Zum ersten Mal waren 2014 beim 24-Stunden-Rennen von Rad am Ring auch eBikes am Start.

Für uns Radsportler sicherlich ein neues und ungewohntes Bild, welches wir auf dem Ring gesehen haben.

Doch nun stellt sich die Frage, was diese eBikes eigentlich bei einem Radrennen zu suchen haben? Noch nicht vor allzu langer Zeit hatten die eBikes noch mit einem eher schlechten Image zu kämpfen und wurden ehrlich gesagt ein wenig belächelt. Doch dieses Image hat sich in den letzten 2-3 Jahren extrem gewandelt. Der eBike-Markt boomt, erfreut sich immer größerer Beliebtheit und erobert eine Fahrradgattung nach der anderen.

Deswegen möchten wir uns einmal ausführlich mit diesem Thema beschäftigen und einen Überblick über den derzeitigen Stand der Technik und der großen Artenvielfalt geben.

DAS eBIKE

Das Fahrrad befindet sich in konstantem Aufwind – als nach wie vor liebstes Freizeitsportgerät der Deutschen und cleveres, nahezu ideales Verkehrsmittel für die Nahmobilität. Kommunen fördern die Infrastruktur, der Radverkehrsanteil tendiert in manchen Ortsteilen gegen 50 % und selbst Deutschlands Politiker der ersten Garde lassen sich mittlerweile mit Rad ablichten. Weltweit wird mit Freude auf die Vorreiter der „Velorution“ geschaut: Städte wie Kopenhagen, Amsterdam oder Portland überzeugen mit Charme und Tatkraft.

Hohen Anteil an dieser Popularität hat das Elektrorad. Im Laufe der letzten Jahre hat diese Fahrradart ihr Reha-Image fast gänzlich abgestreift: Der Spaß am Stromern setzt sich durch. Jede Radgattung wurde elektrifiziert. Es fanden sich neue Marktteilnehmer aus Industrie- und Kommunikationssektoren ein und jeder Radhersteller hat inzwischen Räder mit Elektroantrieb im Programm. Die Verkaufszahlen für E-Bikes und Pedelecs explodierten förmlich – nach Schätzungen des Zweirad-Industrie-Verbands e. V. (ZIV) fuhren zum Jahreswechsel 2013/2014 ungefähr 1,5 Millionen E-Räder durch Deutschland. Davon gingen allein 2013 etwa 420.000 Stück „über die Theke“ – 2005 waren es noch 20.000.

Dass ausgerechnet ein Radtyp, der am Prinzip der Fortbewegung durch pure Muskelkraft gehörig modelliert, das Umdenken befeuert, zeigt deutlich, wie die Fahrradwelt Konventionen über Bord geworfen und Vorurteile überwunden hat. Das E-Bike füllt eine Lücke im Moment ihres Entstehens – zur rechten Zeit am rechten Ort, gibt es Antworten auf drängende Fragen der Zeit wie überfüllte Städte, Umweltverschmutzung und steigenden Energiebedarf. Als ideales Verkehrsmittel rundet es die Individualmobilität in Reichweite, Transportvolumen und Geschwindigkeit ab.

So ist das E-Bike ein Lösungsmodell für alle, die souverän Rad fahren: Für den Transport auf täglichen Wegen, um frisch im Büro anzukommen und sich trotzdem bewegt zu haben, um mal etwas weiter oder schneller zu fahren, ohne dass großer Trainingsaufwand nötig wäre – und schließlich auch für die (Wieder-)Gewinnung ganz individueller Freiheit.

Im Jahr 1992 gab es genau drei Elektroräder aus Serienproduktion auf dem Weltmarkt. Heute zählt der testende Verein Extra Energy e. V. ganze 1.500 verschiedene E-Bike-Modelle in Deutschland und ermittelt einen Durchschnittspreis von 2.100 Euro.

