Ich sage es direkt vorweg: „High-Performance im Radsport“ ist für mich das mit Abstand stärkste Trainingsbuch, das ich in den vergangenen Jahren in der Hand hatte. Wenn du ambitioniert Rad fährst – egal ob auf der Straße, im Gelände oder virtuell –, gehört dieses Buch eigentlich ins Regal. Eigentlich schon, wie das erste Buch des gleichen Autors: Die Trainingsbibel für Radsportler: Das umfassende Trainingshandbuch.


Wer ist Joe Friel – und warum sollte mich das interessieren?

Joe Friel ist keiner dieser Theoretiker, die einmal eine nette Idee hatten und daraus ein Buch machen. Beim Lesen merkt man schnell: Hier schreibt jemand, der seit Jahrzehnten mitten im Renngeschehen steht.

  • Über 40 Jahre Erfahrung als Coach
  • Betreuung von ambitionierten Hobbyfahrer:innen, Profis und sogar Olympiateilnehmer:innen
  • Autor der bekannten „Trainingsbibeln“ für Radsportler:innen und Triathlet:innen
  • Mitgründer von TrainingPeaks, der wahrscheinlich wichtigsten Plattform für Trainingsplanung und -analyse

Schon nach den ersten Kapiteln war mir klar: Das ist nicht einfach nur ein Update seiner alten Bücher, sondern eine konzentrierte, moderne Zusammenfassung seiner gesamten Trainingsphilosophie – und zwar spezifisch für Straßenradsport, Gravel und Mountainbike.

High-Performance – aber für jeden

Was mir besonders gut gefallen hat: Friel macht sehr deutlich, dass „High-Performance“ kein Synonym für WorldTour-Level ist. Es geht nicht darum, ob du bei der Tour de France starten könntest, sondern ob du dein persönlich hohes Ziel erreichst.

Sinngemäß sagt er: Wenn du dir ein ambitioniertes Wettkampfziel setzt und die Leistung bringst, die nötig ist, um dieses Ziel zu schaffen, dann bist du ein High-Performance-Athlet. Punkt.

Diese Haltung zieht sich durchs ganze Buch. Es ist nie abgehoben, nie elitär. Egal, ob du:

  • dein erstes Gravelrennen finishen willst,
  • beim Rundstreckenrennen endlich im Finale noch Körner übrig haben möchtest,
  • ein Etappenrennen, ein Zeitfahren oder Cross-Country-MTB planst
  • oder bei einem virtuellen Rennen auf Zwift & Co. vorne mitmischen willst –

du findest dich in den Beispielen wieder.


Wie das Buch dich konkret weiterbringt

Der große Pluspunkt: Friel baut mit dir Schritt für Schritt ein Trainingssystem auf, statt dir einfach ein paar fertige Pläne vor die Nase zu legen.

1. Alle Fähigkeiten im Blick – nicht nur Watt

Hervorragend fand ich, wie ganzheitlich er Training denkt. Es geht nicht nur um FTP oder VO₂max, sondern um:

  • Ausdauer für lange Rennen
  • Kraft und sinnvolles Krafttraining
  • Technik und Skills – z. B. für MTB, Gravel, Abfahrten
  • Aerobe Kapazität und Stehvermögen
  • Sprintleistung
  • und ein belastbares High-Performance-Mindset

Er erklärt einleuchtend, wie diese Bausteine zusammenspielen und wie du Prioritäten setzt – je nach Rennen, Saisonphase und Zeitbudget.

2. Intensität entmystifiziert

Ein Kapitel, das ich extrem hilfreich fand, ist das zur Trainingsintensität. Friel nimmt dir die Angst vor der „richtigen Zone“:

  • Wie du mit vertretbarem Aufwand deine Trainingszonen bestimmst
  • Wie du verstehst, was niedrige vs. hohe Intensität physiologisch bewirken
  • Wie das Verhältnis der Intensitäten über die Saison aussehen kann
  • Wie du daraus maßgeschneiderte Einheiten ableitest, statt blind Intervalle beliebiger Art abzufahren

Gerade wenn du mit Powermeter, Herzfrequenz und vielleicht sogar HRV arbeitest, hilft dir dieses Buch enorm dabei, den Daten-Wust zu sortieren und auf das Wesentliche zu fokussieren.

