Warum wir uns freiwillig die Lunge aus dem Leib fahren.

Es beginnt meistens harmlos.

Jemand sagt am Stammtisch, in der WhatsApp-Gruppe oder auf Komoot:
„Lass uns mal einen Pass fahren.“

Klingt erst einmal wie ein Ausflug.

Ein bisschen Aussicht, ein bisschen Höhenmeter, oben ein Espresso.
Und ehe du dich versiehst, hängst du Jahre später mit zitternden Beinen am letzten Kehren-Schild des Stelvio, fragst dich zum zehnten Mal: „Warum tue ich mir das an?“ – und buchst abends im Hotel schon den nächsten Alpenurlaub.

Willkommen im Bergfieber.

Pass- und Bergfahrten mit dem Partner sind etwas ganz Besonderes. ©AdobeStock– Amaiquez
Pass- und Bergfahrten mit dem Partner sind etwas ganz Besonderes. ©AdobeStock– Amaiquez

Warum Bergfahren so süchtig macht

Der Schmerz, der sich wie ein Sieg anfühlt

Am Berg gibt es keine Ausreden.
Kein Windschatten, keine Ampeln, kein „Ich bin nur locker gerollt“.
Es gibt nur dich, deine Watt, deine innere Stimme – und diese verdammte Steigung, die einfach nicht aufhört.

Bergfahren ist brutal ehrlich.
Wenn du schlecht trainiert bist, sagt dir das der erste Kilometer.
Wenn du überpacest, sagt dir das der dritte Kilometer.
Und wenn du glaubst, „jetzt kann ich nicht mehr“, sagt dir der Pass: „Doch, kannst du. Noch 7 Kehren.“

Genau dieser ehrliche Deal macht süchtig:
Du weißt, du bekommst nichts geschenkt – aber jeder Meter ist wirklich deiner.


Das Drama in Zeitlupe

Eine Passstraße ist wie ein Film in Zeitlupe:

  • Unten: „Ich fühle mich heute richtig gut!“
  • Mitte: „Wer hat diese Steigung genehmigt?“
  • Vorletzte Kehre: „Ich kündige meinen Sport-Account, verkaufe das Rad und fange mit Yoga an.“
  • Oben: „Das war das Schönste, was ich je gemacht habe. Wann fahren wir den nächsten?“

Diese emotionale Achterbahnfahrt in 90–180 Minuten – das hast du auf keiner lockeren Flachrunde.
Bergfahren ist Drama mit Aussicht.


Legendäre Pässe – und was sie mit uns anstellen

Der Col du Tourmalet ist mit 2115 Metern über dem Meeresspiegel der höchste asphaltierte Straßenpass der französischen Pyrenäen. Er liegt im Département Hautes-Pyrénées und verbindet Luz-Saint-Sauveur mit Campan. ©AdobeStock – YG-Travel-Videos

Col du Tourmalet – Die Prüfung

Der Tourmalet ist so etwas wie das Abitur des Rennradfahrers.
Nicht zwingend der steilste, nicht der schönste, aber ein Name, bei dem selbst Nicht-Radsportler nicken.

Eine typische Szene:

Du startest motiviert im Tal, die ersten Kilometer laufen rund.
Irgendwo bei „noch 10 km“ merkst du:
„Oh. Das hier wird kein lustiger Nachmittag.“

Die Kühe schauen dich leicht gelangweilt an, während du dich an ihnen vorbeiquälst, als würdest du in Zeitlupe fahren. Oben am Gipfel-Schild drängeln sich die Selfie-Sticks und du stellst dein Rad dazu – vollkommen egal, wie platt du bist.

Du bist den Tourmalet gefahren.
Das gibt’s ab sofort in jeder Gesprächspause als Karte zum Ausspielen.