 

FUNKTIONSPRINZIPIEN

A: PedelecE-Bike-011

Wenn man von E-Bikes spricht, ist in aller Regel das Pedelec gemeint, denn 95 % aller Elektroräder sind Pedelecs. Der Begriff setzt sich zusammen aus pedal, electric und cycle und verdeutlicht: Der Motor arbeitet nur, wenn man kurbelt. Ein Sensor im Antrieb misst die Kraft, mit der man tritt und unterstützt je nach Hersteller, Einstellung und ausgewähltem Modus mit 25 % bis 200 % dieser Kraft. Pedelec-Piloten haben so immer eine Extraportion Rückenwind – das „typische Pedelec-Lächeln“ sorgt auch entscheidend für die Popularität der Gattung. Das Pedelec unterstützt bis 25 km/h, viele Modelle bieten auf Knopfdruck eine Schiebehilfe in Schrittgeschwindigkeit. Pedelecs gelten rechtlich als Fahrräder: keine Helmpflicht, kein Führerschein, keine Altersgrenze. Ein Klassiker dieser Gattung ist die Flyer C-Serie vom schweizerischen Hersteller Biketec (ab 2.290 Euro, www.flyer.ch).

B: S-PedelecE-Bike-012

Sie funktionieren wie Pedelecs, schieben aber bis 45 km/h. Das macht die von außen betrachtet gewöhnlichen Fahrräder im Verkehrsrecht zu Kleinkrafträdern. Somit brauchen sie die Zulassung durch das Kraftfahrt-Bundesamt sowie ein Versicherungskennzeichen. Für Fahrer heißt das: Mofaführerschein (im Autoführerschein enthalten), Altersgrenze 16 Jahre und Helmpflicht – wobei sich das Gesetz nicht eindeutig dazu äußert, welcher Helm der richtige ist, Fachleuten zufolge ist der Radhelm passend. Dazu kommt: Die Radwegnutzung ist innerorts verboten, außerorts aber Pflicht. Und Anbauteile dürfen nicht wie beim Fahrrad einfach verändert werden. Beispielhafter Vertreter der schnellen Art ist das „Delite hybrid HS“ vom Darmstädter Hersteller Riese & Müller (ab 4.499 Euro, www.r-m.de).

C: E-Bike

Gern als Oberbegriff für alle Fahrräder mit E-Antrieb verwendet, bezeichnet der Begriff „E-Bike“ im engeren Sinne ein Fahrrad, dessen Motor mit einem „Gasgriff“ bedient wird. Es funktioniert also unabhängig vom Pedalieren. Je nach Leistungsabgabe und Geschwindigkeit sind E-Bikes versicherungspflichtig (Mofakennzeichen) und der Fahrer benötigt einen Mofaführerschein , eine Helmpflicht gibt es jedoch nicht. Vom Markt ist das E-Bike weitestgehend verschwunden; zu finden sind solche Räder am ehesten in der Billig-Abteilung oder der für besondere Verwendungszwecke.

ANTRIEBSBAUFORMEN

Unabhängig von Art und Grad der Unterstützung unterscheidet man verschiedene Bauformen anhand der Position des Elektromotors. Drei grundlegende Arten haben sich etabliert. Der Nabenmotor im Vorderrad bietet den Vorteil, dass am Hinterrad sämtliche Schaltungen verwendet werden können. Die fahrdynamischen Eigenschaften sind jedoch umstritten (Antrieb und somit zusätzliches Gewicht am Vorderrad).

Der Nabenmotor am Hinterrad ist weit verbreitet, begrenzt die Schaltungswahl aber auf Kettenschaltung oder Rahmengetriebe. Sein Handling gilt als angenehmer, da, wie bei einem gewöhnlichen Fahrrad, das Hinterrad angetrieben wird. Das hohe Gewicht im Hinterrad ist jedoch teils deutlich spürbar, wodurch sich dieser Antrieb für sportliche Räder, wie z. B. Mountainbikes, weniger gut eignet. Am häufigsten anzutreffen ist mittlerweile der Mittelmotor. Hier sitzt der Antrieb an der Tretkurbel, wo sich das Mehrgewicht am wenigsten auf die Handhabung des Rades auswirkt.

E-Bike-003Mittelmotoren ermöglichen Naben- und Kettenschaltungen, letztere allerdings meist nur mit einem Kettenblatt. Das entspricht allerdings jüngeren Entwicklungen z. B. der US-amerikanischen Firma Sram (www.sram.com): Sie stellte in den vergangenen Jahren mehrere Antriebskonzepte mit 1×10 und 1×11 Gängen vor. Vorreiter des Prinzips Mittelmotor ist der japanische Hersteller Panasonic. Der schweizerische Hersteller Biketech AG verbaut ihn seit 2003 in seinen Flyer-Rädern; die aktuelle Kollektion ist mit der fünften Generation ausgestattet. Seit dem Produktjahr 2012 ist auch der Konzern Bosch mit einem eigenen Elektrorad-Antrieb am Markt vertreten und gewinnt stetig an Relevanz. Mit der Durchsetzung des Prinzips Mittelmotor werden marktübergreifend Elektrofahrräder als solche konzipiert, denn Mittelmotoren erfordern einen eigens entwickelten Rahmen. Frühere oder billige Antriebskonzepte brachten bzw. bringen oft einen Elektromotor in einem bestehenden Fahrrad unter, ohne die höheren Belastungen für das System zu bedenken.

