Eine typische Episode im Leben eines Fahrradenthusiasten; ich war unterwegs und fuhr meine Runde. Gutes Wetter und gute Laune. Nach einigen Kilometern war es mal wieder an der Zeit, dass ein Autofahrer, der meint  mich erziehen zu müssen, mich überholt. Mit lautem Intervallhupen kam er schon von hinten an mich herangefahren. Weil wir gerade in einer unübersichtlichen Kurve waren und er nicht überholen konnte, fuhr er mir dann hupend kurz hinterher, um mich dann immer noch hupend und wild gestikulierend mit kuscheligem Abstand knapp zu überholen und vor mir einzuscheren.

Normalerweise gewöhnt man sich leider an diese gelegentlich auftretenden Freizeitlehrer, die einen im Straßenverkehr durch Nötigung versuchen dazu zu bringen, sich ihrer Sicht der Dinge anzuschließen. Ob diese Auslegung der Straßenverkehrsordnung in dem jeweiligen Fall nun richtig oder falsch ist, spielt eine vernachlässigbare Rolle. Tatsache ist nämlich, dass Nötigung und verkehrsgefährdendes Verhalten im Straßenverkehr verboten ist, egal ob sich jemand anderes falsch verhält oder nicht und auch egal wie sehr man sich selbst im Recht fühlt. Am Ende steht nur fest, dass man als Radfahrer der Schwächere ist und aus diesem Grund in gefährlichen Situationen eher den finalen Kürzeren zieht. Leider haben wir auch das in der letzten Zeit viel zu oft erfahren müssen, dass einige junge Talente und etablierte Radsportler im wahrsten Sinne auf der Strecke geblieben sind.

Ich habe für mich auf jeden Fall meine Schlüsse aus solchen und anderen Erlebnissen gezogen, bei denen es knapp wurde und ich auf Grund von Unachtsamkeiten und rücksichtslosem Verhalten anderer fast in einen Unfall verwickelt worden wäre. Pech hatte ich auch schon, als ein Autofahrer ohne sich um zu schauen seine Tür auf riss und ich und mein Mitfahrer auf der Straße liegend endeten. Es war einfach Zeit sich digital zu schützen und im Fall der Fälle nicht auf Zeugen angewiesen zu sein. Weil wenn es hart auf hart kommt ist es mitunter schwer der Wahrheit zum Erfolg zu verhelfen.

Die Suche

Als Erstes stand ein wenig Internetrecherche an. Zu Beginn war ich ziemlich optimistisch, denn ich wusste was ich suche. Es sollte am Besten etwas wie eine Dashcam sein, so wie man sie aus den vielen Aufnahmen aus dem Internet kennt, mit denen diverse Vorfälle aufgezeichnet und belegt wurden. Aber eben für das Fahrrad. Da es ja viele Action Cams gibt, konnte ein passendes Gerät ja nicht schwer zu finden sein. Doch nach relativ kurzer Zeit stellte sich das als Irrtum heraus.

Das was ich wollte war doch etwas spezieller:

  • Kamera mit langer Batterielaufzeit
  • geeignete Auflösung, um sogar Kennzeichen zu erkennen
  • hohe Speicherkapazität
  • Aufnahmeloop wie von Sicherheitskameras, wobei bei Platzmangel altes Material überspielt wird
  • Robustheit, um widrigem Wetter und holprigen Straßen zu widerstehen
  • großer Blickwinkel, um möglichst viel von der Verkehrssituation zu erfassen
  • und vor allem eine unauffällige Anbringung ohne im Weg zu sein

Was ich bei meiner Suche an Cams gefunden habe, erfüllte nie ganz meine Ansprüche. Denn meistens waren es Action Cams, die oft auffällig und für mich störend anzubringen waren. Dann waren zumeist die Batterielaufzeiten zu kurz, oder die Aufzeichnungszeit war immer zu knapp bemessen. Was aber am meisten gegen eine solche Lösung sprach war, dass diese Cams nicht als Blackbox oder Dashcam für ausgedehnte Radfahrten gedacht waren. Denn keine hatte die Loopfunktion, durch die älteres Material vom Beginn der Fahrt durch das neu Gefilmte ersetzt wird. Wenn die Speicherkarte voll ist, dann ist diese voll und die Aufzeichnung endet. Bei einigen Geräten zum Beispiel schon nach 30 oder 45 Minuten. Das ist bei meinen ausgedehnten Runden, die gerne auch länger als drei Stunden sind, nicht besonders hilfreich. Am Ende hätte ich mich fast mit einem faulen Kompromiss abgefunden und mich für eine Kamera mit nach vorne und hinten gerichteter Linse zufrieden gegeben, dann wurde ich doch noch fündig.

