Die Zahl verfügbarer Leistungsmesser auf dem Markt wächst beständig. Dabei konkurrieren unterschiedliche Systeme um die Gunst der Käufer. Wir haben das pedalbasierte System von Powertap einem Dauertest unterzogen.

Der größte Vorteil eines pedalbasierten Powermeters ist sicherlich, dass man das System ohne großen Montageaufwand auf verschiedenen Rädern nutzen kann. Einfach Pedale abschrauben und auf einem anderen Rad montieren. So zumindest lautet die Wunschvorstellung des Kunden.

Bei den bisher auf dem Markt erhältlichen Pedalsystemen war das aber nicht ganz so einfach. Entweder brauchte man einen Drehmoment-Schlüssel um das Pedal korrekt zu justieren oder Spezialwerkzeug war für die Montage nötig. Andernfalls können die Leistungswerte zu stark abweichen.

Die amerikanische Firma Powertap hat nun mit dem P1 ein Pedalsystem vorgestellt, welches tatsächlich kinderleicht zu montieren ist. Ein 8er-Inbusschlüssel reicht aus, um die Pedale am Rad zu montieren.

Genau wie bei den Konkurrenzprodukten (Garmin Vector und Favero bePRO) sind die Pedale in einer teureren, beidseitigen und einer günstiger, einseitige Version erhältlich. Wir haben für euch die beidseitigen Pedale Powertap P1 unter die Lupe genommen.

Bereits beim Auspacken fällt einem die robuste Bauweise positiv ins Auge. Die Messelektronik der Powertap P1 ist komplett im Pedal untergebracht. Externe Sensoren gibt es keine. Dafür bauen die Pedale relativ hoch auf. Die Höhe liegt bei 14mm. Neben der Elektronik müssen schließlich auch die handelsüblichen AAA-Batterien im Pedal Platz finden.

Die Entscheidung für Batterien statt eines integrierten Akkus hat Vor- und Nachteile. AAA-Batterien bekommt man beispielsweise in jedem Supermarkt. Allerdings empfiehlt der Hersteller, nur Lithium-Batterien zu verwende. Die Batterielaufzeit wird mit rund 60 Stunden angegeben und ist relativ knapp bemessen, zumal die Batterien in der Praxis deutlich früher leer waren.

Installation und Montage

Die Installation der Powertap P1 ist in der Tat sehr einfach. Mit einem kleinen Inbusschlüssel lässt sich das Batteriefach öffnen und die Energiezellen einlegen. Für die Montage am Rad ist dann ein 8er-Inbusschlüssel erforderlich. Einfach das Pedale an der Kurbel ansetzen, handfest drehen, fertig.

Die Pedale sind auf eine Kurbellänge von 172,5 mm voreingestellt. Sofern das passt, kann man nun den Leistungsmesser mit seinem Radcomputer koppeln. Andernfalls muss man über die Powertap-App die korrekte Pedallänge einstellen. Die App ist kostenlos erhältlich, es gibt allerdings nur eine Version für Apple-Geräte.

Wir haben die Powertap P1 zunächst mit einem Garmin 735XT und anschließend mit einem Garmin 820 Edge getestet. Sobald man die Pedale bewegt, sendet die Mastereinheit ein Signal. Die 735XT hat das Signal schnell erfasst und die Pedale als Leistungsmesser erkannt. Im Prinzip kann man jetzt losfahren.

Kommunikation mit
verschiedenen Radcomputern

Nach wenigen Metern kalibriert sich das System von selbst und liefert verlässliche Werte. Allerdings empfiehlt der Hersteller, den Leistungsmesser manuell zu kalibrieren. Diese Möglichkeit bietet die Garmin 735XT leider nicht, weshalb wir für den weiteren Test einen Garmin Edge 820 verwendet haben.

Das Koppeln des Sensors funktionierte genauso reibungslos wie vorher bei der Uhr. Sobald der Sensor vom Radcomputer erfasst ist, lässt sich das System kalibrieren. Nun konnte es losgehen. Rund 1.500 Kilometer haben wir mit den Pedalen zurückgelegt. Dabei haben die Pedale zuverlässig alle Kurbelbewegungen erfasst und valide Werte ausgespuckt.

Kleiner Schönheitsfehler in der Kommunikation mit Garmin: Sobald der Leistungsmesser nach dem Anschalten des Garmin erkannt wird, meldet dieser, dass der rechte Sensor fehlen würde. Die Rechts-Links-Verteilung ist aber in der Anzeige und der späteren Auswertung immer korrekt vorhanden.

Möglicherweise liegt das Anzeigeproblem daran, dass bei Powertap das linke Pedal die Mastereinheit ist und das rechte als Slave fungiert. Bei Garmin Vector ist es wohl umgekehrt, weshalb der Edge 820 bei Powertap Pedalen einen fehlenden Sensor moniert.

Der Anzeigefehler beruht offenbar auf der Garmin-Software. Mit einem Sigma-Computer haben die P1 problemlos funktioniert. Auf die ermittelten Werte hat dieser kleine Kommunikationsfehler jedenfalls keine Auswirkung. Ein Vergleichstest mit einem Power2max-Wattmesser hat keine signifikanten Abweichungen ergeben.