Der Stelvio und/oder das Stilfser Joch mit 48 Kehren. Jede einzelne nummeriert. ©AdobeStock – avermaas

Stelvio/Stilfser Joch – Die Serpentinen-Orgie

Der Stelvio ist der Inbegriff von „Ich dachte, wir wären schon oben.“
48 Kehren. Jede einzelne nummeriert, damit du genau weißt, wie lange du noch leiden darfst.

Die ersten Kehren fährst du spielerisch.
Bei Kehre 30 bist du dir sicher, dass jemand neue Kehren zwischen die alten hineingebaut hat.
Bei Kehre 45 überlegst du kurz, ob du es einfach allen erzählst, du wärst oben gewesen – ohne Beweisfoto.

Aber dann stehst du auf 2.757 Metern, von Schneewänden umgeben, zwischen Motorradfahrern, Cabrio-Fans und anderen Radfahrern, mit diesem leicht irren Blick.

Und du merkst:
Genau dafür bist du gekommen.

L’Alpe d’Huez ist ein Wintersportort in den französischen Alpen, der auf dem Gebiet der Gemeinde Huez liegt. International bekannt ist er als Bergankunft bei der Tour de France. ©AdobeStock– Aufwind-Luftbilder
L’Alpe d’Huez ist ein Wintersportort in den französischen Alpen, der auf dem Gebiet der Gemeinde Huez liegt. International bekannt ist er als Bergankunft bei der Tour de France. ©AdobeStock– Aufwind-Luftbilder

Alpe d’Huez – Das Mythos-Intervall

Die Alpe d’Huez ist im Grunde nichts anderes als ein sehr langgezogenes, äußerst schmerzhaftes Intervalltraining mit Zuschauern.

  • 21 Kehren
  • direkt am Anfang zweistellige Steigung
  • überall Tour-de-France-Geschichten: Pantani hier, Armstrong da, Fan-Höllen dort.

Und du?
Du bist einfach froh, wenn du an der legendären Kurve „Dutch Corner“ nicht vom Biergeruch betrunken wirst, obwohl gerade gar keine Tour stattfindet.

Oben angekommen fühlst du dich kurz wie ein Profi – bis du auf die Uhr schaust und feststellst, dass du ungefähr dreimal so lang gebraucht hast wie der Streckenrekord.


Die Mischung aus Emotion, Training und Technik

Training: Warum „ein wenig GA1“ nicht reicht

Die Wahrheit ist:
Mit reiner Flach-Form kommst du am Berg nicht weit.

Was hilft wirklich?

Kletterschule in drei Schritten

  1. Grundlagenausdauer:
    Lange, ruhige Fahrten mit moderater Steigung (3–6 %) – damit Herz und Lunge lernen, dass Höhe nicht automatisch Drama heißt.
  2. Sweetspot & Schwellenintervalle:
    Zum Beispiel 2 × 20 Minuten leicht unterhalb der Schwelle oder 4 × 8 Minuten im EB-Bereich. Genau das Zeug, das man hasst – und danach liebt.
  3. Kraftausdauer:
    Lange Intervalle mit relativ niedriger Trittfrequenz (60–75 rpm), moderater Steigung.
    Ideal, um das „Ich-trete-gegen-Wand“-Gefühl zu reduzieren.

Bergfahren übt man nur am Berg

Ja, die Rolle ist top.
Ja, Zwift hat virtuelle Pässe.
Aber das Gefühl, wenn du in der Sommersonne bei 8 % Steigung langsam über einen Kübel Gummi schmilzt, ersetzt kein Ventilator im Wohnzimmer.

Halte eine Kadenz, bei der du nicht sofort Laktat siehst, wenn du deine Beine anschaust. ©AdobeStock – Eléonore H

Materialtipps: Wenn Übersetzung plötzlich über Glück entscheidet

Übersetzung: „Heldentaten“ sind was für Pros, nicht für Urlaubsfahrer

Nichts hat sich so sehr verändert wie das Verständnis von „richtiger“ Übersetzung.