Der Fund

Wie es der Zufall wollte, stieß ich auf eine australische Firma, die es noch nicht wirklich lange gibt und die genau das anbot, was ich gesucht habe. Aber nicht nur das, deren Produkt versprach noch viel mehr und bot Dinge, an die ich noch nicht einmal gedacht habe. Die Cam der Marke Cycliq ist nämlich nicht nur eine Kamera, nein es ist auch noch eine Lampe und ein Diebstahlschutz und trägt den Namen Fly12. Aber das ist nicht das Einzige, denn die Fly12 hat noch eine Schwester, nämlich die Fly6[v] (wenn im späteren Verlauf von der Fly6 die Rede ist, ist damit die Fly6[v] gemeint). Während die Fly12 mit bis zu 400 Lumen nach vorne Licht macht und den Verkehr überwacht, übernimmt die Fly6 die Aufgabe als nachfolgenden Verkehr überwachendes Rücklicht. Meine Neugier war geweckt, doch interessanterweise hat im deutschsprachigen Bereich noch keiner so richtig auf die Produkte von Cycliq reagiert. Zumindest habe ich noch keinen Test auf Deutsch gefunden, der mir sagt, ob die Dinger überhaupt was taugen. Mein erster Gedanke der mir kam, das schreit eigentlich nach einem Testbericht für iLovecycling.

Lange Rede kurzer Sinn…

Nachdem ich mich ein wenig auf der Seite cycliq.com umgeschaut habe, nahm ich kurzerhand mit den Leuten von Cycliq Kontakt auf, um ein wenig mehr über die Firma und das Produkt zu erfahren. Ich wollte natürlich wissen, wie es dazu kam, dass sie genau das Produkt im Regal haben nach dem ich gesucht habe. Wieso man den Verkehr nach vorne im Blick halten und dokumentieren will leuchtet mir ja direkt ein, wieso geht man aber den Schritt weiter und behält auch noch den Blick nach hinten im Auge?

Die Idee einer verkehrsüberwachenden Kamera kam dem Mitgründer Kingsley Fiegert als er in Perth, Australien, einen steilen Hügel erklomm und sich ein Auto voller junger Typen neben ihn setzte. Dabei lehnte sich einer von ihnen aus dem Fenster und schoss dem hilflosen Radfahrer mit einer Zwille aus nächster Nähe auf den Allerwertesten. Dabei flog Kingsley fast von seinem Rad und das ohne sich das Nummernschild des davon brausenden Autos merken zu können. Um so etwas nicht nochmal erleben zu müssen war das die Geburtsstunde für das Fly6 Konzept.

Der Gedanke hinter den Fly-Cams ist nämlich, wenn etwas passiert, dann steht man nicht mehr zwangsläufig als der eigene einzige Zeuge da. Hinzu kommt auch, dass die anderen Verkehrsteilnehmer dann auch ihr Verhalten dementsprechend ändern, wenn sie wissen, dass es mitunter Beweise für ihr Verhalten gibt. Genauso geht es dann aber auch den Radlern, deren eventuelles Fehlverhalten ja auch auf „Band“ aufgezeichnet wird.

Das Ziel am Ende soll jedenfalls sein, dass man umsichtiger und rücksichtsvoller im Straßenverkehr ist. Ob ich etwas in dieser Richtung feststellen konnte, obwohl die meisten Verkehrsteilnehmer mit etwas derartigem noch nicht in Kontakt gekommen sind, können Sie im anschließenden Testbericht erfahren.

Was ist drin

Vor dem eigentlichen Ausprobieren kommt das Auspacken und das verspricht schon einiges. Denn allein die Verpackung erweckt schon eine gewisse Wertigkeit. Die Kartons, die die Kameras beinhalten sind in ein feines Papier eingeschlagen. Bevor ich groß weiter rede, schaut es euch doch einfach selbst an.

Fix am Rad angebracht

Nachdem die Kameras geladen waren, wurden sie direkt ans Rad gebaut. Ich hatte zuerst die Befürchtung, dass die Fly12 bei mir nicht leicht Platz am Lenker finden würde, da ich nachträglich den Cervelo Aero Lenker an mein Rad gebaut habe. Doch diese Befürchtung war zum Teil unbegründet. Warum nur zum Teil? Ganz einfach, der Platz wird bei mir durch die Vorbauklemme und den dortigen Bohrungen für die Inbusschrauben eingeschränkt.