Die Powertap P1 beherrschen sowohl den ANT+ Standard als auch Bluetooth Smart. Damit ist das System auch mit Polargeräten kompatibel. Der Hersteller empfiehlt übrigens, nur mit den eigenen Pedalplatten zu fahren, obwohl in unserem Test die fast baugleichen Platten von Look (Kéo) ebenfalls einwandfrei funktioniert haben.

Fazit

Die kinderleichte Installation und die damit verbundene Flexibilität wiegen die knapp bemessene Batterielaufzeit und das geringe Mehrgewicht gegenüber anderen Systemen auf. Statt ständig neue Batterien zu kaufen, haben wir aufladbare AAA-Akkus verwendet. Das Wichtigste ist jedoch: In unserem Test haben die Pedale verlässliche Werte für die Trainingssteuerung geliefert.

Kaufempfehlung

Radsportler, die flexibel bleiben und regelmäßig zwischen verschiedene Räder wechseln möchten, können sich die Powertap P1 bedenkenlos kaufen.

Lieferumfang

  • 2 Pedale (re/li) jeweils mit einem Sensor
  • 2 Schuhplatten
  • 2 AAA-Lithiumbatterien
  • Bedienungsanleitung

Bewertung

Pro:

  • einfach zu installieren (kein Drehmoment oder Montagehilfe notwendig)
  • Schnell zu wechseln mit einem 8-mm-Inbusschlüssel
  • echte beidbeinige Messung
  • Handelsübliche AAA-Batterien
  • ANT+ und Bluetooth smart

Contra:

  • etwas große Bauhöhe (14 mm)
  • relativ kurze Batterielaufzeit
  • Nur Apple-App und keine Android-Software verfügbar
  • Relativ schwer (398 g)

Preise: ab 1.199€ für die Powertap P1 und ab 699€ für die Powertap P1S
Weitere Infos: www.powertap.com

Teilen

Jörg Birkel lebt und arbeitet seit 2013 auf Mallorca und bietet dort ganzjährig Sportreisen und Trainingslager an. Zuvor hat er an der Deutschen Sporthochschule in Köln studiert und mit einem Diplom als Sportwissenschaftler abgeschlossen. Im Anschluss an sein Studium hat sich Jörg als Sportjournalist selbstständig gemacht und über Trainings- und Ernährungsthemen geschrieben. Von 2003 bis 2009 war der passionierte Radfahrer und Fachbuchautor als Dozent an der Deutschen Sporthochschule tätig. Weitere Informationen unter: www.jorge-sports.com

1 Kommentar

  1. Hallo Jörg,

    vielen Dank für Deinen Artikel. Da die P1-Pedale noch nicht lange am Markt erhältlich sind, gibt es bisher nur wenige Erfahrungsberichte. Daher möchte ich gern Deinen Artikel um meine 1-jährige Erfahrung (10.000Km, 2 Paar) mit den P1 ergänzen.
    Grundsätzlich schließe ich mich Deinen Pro-Argumenten an. Die einfache Installation überzeugt!
    Ich betreibe neben dem Training auch Wettkampfradsport. Kriterien, Rundstreckenrennen und Zeitfahren – alles dabei. Leider habe ich in einigen Rennen keine Leistungsdaten von den P1 erhalten, da diese ausgefallen sind. Den Akkustand und sonstige Fehlerquellen habe ich vorher geprüft und alles war einwandfrei. Woher die Ausfälle rühren, weiß ich bis heute nicht.
    Die große Aufbauhöhe birgt die Gefahr, in engen Kurven aufzusetzen und ggf. zu stürzen. Aufgesetzt bin ich einige Male; glücklicherweise ohne Sturz.
    PowerTap empfiehlt LiIonen-Batterien. Allerdings sind diese am Markt als wiederaufladbare AAA-Akkus (1,5V) sehr schwer zu erhalten. Ich bin nur bei einem chinesischen Hersteller (Kentli) fündig geworden. Und da kostet das Stück 10€. Ein spezielles und teures LiIonen-Ladegerät ist obligatorisch. Da die Batterielaufzeit recht kurz ist, empfehlen sich aus ökologischen Gründen Akkus.
    Der deutsche Kundenservice (Sport Import GmbH, Edewecht) ist sehr zuverlässig und kulant. Mein eines defektes Paar P1 wurde anstandslos ausgetauscht. Leider gibt es laut deren Aussage (Stand 07/2017) in ganz Europa kein Prüfgerät für die P1. Kundenmonteure müssen sich daher mit anderen Mitteln von der (Nicht-) Funktion defekter Pedale behelfen. Sollte also in Deutschland keine Lösung gefunden werden, müssen die P1 zur Reparatur in die USA geschickt werden, was den Prozess natürlich deutlich verlängert.
    Mein Fazit: Nur der kulante Kundenservice konnte mich überzeugen, weiterhin die P1 zu nutzen. Bei den Anschaffungskosten für 1 Paar kann der Endnutzer auch gleich zwei zuverlässige Kurbelmesssysteme kaufen und erspart sich dann sogar den Umbau der Pedale von einem zum anderen Rad.

    Radsportliche Grüße aus Kiel

    Alexander Ziems

Kommentiere den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here