Früher:
„Wer 39/23 fährt, ist ein Weichei.“

Heute:
„Wer 36/32 fährt, ist clever – und kommt oben mit Restwürde an.“

Praktische Empfehlungen:

  • Für die meisten Hobbyfahrer in den Alpen:
    Kompaktkurbel (50/34) oder sogar Sub-Kompakt (48/32)
    plus Kassette 11–32 oder 11–34.
  • Ziel: Irgendwo in Richtung 1:1-Übersetzung für steile Rampen.

Warum?
Weil Trittfrequenz deine Freundin ist.
Bei 50 rpm und laktatgefüllten Beinen fährst du kein episches Bergfoto, sondern suchst nach der nächsten Ausrede zum Absteigen.


Bremsen: Dein bester Freund in der Abfahrt

Was hochgeht, muss auch wieder runter.
Und hier trennen sich Mut und Wahnsinn.

Scheibenbremsen vs. Felgenbremsen

  • Scheibenbremsen
    • bessere Dosierbarkeit
    • weniger Fading bei langen Abfahrten
    • Felgen bleiben kühl
  • Felgenbremsen
    • leichter
    • klassischer Look
      – können bei nasser Straße und langen Bremsphasen ordentlich heiß werden (Carbonfelgen + Dauergreifen = kein guter Plan).

Wichtiger als die Technik ist aber die Bedienung:

  • Vorausschauend bremsen, nicht in jeder Kurve voll zupacken.
  • Vor der Kurve stärker bremsen, in der Kurve nur dosieren.
  • Beide Bremsen nutzen, aber die Vorderbremse respektieren: stark, aber sensibel.
Die Abfahrt vom Stilfser Joch, anspruchsvoll und trotzdem ein Erlebnis, das man nicht missen möchte. ©AdobeStock – VisionDive

Abfahrtsskills: Die oft unterschätzte Kunst

Viele trainieren fürs Hochfahren.
Für die Abfahrt gilt dann: „Wird schon mehr oder weniger gehen.“

Besser: Du nimmst dir Zeit, auch Herunterfahren zu üben.

Drei goldene Regeln:

  1. Blickführung:
    Du fährst da hin, wo du hinschaust. Also nicht vor dein Vorderrad starren, sondern in die Kurve, zum Kurvenausgang.
  2. Position:
    Schwerpunkt tief, Hände in den Drops (Unterlenker), Finger an den Bremsen, nicht verkrampfen.
  3. Linienwahl:
    Außen – innen – außen.
    Aber IMMER innerhalb deiner Spur und unter Berücksichtigung des Verkehrs.
    Der Pkw im Gegenverkehr interessiert sich nicht für deine perfekte Ideallinie.

Emotion vs. Vernunft: Der ewige Kampf am Berg

Bergfahren lebt genau von diesem Spannungsfeld:

  • Die Vernunft sagt: „Du bist müde, der Puls ist hoch, mach langsamer.“
  • Das Ego sagt: „Da vorn fährt einer mit neonfarbener Weste. Den holst du!“

Und an beliebiger Stelle dazwischen liegt dein persönlicher Sweetspot:
Genug Druck, um stolz zu sein – genug Vernunft, um gesund und heil wieder unten anzukommen.

Mit der Zeit lernst du, deine eigene Mischung zu finden:

  • Manchmal ist der Berg ein Trainingsgelände.
  • Manchmal ist er eine Bühne für kleine Heldentaten.
  • Und manchmal ist er einfach nur ein Ort, an dem du in deinem Tempo hochfährst, auf die Landschaft schaust und denkst:
    „Krass, dass ich das aus eigener Kraft schaffe.“

Warum wir immer wieder zurückkommen

Am Ende bleibt die Frage:
Warum tun wir uns das an?

Weil ein Pass mehr ist als nur ein Strava-Segment.