Das Ergebnis ist, dass ich eine leichte Verschiebung in der Ausrichtungsachse der Kamera zum Geradeauslauf des Vorderrades habe. Dies hatte aber auf die Aufzeichnung durch die Fly12 keinen negativen Einfluss. Was ich besonders toll an der Cam fand war, dass sie sofort erkannte, dass ich sie auf dem Kopf hängend unter dem Lenker montieren musste, da auf der Oberseite schon mein Sigma Rox und der zugehörige Butler den nötigen Platz besetzen. Auf jeden Fall war die Aufzeichnung der MP4 Datei bei der Wiedergabe automatisch richtig herum gedreht.

Wer es genauer wissen will, die Alu-Spange der Fly12 Halterungsklammer hat an der dicksten Stelle eine breite von 9,88mm (gemessen mit digitalem Messschieber). Angebaut sieht das ganze dann wie folgt aus.

Bei der Fly6 hatte ich zunächst auch meine kleinen Problemchen. Ich hätte die Leuchte eigentlich direkt an der Sattelstütze mit dem mitgelieferten Klettband befestigen wollen, doch da hängt schon meine Satteltasche, in der ich Handy, Schlüssel, Schlauch, Taschentücher und das obligatorische „Klimpergeld“ verstauen muss. Natürlich sind da auch noch andere Sachen drin, aber es geht an dieser Stelle ja eher um die Unverzichtbarkeit der Tasche, als um den Inhalt.

Die Fly6 konnte, da ich ja nicht nur den Himmel oder die Satteltasche aufnehmen wollte, nur unter die Sattelklemme. Hier war besonders das ungewöhnlich reichhaltige Zubehör von Vorteil. Durch den Missbrauch des Aero-Gummis, der eigentlich für Aero-Sattelstützen gedacht ist und dem extra dafür mitgelieferten längeren Klettverschluss, war auch die zweite Lampe sicher und wackelfrei am Rahmen angebracht.

Wenn ihr euch noch erinnern könnt, es ging mir auch darum, dass die Geräte einen angenehm unauffälligen Auftritt haben. Meiner Meinung nach hat das mit den Produkten von Cycliq gut geklappt, denn fertig angebaut sieht das ganze so aus.

Was mir direkt auffiel

Beide Kameras sind gefühlt nicht gerade Leichtgewichte, doch während der Fahrt war dadurch für mich kein negativer Effekt zu bemerken. Das Einzige, das mir ab und an passierte, war ein leichter Kniekontakt mit der Fly12 unter dem Lenker. Dies passierte aber nur, wenn ich in den Wiegetritt ging. Die Cam hat für den Betriebsstatus auf der Oberseite LEDs, die durch Blinksignale anzeigen, was die Fly12 gerade tut und vor allem, wie weit der Akku schon entladen ist.

Da ich die Lampe aber unter dem Lenker auf dem Kopf stehend betreibe, kann ich mich in dem Fall nur auf die akustischen Signale verlassen. Diese geben mir mit einem einstellbaren Intervall Auskunft über den Betrieb. Allerdings kann man sich auch einfach die App CycliqPlus auf das Android oder Apple Smartphone spielen und damit viele Einstellungen und Funktionen steuern. Dazu zählt auch die Verbindung zu Strava über das durch WLAN oder Bluetooth anzubindende Handy. Da ich noch nie Strava genutzt habe, kann ich an dieser Stelle nichts mit gutem Gewissen darüber schreiben. Warum ich diese Funktion nicht testen konnte erfahrt ihr noch am Ende. Trotzdem möchte ich diese Möglichkeit zumindest angesprochen haben, da es viele Radsportler gibt, die dieses Programm nutzen. An dieser Stelle einen schönen Gruß an Dich, Jörg (Chefredaktuer von iLovecycling).