3. Belastung vs. Erholung – endlich klar erklärt

Ein weiterer roter Faden ist das Thema Konsistenz und Erholung. Friel betont:

  • Trainingspläne „von der Stange“ helfen selten wirklich weiter.
  • Kein Plan ist in Stein gemeißelt – Anpassungen gehören dazu.
  • Fortschritte musst du im Blick behalten, statt stur Kästchen abzuhaken.
  • Gute Leistungen im Rennen gibt es nur, wenn du erholt in die entscheidenden Einheiten und Wettkämpfe gehst.

Besonders hilfreich fand ich die konkreten Hinweise zu Fragen wie:

  • Was tun, wenn man wegen Job, Familie oder Krankheit Einheiten verpasst?
  • Wie passt man den Plan an, ohne in Panik oder Überkompensation zu verfallen?
  • Wie sollte ein sinnvolles Tapering aussehen?
  • Was gehört zu einer guten Nachbereitung und Analyse nach dem Rennen?

Praxis pur: Beispiele, Fälle, Expert:innen

Man merkt dem Buch an, dass es aus der Praxis für die Praxis geschrieben ist.

  • Jedes der neun Kapitel startet mit einer Athlet:innen-Story aus Friels Coaching-Alltag – greifbar und motivierend.
  • Dazu gibt es in jedem Kapitel einen Gastbeitrag von absoluten Top-Leuten zu Schlüsselthemen wie:
    • Trainerwahl
    • Bikefitting
    • Low-Intensity-Training
    • Polarisiertes Training
    • Datenanalyse
    • Herzfrequenzvariabilität
    • Mentaltraining
    • Sporternährung
    • Warm-up

Diese Perspektivwechsel machen komplexe Zusammenhänge deutlich leichter verständlich und du bekommst gleichzeitig einen Blick darauf, wie High-Performance-Coaching heute „state of the art“ funktioniert.


Für welche Events ist das Buch geeignet?

Besonders relevant ist „High-Performance im Radsport“ für:

  • Straßenrennen und Rundstreckenrennen
  • Etappenrennen
  • Zeitfahren
  • Gravelrennen
  • Cross-Country-MTB-Rennen
  • Cyclocross
  • Virtuelle Rennen (Zwift, RGT, etc.)

Aber auch, wenn du eher an Gran FondosBrevetsUltras, langen privaten Herausforderungen oder Bahnrennen interessiert bist, kannst du extrem viel mitnehmen – auch wenn die Tipps dort nicht ganz so detailliert sind wie bei den Straßen- und Offroad-Rennen.

Spannend: Auch Triathlet:innen und Duathlet:innen profitieren, weil die Grundlagen im Radtraining in diesen Sportarten natürlich genauso gelten.


Gestaltung & Lesbarkeit

Das Buch umfasst 272 Seiten, komplett in Farbe, reich bebildert und sehr aufgeräumt gestaltet. Die Grafiken, Tabellen und Beispiele sind nicht bloß Deko, sondern helfen beim Verständnis spürbar weiter.
Sprache: klar, direkt, gut lesbar – auch wenn du kein Sportwissenschaftsstudium hinter dir hast.


Mein Fazit: Klare Kaufempfehlung

Ich habe das Buch mit dem Gefühl zugeschlagen:
„Okay, das ist das Trainingshandbuch, das ich mir vor ein paar Jahren schon gewünscht hätte.“

Es verbindet:

  • wissenschaftliche Fundierung
  • praxisnahe Erklärungen
  • konkrete Handlungsanleitungen
  • und eine gesunde, motivierende Sicht auf Leistung

Wenn du:

  • ernsthaft besser in deinen Rennen werden willst,
  • verstanden haben möchtest, warum du was überhaupt trainierst
  • und bereit bist, dein Training eigenverantwortlich zu steuern, statt nur einem 08/15-Plan hinterherzufahren,

dann ist „High-Performance im Radsport“ von Joe Friel für mich eine absolute Empfehlung.

Egal ob du gerade dein erstes Rennen planst oder seit Jahren unterwegs bist – dieses Buch hilft dir, dein Training auf das nächste Level zu heben.


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