Die Auslosung vom Ötztaler hat nun endlich Klarheit über die persönlichen Saisonziele meiner Sportler gegeben, die Saison ist geplant und das Wetter spielt optimal mit, so dass schon die ersten längeren Ausfahrten nach einer langen Winterpause hinter uns liegen.

Spätestens mit der Sommerzeitumstellung geht dann das Training so richtig los und das ungeliebte Spinningbike, Ergometer oder die Rolle können wieder im Keller ihr Dasein fristen oder als Wäscheständer herhalten. Viele Radsportler steigen erst dann wieder auf ihr Fahrrad – oft ohne viel Grundlagen- oder Ausgleichstraining über den Winter gemacht zu haben. An sich kein Problem, doch es braucht dann schon einiges an Überwindung, um sich nicht über seine Grenzen zu bewegen.

Gerade diese Zeit, wo es von den sterilen Laborbedingungen auf der Rolle wieder ins Freie geht, birgt so manche Tücke für viele Hobby-Sportler. Leider höre ich immer wieder im Sommer und Herbst die gleichen Geschichten: „Ich bin ausgebrannt und bringe die Motivation für meine Saisonziele gar nicht mehr auf…“ Doch wie kommt es dazu? Die Gründe dafür liegen leider fast immer an Übermut und fehlender Grundlage im Frühjahr, denn sobald die Sonne scheint, wird mit mind. 30km/h Tempo gebolzt um den „Trainingsrückstand“ vom Winter wieder wett zu machen. Genau darin liegt der Trugschluss, den man er verstehen und begreifen muss, um seine Leistung nachhaltig steigern zu können.

Auch bei von mir gecoachten Sportlern beobachte ich immer wieder, dass mit den ersten Sonnenstrahlen auf den nackten Waden und den ersten Radfahrten im Freien plötzlich jegliche Trainingsphilosophien über Bord geworfen werden und deutlich zu schnell gefahren wird. Auch das erste Trainingslager oder die Gruppenausfahrten in den Vereinen verlocken zum Tempobolzen. Klar – Spaß muss und darf auch sein – aber nur wenn man die Gründe kennt, versteht man auch den Sinn dahinter, es ein bisschen langsamer anzugehen. Durch mein online-Trainingstagebuch kann ich zum Glück recht schnell korrigieren und eingreifen, doch es lässt erahnen, wie es wohl Sportlern geht, die gar keine Trainingsplanung oder eine Betreuung mit weniger regelmäßigem Feedback in Anspruch nehmen. Der Knackpunkt ist tatsächlich der Upload der Trainingsfiles in das Tagebuch – damit liegt die Wahrheit auf dem Tisch und der Trainer kann sofort reagieren.

Bei der Suche nach den Ursachen für das „Ausgebrannt-sein“ brauche ich bloß auf meine eigene Laufbahn als Radsportler zurückblicken. „Viel hilft viel“ war auch bei mir die Devise und erst über die Jahre wurde mir klar, dass es keinen Sinn macht, das Grundlagentraining in einem zu hohen Puls- oder Wattbereich zu absolvieren. Auch ich habe damals die Vorgaben teilweise überschritten oder mich zumindest immer an der Obergrenze der vorgegebenen Puls- und Wattbereiche orientiert. Somit wurde G1 mit 120-140 Schlägen Vorgabe immer im Bereich 135-139 Puls gefahren und jeden Tag fiel es mir noch schwerer, wieder im gleichen Bereich über 4-5 Stunden zu fahren. Dann kam die Wattmessung ins Spiel und ich kurbelte brav unter 200 Watt – aber halt immer mit 190-200 statt auch mal einfach mit weniger Zug auf der Kette zu fahren. Klar macht das Spaß – besonders wenn man mit der Zeit doch „ins Rollen“ kommt. Auch ich habe geglaubt, bei niederen Werten nicht effektiv genug zu trainieren – das Gegenteil war aber der Fall! Die Leistung stagniert – Infekt und Verletzungsanfälligkeit steigen – Übersäuerung kann eintreten und die Spirale geht nach unten…

Die Folge bei mir waren dann muskuläre Verhärtungen, ich war oft krank, müde und ausgelaugt. Ich machte sicher auch zu wenig Ausgleichssport, war verkürzt und konnte den Anschluss im Rennen nur schwer halten. Was war passiert? Übertraining? Zum Glück fand ich dann einen Coach, der meine bisherige Trainingsstruktur analysierte und mich durch marginale Korrekturen und neuen Trainingsreizen zurück auf die Erfolgsspur führte! Obwohl es mir anfangs nicht einleuchtete, war ich wenig später trotz weniger Zeitaufwand und langsamerem Trainingstempo schneller denn je, wieder spritzig für Intervalle , weniger krank und hatte wieder mehr Spaß am täglichen Training.

Als Sportler mit Siegambitionen war der Zug für mich damals trotzdem schon abgefahren und so entschied ich mich für die Laufbahn als Trainer, um diese Erfahrungen anderen Menschen zu ersparen und es gar nicht so weit kommen zu lassen.

Bei manchen meiner Kunden ist es mühsame Überzeugungsarbeit, bis mein Trainingskonzept akzeptiert und angenommen wird. Doch wenn der Funke einmal übergesprungen ist und die Fortschritte auch in einem Leistungstest oder Wettkampf messbar werden, blühen „meine“ Sportler nach der Zeit der Umgewöhnung so richtig auf. Was die Sportler am meisten loben, ist die Gewissheit, dass ich mir ihre hochgeladenen Files auch ansehe und sie damit „unter fachmännischer Beobachtung“ stehen. Das hebt das Betreuungsgefühl auf einen ganz anderen Level, als bloß selbst den File anzusehen oder das Trainings gar nicht zu analysieren. Jedoch ist es nur mit der Analyse der Files möglich, eine objektive Beurteilung über eine Trainingseinheit abzugeben, die Stärken und Schwächen auszuloten und entsprechend zu reagieren.