Wie bereits erwähnt gibt die Fly12 nur über LED Blink- und akustische Signale Rückmeldung über die Funktion. Das Fehlen eines Displays scheint beim Betreiben der Fly12 zunächst als Nachteil, da man hier definitiv öfter auf den Blick in die Anleitung angewiesen ist. Doch bei genauerer Überlegung stellt sich dies sogar als Vorteil heraus, denn ein Display benötigt zunächst einmal mehr Strom. Zum Anderen kann niemand zum Beispiel nach einem Unfall einfach auf die Aufzeichnungen zugreifen, geschweige denn diese löschen. So ist mir schon zu Ohren gekommen, dass nach einem Unfall der Unfallgegner den Tacho am Rad durchstöbert und versucht hat, sich die Daten zu Nutzen zu machen, während der Radfahrer in dem Moment andere Sorgen  hatte. Des Weiteren kann das Fehlen des Displays durch eine codierbare Bluetooth Verbindung wettgemacht werden, wobei das Smartphone als Steuereinheit funktioniert. Bequemer weise gibt es da auch die bereits erwähnte passende App dazu, die sich CycliqPlus nennt. Das Handy kann dadurch zur Weiterleitung und zum Zuschneiden der Filme vor Ort benutzt werden. Des Weiteren lassen sich hier auch nachträgliche Hilfslinien in das Video einblenden, durch die man erkennen kann, wie nahe einem ein Verkehrsteilnehmer kam.

Am meisten überrascht hat mich aber der aktivierbare Diebstahlalarm. Wenn das Rad irgendwo steht und bewegt wird, blinkt die Fly12 wie wild los und gibt lauten Alarm. Währenddessen vibriert das Handy und informiert den zum Beispiel Eis essenden Besitzer, dass sich jemand gerade am Rad zu schaffen macht. Das tolle ist, dass die Fly12 dann nicht mehr ausschaltbar ist, da keine Taste mehr funktioniert. Bis der Besitzer am Handy den Alarm deaktiviert, muss der Raddieb mit blinkendem und tutendem Rad durch die Gegend laufen. Hat man die Halterung komplett mit den Inbusschrauben angebracht, ist es auch mit schnell mal abbauen eher Essig. Diese Funktion finde ich für den kurzen Stopp an der Eisdiele einfach nur genial. Eine völlige Garantie gegen Diebstahl ist das zwar nicht, aber es gibt doch mehr Sicherheit. Trotzdem sollte man sein Schätzchen, in meinem Fall mein heiß geliebtes Rennrad, aber nie aus den Augen lassen. Es gibt noch einige andere nützliche Fähigkeiten, doch wenn ich die alle aufzählen will, dann sprengt das doch etwas den Rahmen. Lest diese einfach unter der Homepage von Cycliq nach und Ihr wisst alles noch genauer.

Die Fly6[V] hat keinerlei Verbindungsmöglichkeit zum Smartphone. Diese Verbindung braucht sie aber auch nicht. Sie verrichtet brav ihren Dienst als Licht und vor allem als rückwärts gerichtete Dashcam. Die Linse, die als schwarzer Kreis auf rotem Grund auffällt, wird beim Aufzeichnen von einem roten LED Lichtpunkt umkreist. So wird man einerseits auch bei ausgeschaltetem Rücklicht schon gesehen, andererseits gibt dies auch dem nachfolgenden Verkehr einen visuellen Hinweis, dass hier eine Aufzeichnung gemacht wird. Dazu gibt es natürlich die zuschaltbaren Leuchtstärken bei verschiedenen Leuchteinstellungen, die von stetem Licht bis zu verschieden einstellbarem Blinken reichen. Diese Möglichkeit der Aufnahme und der Nutzung als Fahrtlicht bringen sowohl die Fly12 als auch die Fly6 mit sich.

Der Härtetest

Das Wichtigste für mich ist aber die Frage: wie stellen sich die beiden auf der Straße an? Dabei konnten sie in der ersten Fahrt zeigen, aus welchem Holz sie geschnitzt sind. Direkt bei der ersten Ausfahrt, die als Schönwetterfahrt geplant war, kam ich in einen starken Sommergewittersturm, wie ich ihn schon seit Jahren nicht mehr im Sattel erleben musste. Der ungeplante Härtetest zeigte aber eines deutlich, der Funktion der Flys konnte der strömende Regen nichts anhaben.

(Die Bilder sind beide durch ein Standbild beim Betrachten der Videos im Windows Media         Player entstanden. Deswegen lässt die Auflösung leider zu wünschen übrig)

Das Einzige was im Anschluss beim Abspielen am PC auffiel war, dass der Ton der Fly6 irgendwann sehr gedämpft war. Es stellte sich heraus, dass die Mikrofonöffnung im Gehäuse mit Wasser bedeckt war. Dieses Wasser ist aber nicht in das Gehäuse an sich eingedrungen, denn bei der nächsten Ausfahrt war der Ton wieder einwandfrei.