  • Er ist ein Kapitel in deiner Radfahrer-Biografie.
  • Eine Mischung aus Schmerz, Stolz, Landschaft und Latte macchiato.
  • Ein stiller Vertrag zwischen dir, deinem Rad und dem Berg:
    „Ich respektiere dich – du bringst mich an meine Grenze, aber nicht darüber.“

Und genau deshalb sitzen wir Monate später wieder am Computer, planen die nächste Tour, scrollen durch Pässe-Listen und sagen den Satz, den alle Bergjunkies kennen:

„Der eine Pass da… den könnte man doch noch mal fahren.“

Kein Windschatten, keine Ampeln, kein „Ich bin nur locker gerollt“. Es gibt nur dich, deine Watt, deine innere Stimme – und diese verdammte Steigung, die einfach nicht aufhört. ©AdobeStock – Petrus
Kein Windschatten, keine Ampeln, kein „Ich bin nur locker gerollt“. Es gibt nur dich, deine Watt, deine innere Stimme – und diese verdammte Steigung, die einfach nicht aufhört. ©AdobeStock – Petrus

Checkliste: „Dein erster Alpenpass“

Kurz, praktisch, zum Abhaken vor der großen Tour.

A) Körper & Kopf

  •  Du kommst 3–4 Stunden am Stück klar.
    Nicht schnell, aber ohne Drama. Wenn dich 60 km mit ein paar Hügeln schon zerlegen, ist ein Pass noch zu früh.
  •  Du bist schon mal 800–1000 hm an einem Tag gefahren.
    Muss kein Pass sein, aber dein Körper sollte „längere Steigung“ schon mal erlebt haben.
  •  Du kennst deinen Wohlfühl-Puls / deine Wohlfühl-Watt.
    Also eine Intensität, die du 60–90 Minuten durchhältst, ohne komplett zu platzen.
  •  Du kannst „Ego OFF“ schalten.
    Bergfahren heißt: Dein Tempo, nicht das vom Kumpel mit dem VO₂max aus einer anderen Galaxie.

B) Bike & Technik

  • Übersetzung bergtauglich
    Ideal:
    • Kompakt oder Sub-Kompakt (50/34 oder 48/32)
    • Kassette 11–32 / 11–34
      Faustregel: mind. 1:1 Übersetzung verfügbar.
  • Bremsen frisch & sauber
    • Beläge nicht heruntergefeilt
    • Scheiben/Felgen nicht verölt
    • Bremsdruck getestet (gerne mal im Flachen „Notstopp“ üben).
  • Reifen in gutem Zustand
    • Kein Rennslick aus der Hölle bei Regen
    • Mindestens 25–28 mm für Komfort und Kontrolle.
  •  Bike passt wirklich
    Ein Pass ist kein guter Ort, um festzustellen, dass dein Sattel 2 cm zu hoch ist.

C) Ausrüstung & Sicherheit

  • Zwiebellook
    Im Tal 25 °C, oben 10 °C + Wind, ist vollkommen normal.
    • Windjacke / Weste
    • Armlinge / ggf. dünne Handschuhe
    • ggf. Buff oder Stirnband.
  •  Licht & Rücklicht
    Besonders bei Tunneln oder wechselhaftem Wetter.
  • Notfall-Setup
    • Handy mit Empfang (?) und Notfallnummer
    • Geld/Karte
    • Multitool, mindestens 1 Ersatzschlauch, Pumpe/CO₂.
  •  GPS / Karte / Route gespeichert
    Nicht nur auf das Handy vertrauen, das bei 5 % Akku sagt: „Mach’s gut.“