Auffällig viele Sportler kommen auch auf mich zu, die zuvor bereits bei einem anderen Anbieter waren, wo sie durch Computer-generierte Trainingspläne gesteuert wurden und kaum oder gar keinen persönlichen Kontakt zu einem Coach hatten. Für mich ist Coaching etwas sehr Persönliches und deshalb versuche ich auch, auf vielen Events und gemeinsamen Trainingslagern präsent zu sein. Natürlich ist der Aufwand für so eine persönliche und individuelle Betreuung größer als bei einem Computerprogramm und damit auch teurer – trotzdem schätzen es meine Kunden und sind dankbar dafür.

Programm für die Saison

Die nächsten Tage werde ich eine Sportgruppe aus Mecklenburg für die 300 Kilometer der Mecklenburger Seenrunde fit machen, bei der ich heuer auch wieder selbst am Start stehen werde und mich sehr drauf freue! Schließlich habe ich auch am Trainingsplan mitgearbeitet, der den Teilnehmern nach Anmeldung zur Verfügung gestellt wird und sehe auch die vielen gecoachten Sportler aus Berlin, Brandenburg und Mecklenburg wieder, um mit ihnen gemeinsam die 300km in Angriff zu nehmen. Auf Mallorca bin ich dann noch länger zu Gast, um für Vamos24 ein Camp zu leiten, das Roadbike Festival zu besuchen und viele Freunde und Sportclubs zu treffen, die ebenfalls auf der Insel trainieren.

Ein ähnliches Programm steht dann auch im April und Mai am Programm, wo ich ein Camp in Südtirol leite und von einigen Sportgruppen für verlängerte Wochenenden gebucht bin. Es freut mich sehr, dass sich dieses Service gut etabliert hat und oft in Anspruch genommen wird. Nach der MSR und dem RHÖN Marathon folgen dann die ersten großen Alpenmarathons in meiner Heimat Tirol, wo ich meine Fahrer gut durch die Rennen führen und viele bekannte Gesichter treffe werde. Auch im Sommer biete ich gerne an, mit Gruppen oder Einzelsportlern den Ötztaler Radmarathon abzufahren und Tipps für eine erfolgreiche Teilnahme zu geben. Nachdem ich in Innsbruck bzw. Telfs ja fast direkt an der Strecke wohne, ist das ein Heimspiel für mich. Alle weiteren Events sind auf meiner Homepage oder Facebook zu finden.

Coaching

Durch die starke Nachfrage komme ich langsam an die Grenze an zu betreuenden Sportlern, die ich aus Qualitätsgründen nicht überschreiten möchte. Deshalb ist es nur noch bis 31.03. möglich, in eine umfassende Trainingssteuerung für die Saison 2017 bei mir einzusteigen. Ab April startet auch ein neues Trainingsmodell, das besser auf die Bedürfnisse berufstätiger und weniger ambitionierter Fahrer eingeht. Nachdem ich immer wieder feststelle, wie sehr sich manche Sportler durch einen Trainingsplan unter Druck setzen lassen (egal wie individuell dieser auch gestaltet ist), gibt es bei diesem Paket keinen Trainingsplan. Der Sportler trainiert im Rahmen seiner zeitlichen Möglichkeiten, lädt sein Training auf die Plattform hoch und erhält ein Feedback mit Optimierungs-Ansätzen. Aufwand und Kosten sind damit auch geringer und es sollte noch mehr Radsportlern den Weg in ein gesteuertes Training zu einem günstigen Preis ermöglichen. Mehr dazu findet sich ab April auf meiner Homepage: www.kirchmair-cycling.com

Fazit

Ich freue mich schon sehr auf die Saison, jetzt auf Mallorca mit jeder Menge Spaß auf dem Rad und beim Treffen mit vielen begeisterten Radfahrern. Sie zu unterstützen macht mir viel Spaß und ich bin dankbar für die Möglichkeiten, die mir meine abgeschlossene staatliche Trainerausbildung gibt. Auch möchte ich mich bei Jörg für seinen unermüdlichen Einsatz mit „ilovecycling.de“ und die Einladung bedanken und diesen Artikel dazu beizutragen. Ich hoffe, er hilft den Lesern weiter und schafft ein Bewusstsein für das, was ich versuche zu vermitteln.

Danke und bis bald, euer Ötzi Coach,
Stefan Kirchmair

Bildnachweise: © Thomas Futterknecht, Stefan Kirchmair, Privat

 

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STEFAN KIRCHMAIR

Stefan Kirchmair ist ein österreichischer Radrennfahrer und war im U23 und Elitebereich sehr erfolgreich. Beruflich ist er mit „Kirchmair Cycling“ selbständig und verschreib sich seit der eingeschlagenen Trainerausbildung in Jahr 2013 den großen Radmarathons- und Etappenrennen. Kirchmair betreut und berät Radsportler sowie Eventveranstalter, Hotels und Tourismusverbände, die Ihr Angebot an die Radgäste stetig verbessern wollen. Zudem ist Kirchmair als Community Manager in engem Kontakt zu Einzelsportlern, Vereinen, der Presse, dem Rad-Handel und den Herstellern, was ihn zu einem gefragten Berater in der Radsportszene macht.

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