Wer Rad fährt, kennt das: Manchmal fühlt man sich, als könnte man Bäume ausreißen. Und manchmal fühlt sich die dritte Rampe an wie der Mortirolo – obwohl es nur die kleine Steigung hinter dem Dorf ist. Oft entscheidet nicht das Material darüber, wie du dich fühlst, sondern etwas ganz anderes: dein Essen. Aber es fehlen häufig leckere Rezepte für Radsportler und da können wir gerne weiterhelfen!
Dieser Artikel ist für alle, die:
- gerne fahren UND genießen
- lieber wissen wollen, was im Riegel steckt
- mit smarter Ernährung mehr aus ihren Kilometern herausholen wollen
Lass uns mit leckeren Rezepten gemeinsam deine Küche zur „Teamküche“ machen – ganz ohne Leistungsdruck, aber mit viel Geschmack.
1. Was dein Körper auf dem Rad wirklich liebt
Bevor wir in die Rezepte einsteigen, ein kurzer, entspannter Blick auf das „Warum“. Kein Ernährungsstudium nötig, versprochen.
Kohlenhydrate – dein Turbolader
Kohlenhydrate sind dein Octane-Booster auf dem Rad. Aus ihnen baut dein Körper Glykogen in Muskeln und Leber – und genau das benötigst du für:
- Anstiege, Intervalle, Sprints
- längere Touren, wenn du nicht nur dahinrollen willst
- jede Einheit, in der du „ein bisschen Druck aufs Pedal“ geben möchtest
Gute Quellen:
- Haferflocken, Brot, Reis, Pasta, Kartoffeln
- Obst (Banane, Datteln, Trauben, Beeren)
- im Training und Rennen: Riegel, Gels, süße Getränke
Daumenregel:
Je intensiver und länger du unterwegs bist, desto wichtiger werden Kohlenhydrate – davor, währenddessen und danach.
Eiweiß – der Schrauber für deine Muskeln
Während Kohlenhydrate dich über die Runde bringen, kümmern sich Proteine um die Reparatur danach.
- helfen bei Regeneration und Muskelerhalt
- unterstützen dein Immunsystem
- machen satt, ohne dich „müde“ zu machen
Typische Proteinquellen:
- Joghurt, Skyr, Quark
- Eier
- Fisch & mageres Fleisch
- Hülsenfrüchte, Tofu, Tempeh
Besonders wichtig sind 1–2 Eiweiß-Portionen nach dem Training, damit der Körper direkt loslegen kann.
Fette – die Langstreckenenergie
Fett hat keinen schlechten Ruf verdient – zumindest nicht im Radsport.
- liefert langsam verfügbare Energie
- hilft bei der Aufnahme fettlöslicher Vitamine
- sorgt dafür, dass Mahlzeiten länger satt machen
Gute Fette findest du z. B. in:
- Nüssen & Samen
- Avocado
- Olivenöl, Rapsöl
- fettem Fisch (Lachs, Makrele)
Für sehr harte, kurze Einheiten lieber nicht zu fettig direkt vorher essen – sonst meldet sich der Magen beim nächsten Anstieg.
Flüssigkeit & Salz – dein unsichtbarer Performance-Hack
Durst ist auf dem Rad ein schlechter Ratgeber – wenn du ihn spürst, bist du oft schon spät dran.
- Über den Schweiß verlierst du Wasser UND Mineralstoffe
- Besonders wichtig: Natrium (Salz)
- Schon leichte Dehydration kann Leistung und Laune drücken
Darum:
- bei kurzen Fahrten: Wasser reicht oft aus
- ab ca. 60–90 Minuten: Kohlenhydrate + Salz im Getränk sind Gold wert
- an heißen Tagen: ruhig etwas stärker salzen oder isotonisch trinken

2. Vor der Ausfahrt: Frühstück & Pre-Ride-Power
Overnight Oats „Morgenrunde“ – dein entspanntes Radfahrer-Frühstück
Du willst morgens nur: aufstehen, Kaffee, Radklamotten, raus? Perfekt. Dann ist das hier dein Frühstück.
