik.

In den kommenden Jahren wäre es bestimmt reizvoll im gelben Trikot nach Paris zu fahren, vielleicht auch mal in Begleitung einer netten Rennradlerin… Und wenn das Wetter mal schlecht ist, wartet ja immer noch mein gelbes Concorde Rennrad von früher auf der Rolle…


Jens Sommerer on Tour – Impressionen:


Jens Sommerer im Interview mit all-in.de:

https://www.all-in.de/memmingen/c-lokales/verrueckte-radtour-allgaeuer-faehrt-von-memmingen-ans-mittelmeer_a5141561


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Ich bin ein Hobbyradler aus Süddeutschland (Allgäu), der Radreisen in Europa unternimmt. Von jeder Fahrt erstelle ich mit meiner Onboard-Cam einen Film und betreibe mit voller Freude meinen Instagram-Account #jensontour1.