Der Motor macht beim Antrieb ca. die Hälfte des Gewichts aus. Die andere Hälfte entfällt auf Akku, Verkabelung, Steuerung und etwaige Verstärkung von Rahmen und Komponenten. Der Akku ist modellabhängig entweder im Hauptdreieck des Rahmens oder im Gepäckträger verbaut, bei einigen Modellen findet er sich auch dezent in den Rahmen integriert.

ARTENVIELFALT

Keine Fahrradgattung, die nicht unter Strom steht – hier die gängigsten Konzepte und beispielhaftesten Vertreter:

CitybikeE-Bike-004

Stadträder sind sowohl bei Fahrrädern als auch bei E-Bikes am weitesten verbreitet. Sie bieten eine aufrechte Sitzposition, meist eine wartungsarme Nabenschaltung sowie leichten Komfort, wie Federgabel und Federsattelstütze. Zum Beispiel das kompakte Flyer „i:SY“ (ab 2.690 Euro, www.flyer.ch), Felt „VerzaE“ (ab 2.599 Euro, www.felt.de), Koga „E-Special“ (3.799 Euro, www.koga.com), Hercules „Roberta“ (ab 1.999 Euro, www.hercules-bikes.de) oder das Blue Label „Charger hybrid“ (ab 2.999 Euro, www.r-m.de/bluelabel).

Touren-PedelecE-Bike-009

Das elektrische Äquivalent zum Trekkingrad hat meist ein paar Gänge mehr, etwas sportlichere Ergonomie und verträgt meist einiges an Gepäck. Um mit einem Pedelec auf größere Reisen zu gehen, bedarf es eines durchdachten Akku-Managements. Spezielle E-Bike-Reiserouten bieten Austausch-Akkus an (z. B. Herzroute in der Schweiz). Vertreter dieser Art: Koga „E-Xtension“ (2.799 Euro), Riese & Müller „Delite hybrid II“ (mit Vollfederung, ab 4.299 Euro), Flyer „T-Serie“ (ab 2.290 Euro) oder Haibike „Xduro Trekking“ (ab 2.699 Euro,www.haibike.de).

FaltradE-Bike-013

Auch Zugpendler oder Caravan-Urlauber müssen nicht auf den Rückenwind aus der Steckdose verzichten. Für sie gibt es clevere Falträder mit E-Motor, die kostenlos in Zügen und selbst im ICE mitfahren und sich platzsparend verstauen lassen. Ein Konzept, das auch für kleine Stadtwohnungen wie geschaffen ist. (Beispiele hierfür: Hercules „E-Compact 20“, ab 1.399 Euro, oder Flyer „Faltrad Deluxe“, 2.590 Euro)

LastenradE-Bike-001

Sobald etwas mehr Gepäck im Spiel ist, spielt die Elektrounterstützung ihre Vorteile voll aus. Cargobike-Konzepte sind so vielfältig wie die Nutzungsprofile: von dreirädrigen Schwerlast-Rädern bis hin zu den einfacher zu steuernden Zweirädern. Bei letzteren finden sich drei Hauptbauweisen: das „Long John“-Prinzip mit der tiefen Ladefläche zwischen Lenker und Vorderrad wie beim „Load hybrid“ von Riese & Müller (ab 4.499 Euro), die klassische Postradbauweise mit zwei großen Körben über dem Vorder- und Hinterrad (z. B. Flyer „Cargo“, 3.990 Euro oder Hercules „Rob Cargo“, ab 2.799 Euro), sowie der verlängerte Hinterbau mit großem Gepäckträger wie beim Blue Label „Transporter hybrid“ (ab 2.799 Euro).