Zutaten (1 Portion)
- 60 g zarte Haferflocken
- 150 ml (Pflanzen-)Milch
- 100 g Joghurt oder Skyr
- 1 kleine Banane, in Scheiben
- 1 TL Honig oder Ahornsirup
- 1 EL Nüsse oder Samen (z. B. Walnüsse, Chiasamen, Leinsamen)
- 1 Prise Zimt
- Optional: eine Handvoll Beeren (frisch oder TK)
Zubereitung
- Basis mischen
Haferflocken, Milch, Joghurt und Zimt in ein Glas oder eine Schüssel geben. Gut verrühren. - Frucht & Crunch dazu
Banane in Scheiben schneiden, unterheben. Nüsse/Samen darüberstreuen. - Süße & Kälte
Mit Honig/Ahornsirup süßen. Wer mag, gibt Beeren dazu. - Über Nacht ziehen lassen
Ab in den Kühlschrank. Morgens einfach nur Deckel auf – fertig. - Vor dem Ride
60–90 Minuten vor dem Start essen, dazu Wasser oder Tee trinken.
Warum das funktioniert
- Haferflocken: langsam verfügbare Kohlenhydrate = gleichmäßige Energie
- Banane & Honig: schnelle, leicht verdauliche Energie
- Joghurt/Skyr: Protein für stabile Sättigung
- Nüsse/Samen: gute Fette, Mineralstoffe
Pro-Tipp:
Für intensives Intervalltraining lieber etwas kleinere Portionen essen, damit der Magen nicht zu voll ist. Für lockere Grundlagenausfahrten kannst du ruhig noch ein kleines Brötchen oder Toast dazunehmen.
Extra-Idee: Schnelles Pre-Ride-Brot (für Morgenmuffel)
Wenn dir Overnight Oats zu viel Vorbereitung sind:
- 1–2 Scheiben Brot (gerne Vollkorn, aber kein Muss)
- dünn Butter oder Frischkäse
- Honig oder Marmelade
- dazu: eine Banane oder eine Handvoll Trauben
Das ist nicht „instagrammable“, funktioniert aber super – und ist in 3 Minuten fertig.

3. Unterwegs: Snacks & Drinks für die Trikottasche
„ilovecycling“-Energieriegel – deine selbst gemachten Trikotbuddys
Fertig-Riegel sind praktisch, klar. Aber: Selbstgemacht weißt du genau, was drin ist – und kannst Geschmack & Verträglichkeit anpassen.
Zutaten (ca. 8–10 Riegel)
- 150 g zarte Haferflocken
- 100 g entsteinte Datteln
- 50 g Rosinen oder getrocknete Cranberries
- 50 g gehackte Nüsse (Mandeln, Haselnüsse, Cashews – was du magst)
- 3 EL Honig oder Reissirup
- 2 EL Nussmus (Erdnuss-, Mandel- oder Cashewmus)
- 1 Prise Salz
- Optional:
- 1–2 EL Kakaopulver für Schoko-Variante
- etwas Zitronenabrieb für eine frische Note
Zubereitung
- Dattelmix herstellen
Datteln grob hacken, mit Honig/Reissirup und Nussmus in einen Mixer geben oder mit dem Pürierstab zu einer klebrigen Masse verarbeiten. - Trockene Zutaten mischen
Haferflocken, Rosinen/Cranberries, Nüsse, Salz (und Kakaopulver, wenn gewünscht) in eine Schüssel geben. - Alles verkneten
Dattelmasse zu den trockenen Zutaten geben. Mit den Händen oder einem Löffel gut verkneten, bis eine gleichmäßige, klebrige Masse entsteht. Wenn es zu trocken ist: 1–2 EL Wasser oder Saft dazugeben. - In Form bringen
Eine flache Form (z. B. Auflaufform) mit Backpapier auslegen, Masse ca. 1,5–2 cm dick hineindrücken. Oberfläche glatt streichen. - Kühlen & Schneiden
Mindestens 1 Stunde (gern länger) im Kühlschrank fest werden lassen. Danach in Riegel schneiden. - Verpacken
Jeden Riegel einzeln in Butterbrotpapier, Backpapier oder kleine Boxen packen. So bleiben sie nicht im Trikot kleben.
