Eine gute Frage, die nicht ganz leicht zu beantworten ist. Es geht uns jedoch nicht um Gruppenfahrten, sondern darum, was du leisten musst, wenn du alleine auf deinem Rad gegen den Wind ankämpfen musst.  

30km/h sind mit weniger als 140 Watt möglich. Der Fitting-Experte Kay Dobat hat das eindrucksvoll bewiesen. Der Schlüssel für seine Rekordfahrt ist eine gute Aerodynamik. Ein Thema, um das kein Rad- oder Triathlon-Profi mehr herumkommt. Wer heute auf dem Rad vorne mitmischen will, testet im Windkanal oder auf der Radbahn. 

Im Profigeschäft geht es da um Kleinigkeiten, die sogenannten Marginal Gains. Da wird nach jedem Watt gesucht, was man einsparen kann, weil in der Weltspitze ein Prozent eben den Unterschied macht.

Aber auch für Hobbysportler lohnt es sich, die eigene Aerodynamik zu verbessern. Dafür brauche ich weder einen Windkanal noch ein sündhaft teures Cockpit aus dem 3D-Drucker. Im Hobbysport geht es auch nicht um die Marginal Gains, sondern um die Basisarbeit.

Aerorahmen, integrierte Trinksysteme, Hochprofillaufräder, Zeitfahranzüge und spacige Helme – viele Agegrouper gönnen sich bereits Profimaterial, in der Hoffnung dadurch die eigenen Radsplits zu verbessern. 

Dabei vergessen die meisten jedoch, dass nicht das Material, sondern der Fahrer den meisten Luftwiderstand produziert. Grundlage für schnelle Radzeiten im Triathlon und Zeitfahren ist und bleibt daher die Sitzposition. 

Im Idealfall kombinierst du natürlich dein schnelles Material mit einer optimierten Sitzposition, um deine Geschwindigkeit auf dem Rad zu erhöhen. Kay Dobat von Dobay Cycling ist ein absoluter Fachmann auf diesem Gebiet. Um zu zeigen, was alles möglich ist, hat er ein paar seiner Testfahrten aufgezeichnet.

Wie in der Headline bereits angedeutet, ist es ihm gelingen 30km/h mit weniger als 140 Watt zufahren. Kay konnte das Tempo über eine Strecke von rund 40km mit 195Hm halten!

Alle Daten zur Rekordfahrt kannst du auf seinem Strava-Profil einsehen:

https://www.strava.com/activities/4033676533?fbclid=IwAR1MOYjFQWKTbRmMVn9gux9XzWgTRE5HfXzi1WnjPqV8Mciio6rwbk6B4QA

Aus einem solchen Experiment kann man verschiedene Dinge ableiten: Zum einen braucht man kein Tier auf dem Rad zu sein, um beim Zeitfahren schnelle Zeiten in den Asphalt zu brennen. Zum anderen kommt die Aerodynamik des Systems aus Fahrer und Bike auch bei verhältnismäßig geringen Geschwindigkeiten voll zum Tragen.

Der Vollständigkeit halber sind hier noch mal die Leistungsdaten im Überblick:

  • Distanz: 41,5 km
  • Dauer: 1:22:41
  • Höhenmeter: 195
  • Durchschnittstempo: 30,2 km/h
  • Durchschnittsleitung: 139 Watt
  • Systemgewicht: ca. 85kg (Fahrer & Bike)
  • Größe des Fahrers: 182cm
  • Gewicht des Fahrers: 74kg

Je schneller das Durchschnittstempo ist, desto größer wird der Einfluss der Aerodynamik und damit das absolute Einsparpotenzial. Wenn ihr im WK schneller als 30km/h fahren wollt, müsst ihr also mehr Leistung investieren. Deshalb sind hier noch ein paar weitere Testfahrten von Kay:

Für 114,6km mit 356Hm brauchte Kay Dobat 3:19:00 – das entspricht einem Tempo von 34,6km/h bei 170 Watt AvgP.

https://www.strava.com/activities/1733224864?fbclid=IwAR3QTUL3kH4bmoGiCDgiTOcYDYD9RAyie_l45WtaaxzQPUUAulUKGUY-jhs


Wie viel Watt benötigt man für einen 40er Schnitt? 

