“Mini-Serie” Saisoneinstieg – in unserer neuen interaktiven Mini-Serie wollen wir eure Fragen zum Einstieg und Gelingen einer schönen und indivdiuell erfolgreichen Radsport-Saison beantworten und euch mit nützlichen Informationen versorgen. Zum Auftakt geht es um das allseits bekannte “aller Anfang ist schwer” und dem damit verbundenen Aufruf uns eure Fragen zu schicken. 

Es krachte nach ca. 2 Kilometern – der Sportkollege den ich vorher mit einem deutlichen Geschwindigkeitsüberschuß überholt hatte, geriet mit seinem Vorderrad auf den Begrenzungsstein und stürzte völlig unkontrolliert. Natürlich stoppte ich und half einem völlig Ausgepumten erst auf die Beine und dann auf die nächste Bank. Warum er mir denn unbedingt hinterherfahren müsse, wenn es doch offenbar viel zu schnell für ihn sei, herrschte ich ihn an. Das sei es doch nun wohl wirklich nicht wert, schliesslich wären wir beide nur blutige Amateure und hier der Radweg am Rhein, nicht die Mauer von Huy.

Regelmäßig beobachte ich, wie sich weniger versierte Radsportler mit viel stärkeren Kollegen meinen messen zu müssen. Nicht selten kommt es dabei zu schweren Stürzen. Wer jahrelange Erfahrung und viele tausend Kilometer in den Beinen hat, der sollte doch wissen, was seinem Körper gut tut und zumutbar ist. Trotzdem beobachte ich grade zum Saisonanfang immer wieder kopfschüttelnd, wie mehr oder weniger versierte Radsportbegeisterte die ersten Rennen oder schnellen Trainingsfahrten mit dem örtlichen Jedermann Treff angehen. Damit diese wichtige Phase nicht zum Frusterlebnis wird, wollen wir von ilovecycling.de hier einmal genauer hinzuschauen und die wichtigsten Informationen dazu gemeinsam mit euch bereit stellen.

Aller Anfang ist schwer – dieser simple Spruch ist zwar jedem bekannt, wird aber gleichzeitig gerne vergessen, wenn Temperaturen, Motivation und Kilometer im Frühling bei den meisten von uns von “geht so” auf “ich kann nicht genug bekommen” ansteigen. Da meint dann so mancher, die 20 km Runde im Januar wäre eine optimale Grundlage für das 120km Training im 30er Schnitt mit den Studis Anfang 20 die grade 4 Wochen auf Mallorca waren.

Wenn man dann nach 3 Liter Cola und 7 Stücken Kuchen wieder klar denken kann, hilft es meist, einen Ausflug in die Abteilung Realität zu wagen. Was hat man in den vergangenen Wochen und Monaten investiert und welche Ziele sind auf dieser Basis realistisch? Natürlich kann es schmerzlich sein, wenn man sich im Oktober große Ziele gesteckt hat und nun Anfang Mai feststellen muß, daß man über den Winter einfach zu viel krank war. Oder der Chef unverständlicherweise einmal die Woche vorbeigekommen ist und einen aus dem wohlverdienten Regenerationsschlaf gerissen hat. Und wer waren nochmal diese Leute, die da abends in der Wohnung waren? Stimmt nennen sich Kinder und Partner, komisch.

Wenn man dann Sonntags beim Treff steht, fallen einem dann doch nur wieder die oben genannten Studenten auf – die Leidensgenossen sind ja gar nicht erst gekommen. Also heißt es Frust gegen Motivation tauschen. Papier trifft Stift und kurz notiert:

  • was wollte ich (Saisonziele)?
  • was habe ich trainiert (Kilometer, Intensitäten)?
    • (hier hilft eine möglichst exakte Aufzeichnung der relevanten Parameter. Im Schwerpunkt Material werden wir im Rahmen dieser Serie hier nocheinmal genauer hinschauen.)
  • was ist sonst gewesen (Krankheit, sonstige Belastungen)?
  • realistische Zielsetzung für die kommenden Monate

Wenn ich mich selber bei der Auswertung schwer tue, kann das offene Gespräch mit einem versierten Trainer oder Trainingskollegen helfen.

Hört man sich um, stellt man oft fest: “Mensch Stefan, Du hast ja ähnliche Probleme – komm wir fahren erstmal ne entspannte Runde für uns und wolltest Du nicht auch den Ötztaler in 7:30h fahren? Kein Thema, in 11h schaffen wir es gemeinsam bestimmt!”. So kann es gelingen Frusterlebnisse durch positive ErFAHRUNGEN wortwörtlich zu ersetzen. Sich selber die relevante Peer Group (Bezugsgruppe) schaffen würde der Soziologe sagen – in dem Fall bedeutet dies, sich klar machen, wo im Feld der vielen 1.000 Hobby Sportler man sich einordnen muß. Klingt logisch, ist es aber oft nicht.

Bin ich wirklich der ambitionierte Leistungssportler der 20h die Woche trainieren kann und spiegelt sich dies in meiner Peer Group wieder? Bin ich Single, zwar noch ohne Familie, aber mitten im Berufsleben und komme vor 18h nicht aufs Rad? Oder bin ich der ältere Wiedereinsteiger, der sportlichen Spaß, aber keinen Aufenthalt im Krankenhaus sucht, weil man sich übernommen hat?

Die wichtigste Maxime aber sollte sein: wir alle sind keine Profis, der Spaß muß im Vordergrund stehen und die Bedeutung des Sportes sollte immer einen realistischen Platz im Leben einnehmen! Safety first!