Ehrlich, wissenschaftlich korrekt – und mit einem Augenzwinkern. Ich bin kein Ernährungswissenschaftler, sondern Radfahrer mit Praxisfimmel. Was folgt, sind meine persönlichen Empfehlungen aus meinem Trainingsalltag, der Erfahrung der letzten Radsportjahre und der gelesenen Lektüre der letzten Jahre, wenn nicht Jahrzehnte. Ein paar Quellen und einen eigenen ilovecycling.de-DIY-Getränkerechner habe ich am Ende des Artikels aufgeführt. Und ja:
„Der Unterschied zwischen
einem Riegel und Omas Butterzopf?
Etwa 2 € und 10 % weniger Glück.“
Worum es wirklich geht: Energie rein, Leistung raus
Leistung auf dem Rad ist simple Physik – aber der Motor sind Kohlenhydrate. Dein Körper speichert ca. 400–600 g Glykogen (Leber + Muskeln). Das reicht je nach Intensität 60–120 Minuten. Danach wird’s zäh. Ziel: Glykogen sparen und Zufuhr sichern.
Merke (für fast alle Ausfahrten >90 min):
- 30–60 g Kohlenhydrate pro Stunde als Basis.
- 90–120 g/h sind möglich, wenn du den Darm trainierst (Glukose+Fruktose im Verhältnis ~1:0,8 bis 1:1).
- Trinken: grob 0,4–0,8 l/h, bei Hitze mehr.
- Natrium: 300–800 mg/l, starke Schwitzer bis 1000 mg/l.
Vor der Fahrt: Timing schlägt Zauberpulver
- 2–4 h vorher: 1–4 g KH/kg Körpergewicht (Pasta, Reis, Haferflocken). Wenig Fett, moderates Protein, ballaststoffarm.
- <60 min vorher: Mini-Snack 15–30 g KH (Banane, Toast mit Honig).
- Koffein-Boost: 2–3 mg/kg 60 min vorher oder 1–2 kleinere Dosen während der Fahrt. (Ja, der Kaffeestopp zählt dazu – siehe unten.)

Während der Fahrt: Riegel vs. echte Nahrung
Gels & Riegel sind praktisch, planbar und magenfreundlich – wenn du sie trainierst. Echte Nahrung (Butterzopf, Reiskuchen, Banane) liefert oft gleich viel Energie und mehr Glückshormone.
- Kurz & hart (<90 min): Wasser + ggf. Koffein reicht.
- Mittel (90–180 min): 60–90 g KH/h über Drinkmix + Riegel/Fruchtgummi.
- Lang (>3 h): 80–120 g KH/h, Mischung aus Drinkmix, Gels und echtem Essen. Salz nicht vergessen.
Kostenfaktor? Ein gutes Hausrezept (Reiskuchen, Honigtoast) liefert pro Euro mehr Gramm Kohlenhydrate als das Space-Gel – und schmeckt oft besser.
Trinken, aber clever
- Durst ist zu spät. Starte früh, kleine Schlucke alle 10–15 Min.
- Bei Kälte brauchst du weniger, aber nicht „nichts“. Trockene Winterluft entzieht ebenfalls Flüssigkeit.
- Bei Hitze: teste dein Schweißprofil (vor/nach Wiegen). Verlierst du pro Stunde >1 l, brauchst du entsprechend mehr und natriumreich.
Koffein: Der Espresso-Effekt
Koffein erhöht Wachheit, senkt subjektive Anstrengung, kann Fettverbrennung leicht anstoßen und Glykogen sparen.
- Dosis: 2–3 mg/kg sind sweet spot (z. B. 150–250 mg bei 75 kg).
- Timing: 45–60 Min. vor Belastung oder in kleineren Dosen verteilt.
- Kaffee-Stopp = Trainingsnutzen: kurze Pause → Stresshormone runter, soziale Motivation rauf, frischer Koffein-Kick. Und wer danach sauber wieder antritt, trainiert Wechselbelastungen – genau das, was Rennen und Gruppenfahrten fordern.