Varianten
- Nussfrei: Nüsse durch Hafer-Crunch, Saaten (Kürbis-, Sonnenblumenkerne) oder gepufften Amaranth ersetzen.
- Koffein-Kick: Ein paar Espressobohnen fein mahlen und sparsam in den Teig mischen – nur wenn du Koffein verträgst.
- Mehr Salz für heiße Tage: Die Prise Salz leicht erhöhen – besonders bei langen Fahrten in der Hitze.
Pro-Tipp:
Teste neue Riegel immer im Training, nicht beim Wettkampf oder deiner „Königsetappe“. Dein Magen ist Teil des Teams – gib ihm Zeit, sich an die Taktik zu gewöhnen.

Selbstgemachtes isotonisches Getränk – Flaschen-Upgrade
Du benötigst kein teures Pulver, um deine Flasche „radsporttauglich“ zu machen.
Zutaten (für ca. 750 ml)
- 500 ml stilles Wasser
- 250 ml Apfelsaft oder Traubensaft
- Saft einer halben Zitrone oder Orange
- 1 gute Prise Salz (ca. 1–1,5 g – etwa eine kleine Messerspitze)
- Optional: 1–2 TL Zucker oder Maltodextrin bei sehr langen/harten Einheiten
Zubereitung
- Wasser und Saft in einer Karaffe oder direkt in der Flasche mischen.
- Zitronen- oder Orangensaft dazugeben.
- Salz einrühren, bis es sich komplett aufgelöst hat.
- Abschmecken: Ist dir das zu süß? Einfach etwas mehr Wasser dazu.
- Kaltstellen oder mit Eiswürfeln servieren – oder direkt in die Bidon und ab aufs Rad.
Warum das Getränk zuverlässig funktioniert
- Saft + Zucker: schnelle Kohlenhydrate, die direkt ins Blut gehen
- Wasser: Flüssigkeitsersatz
- Salz: ersetzt Natrium, das du über den Schweiß verlierst
Faustregel unterwegs:
Alle 10–15 Minuten ein paar Schlucke trinken. Warten, bis du richtig Durst hast, ist wie warten, bis die Kette quietscht – nicht optimal.

4. Nach der Ausfahrt: Regeneration auf dem Teller
Jetzt wird’s gemütlich: Du kommst nach Hause, das Rad steht, die Beine sind schwer – und genau jetzt kannst du mit dem richtigen Essen richtig viel für morgen tun.
Recovery-Wrap „Finish Line“
Perfekt für alle, die nach dem Ride gerne etwas „Richtiges“ essen, aber nicht ewig in der Küche stehen wollen.
Zutaten (für 2 Wraps)
- 2 Vollkorn-Tortilla-Wraps
- 150 g gebratenes Hähnchenbrustfilet (in Streifen)
- ½ Avocado, in Scheiben
- 1 kleine Paprika, in Streifen
- 1 kleine Karotte, geraspelt
- 1 Handvoll Blattsalat oder Rucola
- 2–3 EL Joghurt oder Frischkäse
- 1 TL Senf oder etwas Zitronensaft
- Salz, Pfeffer, Kräuter (z. B. Schnittlauch, Petersilie, Koriander)
Zubereitung
- Sauce anrühren
Joghurt oder Frischkäse mit Senf oder Zitronensaft, Salz, Pfeffer und Kräutern vermischen. - Wraps vorbereiten
Wraps kurz in der trockenen Pfanne oder in der Mikrowelle erwärmen, damit sie flexibel werden. - Füllen
Wraps mit der Sauce bestreichen. Hähnchenstreifen, Avocado, Paprika, Karotte und Salat darauf verteilen. - Rollen
Seiten einklappen, dann von unten nach oben fest aufrollen. In der Mitte halbieren.
Varianten
- Veggie-Version: Hähnchen durch gebratene Kichererbsen, Tofu oder Falafel ersetzen.