MountainbikeE-Bike-010

Selbst Sportrad-Gattungen sind durchweg elektrifiziert. Im Falle des Mountainbikes werden so unterstützte Ausflüge abseits der Straßen möglich oder bisher unerkundete Anstiege bezwingbar. Die Bandbreite reicht hier von schlichteren Touren-Bikes (z.B. Haibike „Xduro SL 26“, 2.299 Euro) über voll gefederte Allrounder wie Riese & Müllers „Delite hybrid II mountain“, (ab 3.999 Euro) oder Flyers „X-Serie“ (ab 3.790 Euro) bis hin zu Enduro-Boliden mit extra viel Federweg (Haibike „Xduro Nduro Pro“, 6.499 Euro). Erwähnenswert: Gerade bei sportlicherem Radeinsatz zeigt das ausgewogene Handling des Mittelmotors seine Vorzüge. Die genannten E-MTBs verfügen daher alle über diesen Antrieb.

RennradE-Bike-008

Mit dem unter Strom gesetzten Rennrad fällt auch die letzte Bastion der Traditionalisten. Und richtig, wenn mit S-Pedelecs schon Geschwindigkeiten bis 45 km/h erreicht werden, warum dann nicht in sportlicher Position und mit Rennlenker? Freilich sind diese Räder noch selten am Markt – der Schweinfurter Hersteller Haibike hat das nach eigenen Angaben erste serienfertige 45-km/h-Rennpedelec im Programm: „Xduro Race“ heißt es, hat einen Bosch-Mittelmotor und kostet 5.999 Euro.

LiegeradE-Bike-005

Unter den Liegerädern und Liegedreirädern finden sich ebenfalls zunehmend elektrifizierte Modelle. Oftmals ist die E-Option als Ausstattungsvariante innerhalb des Baukastensystems der Hersteller erhältlich, wie beispielsweise beim Liege-Trike „Scorpion“ der Krifteler Manufaktur HP Velotechnik (ab 5.180 Euro,www.hpvelotechnik.com). Fahrdynamisch sind diese Räder quasi für den Zusatzantrieb prädestiniert, denn das Gewichtsplus macht sich dank des tiefen Schwerpunkts des Rads kaum bemerkbar. Der Scorpion ist übrigens auch in der Version „Doppelherz“ erhältlich: Ein zweiter Akku verdoppelt hier die Reichweite.

SpezialräderE-Bike-002

Sogar die Exoten der Radwelt wie das Fatbike oder das Tandem sind mit elektrischem Zusatzantrieb erhältlich. Das weltweit erste Fat-E-Bike „Lebowsk-e“ präsentierte der US-amerikanische MTB-Hersteller Felt 2013 als Prototyp auf einer Messe. Das Serienmodell wird zur Eurobike 2014 erwartet. Ein Tandem mit „drittem Mann“ aus der Steckdose bietet Flyer mit dem „Tandem Deluxe“ ab 4.790 Euro an.

KAUFBERATUNG:
SO FINDEN SIE DAS RICHTIGE E-BIKE

Wer diese Saison mit Zusatzschub in die Pedale treten möchte, dem bietet der Fachhandel eine riesige Auswahl an Pedelec-Modellen – rund 1.500 Modelle finden sich 2014 in Deutschland auf dem Markt. Für mehr Überblick und Entscheidungssicherheit zeigt ilovecycling.de, was man von einem modernen E-Bike erwarten darf und worauf beim Kauf zu achten ist.

Wie vor jedem anderen Radkauf auch sollten sich die Käufer elektrifizierter Räder die Frage stellen: Was will ich mit dem Rad machen und wie oft will ich es benutzen? Mit diesen Infos lassen sich schon ziemlich gut die geeigneten Radgattungen und die eventuellen Ausstattungsoptionen eingrenzen. „Denn heute ist quasi jeder Radtyp auch mit eingebautem Rückenwind erhältlich“, weiß Experte Gunnar Fehlau, zusammen mit Peter Barzel Autor des Buches „Das E-Bike“.