24,5km mit 57 Hm in 36.48min – Kay konnte im August 2018 mit 250 Watt AvgP einen 40er Schnitt fahren. 

https://www.strava.com/activities/1745595007?fbclid=IwAR0Fk83FCXY8OOcvfoGF-n6DUONShJXczZGuWWkH3Nc_eEBVCgVcFIl0b98


Wie viel Watt muss man treten, um 180km unter 5 Stunden zu fahren?

Die Frage ist natürlich sehr individuell, aber von Kay gibt s auch dazu eine Strava-Aufzeichnung von Ostseeman 2018: Die Strecke misst 175,4km mit 1.415Hm. Kay konnte die Distanz als Staffelfahrer in 4:46:27 zurücklegen und benötigte dafür eine Durchschnittsleistung von 211 Watt. Das entspricht übrigens einem Durchschnittstempo von 38,6km/h! 

Jetzt war die Strecke etwas zu kurz. Deshalb würde ich das gerne auf 180km hochrechnen. Bei einem 38er Schnitt brauchte Kay knapp 1:40min pro Kilometer. Angenommen er hätte das Tempo noch weitere 5km aufrechterhalten können, würden knapp 8:30min dazukommen. Damit bliebe er souverän unter der 5 Stundenmarke.

Hier sind die Details zum Ostseeman:

https://www.strava.com/activities/1753350983?fbclid=IwAR28Jx_KJrBdoUJl3JhB9qss15hEP55caOrxQlVCehfUDzzxaH_u5J8wPqs

Ich finde, an den vorliegenden Daten kann man recht eindrucksvoll den Einfluss der Aerodynamik auf die Radzeiten sehen. Es lohnt sich also, mal einen Blick auf das eigene Einsparpotenzial zu werfen.

Deshalb werden wir uns mal in einer kleinen Beitragsreihe damit beschäftigen, was ihr selbst optimieren könnt und wo sich der Schritt zum Bike Fitter lohnt. 

Über Kay Dobat

Das erste 24h-Rennen bestritt Kay Dobat mit 3 Freunden im Team bereits 2009. Die Liebe zu Langstreckenrennen war geboren. Den ersten Podiumsplatz als Einzelfahrer in einem 24h- Rennen erreichte Kay 2 Jahre später (728km in etwa 23h). Die Sitzpositionsoptimierung war bei allen Rennvorbereitungen stets ein zentrales Thema.

Nach diversen Ultradistanzrennen und den Besuchen bei verschiedenen Bikefittern hat Kay sich selbst intensiv mit den Themen Sitzpositionsoptimierung, Biomechanik, Satteldruckmessung, Aerodynamik und Materialauswahl beschäftigt.

Da er bereits zu der Zeit für viele Radsportler der Ansprechpartner für Bikefittings war, gründete er 2012 seine Firma Dobat-Cycling Bikefitting. 2016 kam als Ergänzung das Praxishandbuch Bikefitting vom Spomedisverlag hinzu.

Mittlerweile umfasst das Dobat-Cycling Team 6 Personen (4 Bikefitter, 1x Materiallogistik, 1x Backoffice), sowie ein Netzwerk aus Trainern, Leistungsdiagnostikern, Ernährungsberatern und Aerodynamikexperten. Auch die enge Zusammenarbeit mit Profisportlern und Materialherstellern sowie die unzähligen Tests auf der Radrennbahn zahlen sich für die Kunden von Dobat-Cycling aus.

Infos zu Dobat Cycling: https://www.dobat-cycling.de 

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Jörg Birkel lebt und arbeitet seit 2013 auf Mallorca und bietet dort ganzjährig Sportreisen und Trainingslager an. Zuvor hat er an der Deutschen Sporthochschule in Köln studiert und mit einem Diplom als Sportwissenschaftler abgeschlossen. Im Anschluss an sein Studium hat sich Jörg als Sportjournalist selbstständig gemacht und über Trainings- und Ernährungsthemen geschrieben. Von 2003 bis 2009 war der passionierte Radfahrer und Fachbuchautor als Dozent an der Deutschen Sporthochschule tätig. Und seit dem 15. Oktober 2020 verstärkt er ilovecycling.de als Chef-Redakteur mit seinem Fachwissen.