- Mehr Carbs: Dazu eine kleine Ofenkartoffel oder etwas Reis – perfekt nach langen Touren.
- Snacker-Style: Wraps in kleine Stücke schneiden und als „Recovery-Snacks“ servieren.

Regenerations-Smoothie „Cool Down“
Ideal, wenn du nach dem Ride keinen großen Hunger hast, aber weißt: Etwas sollte jetzt in den Tank.
Zutaten (1–2 Portionen)
- 200 ml Milch oder Pflanzenmilch
- 150 g Joghurt oder Skyr
- 1 Banane
- 100 g Beeren (frisch oder TK)
- 1 EL Haferflocken
- 1 TL Honig oder Agavendicksaft
- Optional: 1 EL Proteinpulver (neutral oder Vanille)
Zubereitung
- Alle Zutaten in einen Mixer geben.
- Fein pürieren, bis der Smoothie schön cremig ist.
- Bei Bedarf mit etwas mehr Flüssigkeit verdünnen.
- Kalt genießen – gern innerhalb von 30–60 Minuten nach der Einheit.
Warum dein Körper ihn feiert
- Kohlenhydrate aus Banane, Beeren, Haferflocken: füllen Glykogenspeicher auf
- Protein aus Milch/Joghurt: unterstützt Muskelreparatur
- Beeren: liefern Vitamine und Antioxidantien
Pro-Tipp:
Wenn du nach langen oder intensiven Einheiten richtig „leer“ bist, trink erst ein Glas Wasser und dann den Smoothie – so verträgt dein Magen es meistens besser.
5. So könnte ein „Rad-Tag“ mit guter Ernährung aussehen
Kein starres Programm, sondern eine Inspiration:
- 2–3 Stunden vor der Ausfahrt:
Frühstück (z. B. Overnight Oats oder Brot mit Honig, plus Joghurt) - 30–60 Minuten vor dem Start:
Kleiner Snack, z. B. halbe Banane oder kleiner Riegel, dazu Wasser - Unterwegs (ab ca. 60–90 Minuten):
- alle 15–20 Minuten ein paar Schlucke trinken
- alle 30–45 Minuten etwas essen (z. B. ½–1 Riegel, Banane, etc.)
- Direkt nach der Tour:
- Wasser oder isotonisches Getränk
- innerhalb der ersten Stunde: Recovery-Wrap oder Smoothie
- Abends:
Normale, ausgewogene Mahlzeit – gerne mit Kohlenhydraten (Kartoffeln, Reis, Pasta), Gemüse und einer guten Proteinquelle.
6. Kleine FAQ für hungrige Radsportherzen
„Muss ich das alles genau so machen?“
Nein. Ernährung ist individuell. Sieh das hier als Werkzeugkiste – nimm dir, was zu dir und deinem Alltag passt.
„Was, wenn mir beim Fahren schnell übel wird?“
- vor der Ausfahrt eher leicht essen
- stark Fettiges und sehr Ballaststoffreiches (z. B. riesige Rohkostportionen) kurz vorher vermeiden
- lieber kleinere Mengen häufiger essen
„Low Carb und Radfahren – geht das?“
Für lockere, kurze Fahrten kann das funktionieren. Für intensive oder lange Einheiten sind Kohlenhydrate aber dein bester Freund – auch, wenn der eine oder andere Trend etwas anderes behauptet.
7. Dein nächster Schritt
Such dir für deine nächste Ausfahrt nur eine Sache aus:
- Overnight Oats testen
- eigene Energieriegel bauen
- Recovery-Smoothie ausprobieren
- oder einfach mal das isotonische Getränk selbst mixen
Speichere dir die Rezepte ab, passe sie schrittweise an deinen Geschmack an – und beobachte, wie sich deine Beine auf dem Rad anfühlen.
Gutes Essen macht dich nicht nur schneller. Es macht den ganzen Tag rund um deine Ausfahrt einfach schöner. 🌈🚴♂️