Gutes Material ist kein Luxus

„Für ein E-Bike muss man ungefähr das Zweieinhalbfache eines guten Fahrrads ansetzen, das im Allgemeinen zwischen 700 und 1.000 Euro kostet“, so Fehlau. „Allein die hochwertigen Akkus können mit 400 bis 800 Euro zu Buche schlagen.“ Bei intensiven Anforderungen und höheren Komfortansprüchen sind die Preisgrenzen von Pedelecs nach oben weit geöffnet. Gute Pedelecs der schnellen S-Klasse, deren Motoren bis 45 km/h unterstützen, kosten in etwa so viel wie ein Motorroller. Doch die hohen Preise sind kein Luxus, sie rechtfertigen sich durch die gebotene Qualität:

„Unsere Kunden fahren in der Regel nicht nur mit einer höheren Durchschnittsgeschwindigkeit als unmotorisierte Radler, sondern legen in der Regel auch mehr Kilometer pro Jahr zurück. Damit werden ganz andere Anforderungen an das Material gestellt, als bei einem normalen Velo“, betont Victoria Arnold vom Hersteller Flyer (www.flyer.ch). „Mit der intensiveren Nutzung haben die Kunden natürlich auch höhere Ansprüche an die Haltbarkeit und den Komfort.“ Letztlich spiegelt sich das eben auch in den Preisen wider. So liegt das günstigste Modell des schweizerischen Pedelec-Pioniers bei rund 2.300 Euro. Für Modelle mit stärkeren Akkus, Federung, vielen Gängen, einer stufenlosen Schaltung und einigen weiteren Extras kann man bei Flyer auch schnell das Doppelte ausgeben.

Auf welche Ausstattungsmerkmale
ist zu achten?

Leistungsstarke Bremsen, die auch Tester immer wieder als eine Grundvoraussetzung anmahnen, gehören nach Auffassung von Experten wie Fehlau ebenso dazu wie ein besonders stabiler Rahmen und qualitativ hochwertige Komponenten.

Qualität, Komfort und Sicherheit sollten auch nach Meinung von Tobias Spindler von Riese & Müller (www.r-m.de), dem Darmstädter Spezialisten für vollgefederte Räder,  beim E-Bike-Kauf die entscheidenden Variablen sein: „Egal ob auf Radtour oder dem Weg zur Arbeit, schlechte Funktionen verderben selbst am E-Bike schnell den Spaß. Ausfälle von Komponenten bis hin zu Brüchen können sogar gefährlich werden.“ Angesichts des schlechten Zustands von Straßen und Radwegen sieht Spindler Handlungsbedarf. „Bei den höheren Durchschnittsgeschwindigkeiten, die man mit einem E-Bike erreicht, ist eine Federgabel nicht nur ein Komfortmerkmal, sondern ein Sicherheitsplus, wenn man durch ein Schlagloch oder über eine Bordsteinkante fährt.“

Damit Hindernisse auf dem Weg auch frühzeitig gesehen werden, empfiehlt Anke Namendorf vom niederländischen Radhersteller Koga (www.koga.com) eine gute Beleuchtung, mit der man nicht nur gesehen wird, sondern die den Fahrtweg auch richtig ausleuchtet. „Gerade bei diesen Komponenten wird leider bei vielen preiswerten Anbietern gespart“, weiß die Expertin. „Deshalb lohnt sich immer ein genauer Vergleich.“ Beim Modell „E-Xtension“ (2.999 Euro) setzt Koga zum Beispiel auf den neuen LED-Scheinwerfer „Lumotec IQ Cyo“ des deutschen Lichtspezialisten Busch &Müller (www.bumm.de), der dank Hightech-Reflektoren den Nahbereich von zehn Metern mit bis zu 40 Lux ausleuchtet und darüber hinaus sogar eine aus dem Pkw-Bereich bekannte Tagfahrlicht-Funktion bietet. Diese ist laut Sebastian Göttling von Busch und Müller am E-Bike besonders sinnvoll: „E-Bike-Fahrer sind oft schneller als andere Verkehrsteilnehmer sie einschätzen. Unsere Tagfahrlicht-Funktion erhöht die Sichtbarkeit des Radlers. Die strahlend hellen Signal-LED im Autorückspiegel beeinflussen etwa das Abbiegeverhalten entscheidend! Bei vielen E-Bike-Modellen ist unser Tagfahrlicht serienmäßig ins Bedienkonzept integriert.“

Auch auf die Reifen sollte man beim Kauf achten, denn hier gibt es ebenfalls ganz erhebliche Qualitäts- und Preisunterschiede. Doris Klytta vom Reifenhersteller Schwalbe erklärt dazu: „Ein Pannenschutz sollte bei hochwertigen Alltagsrädern und erst recht bei E-Bikes selbstverständlich sein. Wichtig sind zudem Haftung, Dämpfungsverhalten und Rollwiderstand“, erklärt Doris vom Reifenhersteller Schwalbe (www.schwalbe.de). Letzterer hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Reichweite des E-Bikes. Entsprechend setzt nicht nur Flyer bei seinen Fahrrädern auf hochwertiges Material, wie den speziell für E-Bikes entwickelten Reifen Schwalbe „Energizer“, der unter anderem mit einem Pannenschutzgürtel versehen wurde und für Geschwindigkeiten bis 50 km/h zugelassen ist.