D) Ernährung & Verpflegung

  •  Frühstück: nicht nur Kaffee und ein Croissant
    Etwas mit Kohlenhydraten und ein bisschen Protein (Müsli, Brot, Joghurt, etc.).
  • Flaschen gefüllt
    • 2 Flaschen à 500–750 ml
    • Evtl. leichtes Sportgetränk statt nur Wasser.
  •  Riegel / Gels / Banane
    Faustregel: 40–60 g Carbs pro Stunde, besonders bei langen Anstiegen.
  •  Kurzer Stopp vor dem Pass
    Noch einmal auf Toilette, Flaschen auffüllen, Riegel griffbereit.
Das Stilfser Joch ist ein Gebirgspass in den Ortler-Alpen. Mit einer Höhe von 2757 m s.l.m. ist das Stilfser Joch der höchste durch eine asphaltierte Straße erschlossene Gebirgspass in Italien und nach dem Col de l’Iseran der zweithöchste Gebirgspass der Alpen. ©AdobeStock – freedom_wanted
Das Stilfser Joch ist ein Gebirgspass in den Ortler-Alpen. Mit einer Höhe von 2757 m s.l.m. ist das Stilfser Joch der höchste durch eine asphaltierte Straße erschlossene Gebirgspass in Italien und nach dem Col de l’Iseran der zweithöchste Gebirgspass der Alpen. ©AdobeStock – freedom_wanted

8-Wochen-Programm für deinen ersten „richtigen“ Pass

Ziel:

Du bist Hobbyfahrer, hast etwas Grundlage, willst aber sicher über deinen ersten größeren Alpen- oder Pyrenäenpass kommen – mit Stil und ohne Trauma.

Struktur:

  • 3 Einheiten pro Woche (minimal)
    • Vierte Einheit optional (locker / Spaßrunde)

      Skala:
    • locker = du kannst ganze Sätze reden
    • mittel = du kannst noch sprechen, aber nicht mehr labern
    • hart = eher kurze Antworten, Fokus auf Atmen

Wochen 1–2: Grundlage & Rhythmus

Einheit 1 – Grundlagenrunde (2–3 h)

  • flach bis wellig
  • locker-mittel
  • Ziel: Zeit im Sattel, nicht Tempo.

Einheit 2 – Kletter-Basis (60–90 min)

  • Suche dir einen längeren Anstieg oder viele kleine
  • 3–4 × 8–10 min bergauf in mittel
  • Dazwischen 5–8 min locker rollen.

Einheit 3 – Lockerrollen (60 min)

  • wirklich entspannt, kein heimlicher KOM-Versuch.

Optional Einheit 4 – Spaßfahrt

  • Gravel, Kaffeerunde, Vereinsausfahrt – Hauptsache nicht komplett zerstören.

Wochen 3–4: Sweetspot & Kraftausdauer

Einheit 1 – Längere Grundlagenfahrt (2,5–3,5 h)

  • gerne mit 800–1200 hm insgesamt
  • letztes Drittel etwas zügiger, aber nicht am Limit.

Einheit 2 – Sweetspot / Schwelle (60–75 min)

  • 2 × 15–20 min knapp unter der Schwelle (z. B. „etwas schwer, aber kontrolliert“)
  • dazwischen 10 min locker.
  • wenn kein Berg: auf der Rolle oder im Flachen mit leichtem Gegenwind.

Einheit 3 – Kraftausdauer-Berg (60–90 min)

  • 4 × 6–8 min bergauf mit niedriger Trittfrequenz (60–75 rpm), mittelhart
  • dazwischen 5 min locker.
  • Nicht überziehen: Muskulär fordernd, aber kein Maximalkampf.

Optional Einheit 4 – Social Ride / Kaffeerunde


Wochen 5–6: Pässe-Simulation

Einheit 1 – „Minipass“-Tag (3–4 h)

  • Ziel: 1200–1500 hm
  • mindestens ein Anstieg mit 30–45 min am Stück, in deinem Pass-Tempo
  • Fokus: konstant fahren, nicht jagen.

Einheit 2 – Schwellenintervalle (60–75 min)

  • 3 × 10–12 min im Bereich knapp unter der Schwelle
  • dazwischen 8 min locker
  • gerne am Berg, sonst Rolle/Flachstück.