„Pannen“ beim Essen: typische Fehler & schnelle Fixes
- Zu spät essen → Hungerast
Fix: Uhr alle 20 Min. piepsen lassen. Früh starten, konstant zuführen. - Zu viel Fruktose → Magen grummelt
Fix: Kombi-Quellen (Glukose+Fruktose), Intake stufenweise erhöhen (Darmtraining!). - Nur Wasser → Krämpfe/Gehirnnebel
Fix: Elektrolyte (v. a. Natrium). Faustformel 300–800 mg/l. - „Low-Carb-Long-Ride“ zu oft
Fix: gezielt und selten einsetzen. Für Qualitätseinheiten KH voll. - Zu fettig/faserreich vor dem Ride
Fix: Fett & Rohkost auf später verschieben. Keep it simple.
Recovery: Wo die Musik spielt
Die erste Stunde nach der Belastung ist Gold.
- Carbs: ~1 g/kg (oder 0,8 g/kg bei moderater Einheit).
- Protein: 0,25–0,4 g/kg (20–35 g).
- Flüssigkeit: 1,5 × Schweißverlust (wenn du’s gewogen hast).
- Pragmatisch: Schokomilch + Banane + salziger Snack – günstig, effektiv, lecker.
Supplements: Was hilft – was nur teuer ist?
Kann sinnvoll sein (situationsabhängig):
- Nitrat/Rote-Bete: 400–800 mg Nitrat, 2–3 h vorher; besonders bei submaximalen/Intervall-Leistungen, eher bei weniger Trainierten stärkerer Effekt.
- Beta-Alanine: nützlich für 1–4-Minuten-Krachen, aber Kribbeln (harmlos).
- Kreatin: Sprint/Maxkraft (Off-Bike), Gewicht im Blick behalten.
- Natriumbikarbonat: Puffer für sehr harte Intervalle – hohes GI-Risiko; nur getestet einsetzen.
Meist überflüssig für Ausdauer:
- BCAAs (wenn Protein passt), Carnitin, exogene Ketone (teuer, Nutzen unklar), Detox-anything.
Günstig & gut: Meine Alltags-Favoriten
- Drinkmix DIY: 60 g Maltodextrin + 30 g Fruktose + Prise Salz in 750 ml.
- Riegel-Ersatz: Reiskuchen (Reis + Milch + Zucker + Prise Salz), Honig-Toast, Kartoffeln mit Salz.
- Koffein: Espresso oder Filterkaffee + klare Trinkstrategie.
Spickzettel für ilovecycling-Touren
- <90 min locker: Wasser, ggf. Espresso, danach normal essen.
- 2–3 h zügig: 60–90 g KH/h + 500–700 ml/h + 300–600 mg Na/l.
- >3 h / Hitze / Berge: 90–120 g KH/h, 0,6–1,0 l/h, Salz hochfahren.
- Recovery: 20–35 g Protein + ~1 g/kg KH in 60 min.
- Train the gut: Ziel-Intake im Training üben, nicht am Renntag erfinden.

ILOVECYCLING.DE – DIY-Getränkerechner:
Der Rechner bildet den aktuellen Konsens solide ab und macht ihn praktisch bedienbar. Für Top-Feintuning (extreme Hitze, sehr hohe Intensität, empfindlicher Magen, spezielle Diäten) sind individuelle Tests sinnvoll – idealerweise im Training, nicht am Renntag. Wichtig: Es ist keine medizinische Beratung und individuelle Unterschiede (Magen/Darm, Schweißrate, Natriumverlust) sind groß.
Eingaben
Mini‑Hilfe: Schweißrate messen
So geht’s (zu Hause):
- Nüchtern aufs Klo, dann nackt wiegen (vorher).
- Fahren/Trainieren (Dauer notieren). Getränke in ml mitzählen; Urinmenge notieren (falls möglich).
- Direkt danach nackt wiegen (nachher).
Rechnung: Schweißverlust (g) ≈ Gewichtsverlust + aufgenommene Flüssigkeit − Urin.
1.000 g ≈ 1,0 L.
Schweißrate (L/h) = (Schweißverlust in L) ÷ (Dauer in h).
Tipp: 2–3 Mal wiederholen (verschiedene Temperaturen/Intensitäten) und Mittelwert nutzen.
