Ende Juni startete das ilovecycling.de-Team bei der Tour Transalp und wir hatten uns professionelle Unterstützung ins Boot geholt. Sportwissenschaftler Björn Geesmann von STAPS übernahm die Trainingsplanung und erzählt im Interview, worauf es bei der Vorbereitung auf ein solches mehrtägiges Radrennen ankommt.

STAPS_Portrait_Geesmann

ilovecycling.de: Die Tour Transalp gehört zu den größten Herausforderungen im Jedermann-Radsport. Worauf kommt es an, wenn man sich als berufstätiger Hobbysportler darauf vorbereiten will?

Björn Geesmann: Die Tour Transalp ist ja quasi die Tour de France für Jedermann. Genau wie bei der größten Landesrundfahrt erfordert auch die Tour Transalp eine bestmögliche Vorbereitung in puncto Training und Ernährung. Das Training sollte zielgerichtet sein und der Sportler sollte individuelle Trainingsziele verfolgen. Eine möglichst hohe Dauerleistung, ein optimierter Fettstoffwechsel und genügend Kraftausdauer sind sicherlich die wichtigsten Aspekte. Bei der Ernährung sollte sich der Sportler schon im Vorhinein eine Strategie zurecht legen, wie er den Anforderungen an Kohlenhydrat- und Energieverbrauch entsprechen kann. Zudem sollte die Nahrungsaufnahme im Training bereits ausreichend geübt werden!

ilovecycling.de: Welche körperlichen Voraussetzungen sollte man mitbringen, wenn man die Tour Transalp mitfahren möchte?

Björn Geesmann: Wie kommt es im Radsport auf eine möglichst hohe Dauerleistung (auch: anaerobe Schwelle) an. Dabei ist es weniger entscheidend, Anstiege möglichst schnell zu absolvieren. Vielmehr steht eine hohe anaerobe Schwelle immer im Zusammenhang mit einem guten Fettstoffwechsel und einer optimalen Erholungsfähigkeit. Als Grundvoraussetzung für eine hohe anaerobe Schwelle und einen optimalen Fettstoffwechsel muss der Sportler einen eher geringen Kohlenhydrat-Stoffwechsel (anaeroben Stoffwechsel) mitbringen.

ilovecycling.de: Wie viele Stunden pro Woche sollte man mindestens für das Training einplanen?

Björn Geesmann: Die Stundenanzahl ist kein allein-entscheidendes Kriterium für die Entwicklung der Leistungsfähigkeit, die Qualität ist viel entscheidender. Vorausgesetzt der Sportler arbeitet optimal an seinen individuellen Baustellen und setzt die geplanten Trainingsinhalte effizient um, werden auch durchschnittlich 6 Stunden pro Woche ausreichen, um die TOUR Transalp souverän zu finishen.

ilovecycling.de: Ihr betreut ja auch einige namhafte Radpros und gehört seit Jahren zu den führenden Trainern und Diagnostikern in der Branche. Was ist das Geheimnis eures Erfolges?

Björn Geesmann: Unsere Trainingsphilosophie basiert auf einer einzigartigen Test-Methodik, mit der wir die Hintergründe der Leistungsfähigkeit und die Physiologie des Sportlers genau ermitteln und „bearbeiten“ können. Wir sind ein Team aus Sportwissenschaftlern und verbinden somit die Sportwissenschaft und unsere jahrelangen Erfahrungen aus Hobby-/Amateur- und Profisport miteinander, um so all unsere Sportler individuell und effektiv zu betreuen.

ilovecycling.de: Wir würden gerne von eurem Wissen profitieren. Wie kann man eure Trainingsmethoden auf einen Hobbysportler übertragen?

Björn Geesmann: Sehr gut! Für jeden Sportler – egal ob Hobby- oder Profisportler – erfassen wir mit unseren STAPS-Diagnostiken nicht nur den aktuellen Leistungsstand, sondern auch die individuellen Hintergründe der Leistungsfähigkeit. Dadurch wissen wir von der ersten Minute an, welche Stärken und Schwächen der Sportler hat und können diese im Training effektiv optimieren. Gerade für Hobbysportler, die zumeist ein eingeschränkteres Zeitbudget als Profis haben, gestalten wir das Training dadurch deutlich effektiver.

ilovecycling.de: Welche Rolle spielt die Ernährung in der Vorbereitung und im Rennen?

Björn Geesmann: Eine absolut essentielle – ohne eine die passende Ernährung funktioniert weder sinnvolles Trainieren, noch erfolgreiches Rennenfahren. Training ohne die Kombination mit der Ernährung verfehlt häufig das eigentliche Ziel, da diverse physiologische Anpassungen in direkter Verbindung zur Nahrungszufuhr stehen. Ein Rennen – wie die TOUR Transalp – ohne eine passende Ernährungsstrategie anzugehen, kann im Laufe des Renntages/ der Rennwoche zu unliebsamen Leistungseinbußen oder -einbrüchen führen.

Jörg Birkel lebt und arbeitet seit 2013 auf Mallorca und bietet dort ganzjährig Sportreisen und Trainingslager an. Zuvor hat er an der Deutschen Sporthochschule in Köln studiert und mit einem Diplom als Sportwissenschaftler abgeschlossen. Im Anschluss an sein Studium hat sich Jörg als Sportjournalist selbstständig gemacht und über Trainings- und Ernährungsthemen geschrieben. Von 2003 bis 2009 war der passionierte Radfahrer und Fachbuchautor als Dozent an der Deutschen Sporthochschule tätig. Weitere Informationen unter: www.jorge-sports.com