Einheit 3 – Technik & Trittfrequenz (60 min)

  • 3 × 10 min mit etwas höherer Kadenz (85–95 rpm) bergauf oder gegen leichten Wind
  • dazwischen 5 min locker.
  • Ziel: runder Tritt, nicht stampfen.

Optional Einheit 4, locker + ein paar kurze Anstiege

  • max. 90 min, Wohlfühltempo.

Woche 7: Generalprobe

Einheit 1 – „Pass-Generalprobe“ (3–4 h)

  • ähnlich wie späterer Pass:
    • längerer Anstieg 40–60 min am Stück
    • vorher nicht schon komplett zerschießen
  • Verpflegung testen, Kleidung testen – alles so realistisch wie möglich.

Einheit 2 – kurze, kräftige Intervalle (60 min)

  • 6 × 3–4 min etwas über deinem Pass-Tempo
  • dazwischen 4 min locker
  • Ziel: Gefühl für „mal kurz anziehen, aber nicht platzen“.

Einheit 3 – Regenerationsfahrt (60 min)

  • sehr locker, Beine auf Durchblutung stellen.

Woche 8: Taper & Pass

Anfang der Woche:

  • 2 lockere Einheiten à 45–60 min
  • ein paar kurze Steigerungen (20–30 sec etwas schneller, aber nicht all-out).

2–3 Tage vor dem Pass:

  • max. 45 min sehr locker
  • viel trinken, normal essen, kein „Low-Carb-Experiment“.

Tag X: Dein Pass-Tag

  • Starte zu locker, nicht zu schnell.
    Wenn du dich in den ersten 10 min wie ein Held fühlst: perfekt – bleib so.
  • Halte eine Kadenz, bei der du nicht sofort Laktat siehst, wenn du deine Beine anschaust.
  • Essen und Trinken nicht vergessen – spätestens alle 20–30 min ein kleiner Biss/Schluck.
  • Oben: Foto, tief durchatmen, kleine Pause – und dann in Ruhe an die Abfahrt denken.
Der Col du Tourmalet ist mit 2115 Metern über dem Meeresspiegel der höchste asphaltierte Straßenpass der französischen Pyrenäen. ©AdobeStock – Robert Soen
Der Col du Tourmalet ist mit 2115 Metern über dem Meeresspiegel der höchste asphaltierte Straßenpass der französischen Pyrenäen. ©AdobeStock – Robert Soen

Fazit: Mehr als nur Höhenmeter

Am Ende sind Pässe viel mehr als Zahlen auf Strava, als Wattwerte im Analyse-Tool oder als bunte Höhenprofile auf dem Bildschirm. Ein Pass ist ein kleines Abenteuer, komprimiert auf ein paar Stunden: Du startest unten als halbwegs rationaler Mensch – und oben stehst du mit glasigem Blick, salzigen Rändern im Trikot und diesem leisen Gedanken: „Wow. Das habe ich wirklich selbst hochgeschafft.“

Bergfahren mit dem Rennrad bringt alles zusammen, was unseren Sport ausmacht:
Kopf, der zweifelt. Beine, die brennen. Technik, die funktionieren muss. Und dieses Herz, das irgendwo zwischen Angst vor der nächsten Rampe und Vorfreude auf die Abfahrt hin- und herspringt.

Ob du nun die große Alpenrunde planst, deinen ersten Pass angehst oder „nur mal schauen willst, wie sich das so anfühlt“ – Pässe sind die Kapitel deiner ganz persönlichen Radsport-Geschichte. Manche tust du dir nur einmal an, andere willst du immer wieder fahren. Und genau da beginnt das eigentliche Bergfieber.

Also: Übersetzung bergtauglich machen, Bremsen prüfen, Ego auf „realistisch“ stellen – und dann raus dahin, wo die Luft dünner, der Puls höher und das Grinsen breiter wird.

Wir sehen uns an der nächsten Kehre.


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