Welche Reichweiten kann ich erwarten?

Mit modernen leistungsfähigen Akkus mit Lithium-Ionen-Technologie können unter optimalen Bedingungen Reichweiten jenseits der 100 Kilometer-Marke erzielt werden. „Doch wie so oft im Leben sind die Bedingungen selten optimal. Fahrstil, Relief, Wind oder Reifendruck sind Einflussfaktoren, denen die Reichweite unterliegt. Verlässt sich der Kunde blind auf die Angaben von Herstellern vorgeblicher Schnäppchen, kann es passieren, dass er schnell am Berg verlassen ist“, merkt Christian Malik vom Mountainbike-Hersteller Haibike (www.haibike.de) zu dem Problem an, auf das auch Fach- und Testzeitschriften immer wieder aufmerksam machen. Einen realistischen Anhaltspunkt und ein gutes Vergleichsmaß für die Reichweite bieten die Wattstunden (Wh) des Akkus. Sind die nicht angegeben, lassen sie sich leicht errechnen, indem man die Voltstärke mit den Amperestunden multipliziert.

Front-, Mittel- oder Heckmotor?

Neben dem Radtyp – fast jede Radgattung ist heute mit E-Motor erhältlich –  und der Qualität der Ausstattung entscheidet auch der Sitz des Motors über die Fahreigenschaften des E-Bikes. Fahrdynamisch umstritten ist der Vorderradnabenmotor: Sein Zusatzgewicht am Vorderrad erschwert mitunter das Lenken, während auf rutschigem Untergrund mit einem Durchdrehen des Rades zu rechnen ist.

Velos mit Mittelmotor behalten am ehesten das charakteristische Fahrverhalten ihrer motorlosen Pendants, da der Schwerpunkt gewohnt mittig bleibt. „Am E-Mountainbike etwa ist der Mittelmotor quasi alternativlos“, erläutert Christian Malik. Mit hoher Laufruhe und Spurtreue punktet der Motor in der Hinterradnabe. Nicht nur die Fahreigenschaften, auch die Wahl der Schaltung ist motorabhängig. Während der Vorderradmotor alle gängigen Schaltungen erlaubt, bietet der Hinterradnabenmotor lediglich der Kettenschaltung Platz. Der Mittelmotor erlaubt zwar sowohl Naben- als auch Kettenschaltung, jedoch muss ein Kettenblatt an der Kurbel genügen.

Am besten einfach testen

Beim E-Bike zählen aber nicht nur die technischen Daten. So empfiehlt Buchautor Gunnar Fehlau immer auch eine ausgiebige Probefahrt beim Fachhändler. „Bei den Fahreigenschaften gibt es bei E-Bikes von gemütlich bis sportlich riesige Unterschiede. Kunden sollten deshalb immer mehrere Modelle probefahren, um das für sie passende Rad zu finden.“ Ein weiteres Argument für den Fachhandel ist für den E-Bike-Experten das Thema Service. „Egal ob es um turnusmäßige Wartungen von Elektrorädern, Reparaturen oder ein Update der Steuerungssoftware geht: Ein geschulter Fachhändler ist immer der beste Ansprechpartner.“

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Weitere Informationen zu Bosch eBike Systems unter: www.bosch-ebike.de

Bildnachweise:
[´www.flyer.ch | pd-f´] [´www.r-m.de | pd-f´] [´www.pd-f.de / Mathias Kutt´] [´www.pd-f.de / koga.com´]
[´www.flyer.ch | pd-f´]  [´www.hercules-bikes.de | pd-f´] [´www.r-m.de | pd-f´] [´www.haibike.de | pd-f´]
[´www.hpvelotechnik.com | pd-f´] [´www.haibike.de / pd-f / ad.lipsX´] [´www.haibike.de / pd-f / Stratmann´]