Ergebnisse (pro Flasche & Gesamt)
| Dauer / Belastung | KH-Ziel | Trinkmenge | Natrium | Hinweise |
|---|---|---|---|---|
| < 90 min (locker) | 0–30 g/h | 0,3–0,5 L/h | 200–400 mg/L | Kaffee okay; danach normal essen. |
| 90–180 min (zügig) | 60–90 g/h | 0,5–0,7 L/h | 300–600 mg/L | Glukose+Fruktose mischen; früh starten. |
| > 3 h / Hitze / Berge | 90–120 g/h | 0,6–1,0 L/h | 600–1000 mg/L | Darm trainieren; Salz hochfahren. |
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- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Arbeitsgruppe Sporternährung: Positionspapiere zu Kohlenhydraten, Flüssigkeitsmanagement, Mikronährstoffen und Supplementen.
- Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin (DZSM). Ernährungsempfehlungen für Ausdauersportler – Übersicht/Positionspapiere.
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Koffein & koffeinhaltige Getränke – gesundheitliche Bewertung, sichere Mengen.
- Bundeszentrum für Ernährung (BZfE). Energy-Drinks & Koffein – Verbraucherinformationen.
- Deutscher Olympischer Sportbund / Team Deutschland. „Food-Guide“ – Praxishandbuch Sporternährung.
Show references
- American College of Sports Medicine. Position Stand: Exercise and Fluid Replacement. Med Sci Sports Exerc. 2007 (plus updates).
- International Society of Sports Nutrition. Position stand: caffeine and exercise performance. J Int Soc Sports Nutr. 2021.
- Jeukendrup AE. Carbohydrate intake during exercise; multiple transportable carbohydrates; gut training. Sports Med. 2014; ACSM SPB 2017.
- Jones AM. Dietary nitrate and performance. Sports Med. 2014; + neuere Reviews.
- Hobson RM et al. Beta-alanine meta-analysis. Amino Acids. 2012.
- Carr AJ et al. Sodium bicarbonate meta-analysis. Int J Sport Nutr Exerc Metab. 2011.
Fazit mit Zwinkern
High-Tech-Gels sind super – aber ohne Plan sind sie teure Marmelade. Plane deine Zufuhr wie deine Schaltpunkte, hör auf deinen Magen wie aufs Freilaufklicken und gönn dir den Espresso-Stopp: Er trainiert Kopf, Teamgeist und manchmal die Beine. Und wenn Omas Butterzopf wartet: 10 % mehr Glück ist auf langen Anstiegen oft genau die fehlende Wattzahl.
Deutsche Quellen (Auswahl meiner Lektüre):
- DGE – Arbeitsgruppe Sporternährung: Positionspapiere & Praxisinfos zu KH, Flüssigkeit, Mikronährstoffen, Supplementen
dge.de → Suche auf der Seite nach „Sporternährung Positionspapier“. - Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin (DZSM): Übersichten/Positionspapiere für Ausdauersport
germanjournalsportsmedicine.com - Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Koffein & koffeinhaltige Getränke (sichere Mengen, Risikogruppen)
bfr.bund.de → Suche „Koffein“ oder „Energy-Drinks“. - Bundeszentrum für Ernährung (BZfE): Verbraucherinfos zu Energy-Drinks & Koffein
bzfe.de → Suche „Energy-Drinks“. - DOSB / Team Deutschland – Food-Guide (praxisnaher Leitfaden)
teamdeutschland.de → Suche „Food Guide“ / „Ernährung“. - Deutsche Sporthochschule Köln / DHfPG: didaktische Materialien & Leitfäden (KH-Strategien, Hydration, Koffein)
dshs-koeln.de
Internationale Quellen (Auswahl meiner Lektüre):
- Carbs während Belastung / „Train the gut“ / Glukose+Fruktose: Jeukendrup – Reviews & Guidelines. Link
- Glykogen & Leistung bei hoher Intensität: Sports Medicine Review. Link
- Hydration & Natrium / Individualisierung: ACSM Position Stand „Exercise and Fluid Replacement“. Link
- Koffein (Dosis, Timing, Effekt): ISSN Position Stand. Link
- Nitrat/Rote Bete: Systematische Reviews/Meta-Analysen. Link
- Beta-Alanine (1–4 min): Meta-Analysen/Reviews. Link
- Natriumbikarbonat & GI-Nebenwirkungen, Enteric-Coating: Studien/Reviews. Link