Sowohl die Halterung der Fly12 und der Fly6 halten stabil am Rahmen fest. Nur bei der nach vorne gerichteten Cam ist ein leichtes vertikales Spiel von wenigen Grad in der Halterung zu bemerken. Vor allem wenn man die Tasten auf der Rückseite bedienen will, rutschte meine Kamera manchmal einige Zentimeter nach oben. Dieser bewegliche Bereich blieb aber konstant an derselben Stelle. Die Kamera konnte also nie den wichtigen Aufnahmebereich auf Straßenlevel aus den Augen verlieren. Außer bei der Bedienung der Tasten konnte ich ein weiteres Verstellen jedenfalls nicht bemerken, da die Haftreibung ansonsten scheinbar groß genug war, um die Kamera stabil zu halten. Auf den Aufnahmen war für mich dieses minimale Verrutschen zumindest nicht wirklich zu entdecken.

Die Lichtstärke beider Kameras war so gut, dass ich während des dunklen Gewittersturms einerseits selbst gut sehen konnte und andererseits gut von den Autofahrern wahrgenommen wurde. Diese haben mich nämlich von hinten kommend immer weit ausholend überholt und, wie man auf den Aufzeichnungen sehen konnte, schon in sehr großer Entfernung ihre Geschwindigkeit deutlich vermindert. Ebenso erging es mir bei gutem Wetter und ausgeschaltetem Licht. Die entgegenkommenden Autos wurden natürlich nicht beeinflusst, da kein sichtbarer Unterschied zu einem Radler ohne Cam besteht. Bei den überholenden Autos schien der rote um die Linse rotierende Punkt doch einen gewissen Eindruck zu hinterlassen. Zumindest hatte ich den Eindruck, dass auch diese Fahrer mir mehr Raum gewährten.

Eine kleine Schwäche der Kameras muss ich an dieser Stelle aber doch anbringen. Zwar ist die Betriebsdauer, bis zu zehn Stunden bei der Fly12 und bis zu sechs Stunden bei der Fly6, für eine Kamera echt ordentlich, aber wenn diese unterwegs mal leer gehen, dann gibt es erst daheim wieder Abhilfe und die Kameras schalten sich unterwegs zugunsten der Lichtfunktion ab. Durch den fest verbauten Akku ist einerseits kein Akkuwechsel möglich, andererseits ist der Betrieb und das Laden durch eine Power Bank bei gleichzeitigem Betrieb ebenfalls nicht möglich. Ist das Gerät ausgeschaltet, dann ist das Laden durch die Power Bank allerdings kein Problem. Daheim ist das ständige Laden aber auch erst mal eine Umstellung. Durch die robuste Anbringung gestaltet sich das Mitnehmen der Geräte, bei mir aus dem Keller, als mühselige Aufgabe. Aus diesem Grund empfahl es sich für mich, die Geräte am Rad zu laden und nur die Speicherkarten mit nach oben zu nehmen. Dies tat ich aber auch nur, weil ich auf Grund des Testes immer sehen wollte, was aufgezeichnet wurde und die Cams durch den ständigen dualen Modus von Licht und Aufnahme schneller leer gingen. Bei meinen eigenen Geräten werde ich mich dann aber in der Regel auf die Loop Funktion verlassen, bei der die ältesten Aufzeichnungen durch die neuesten Bilder überschrieben werden. Dann können die Kameras und die Speicherkarten an Bord bleiben und nur bei besonderen Vorkommnissen mit nach oben wandern. Ansonsten wird dann einfach im Keller an der Steckdose geladen.

Die fertigen Bilder

Nach meiner ersten Fahrt, die, wie Ihr mittlerweile wisst, im Gewitter endete, war ich von den Bildern echt begeistert. Vor allem dass es überhaupt funktioniert. Die maximal mögliche Auflösung der Flys liegt bei

  • 1920x 1080p als MP4 für die Fly12 und bei
  • 1280x 720p als AVI für die Fly6.

Beide nehmen wie erwähnt mit Ton auf. Wenn Ihr Beispiele für die Videoqualität sehen wollt, dann geht am besten auf die Cycliq Seite und schaut euch die dort von den Nutzern hoch geladenen Videos an, dann könnt Ihr in etwas abschätzen, ob euch die Qualität zusagt.

Ich habe festgestellt, dass die beste Auflösung, was die Lesbarkeit der Nummernschilder der entgegenkommenden Autos angeht, nicht die maximale Auflösung ist. Das liegt vielleicht an den

45 Bildern pro Sekunde. Bei 1280x720p liegt die Zahl der Bilder bei 60 pro Sekunde und die Nummernschilder sind gut lesbar, außer es herrschen wirklich widrige Wetterbedingungen. Dann kann schon das eine oder andere Nummernschild verschwommen bleiben. Da die Fly6 länger Zeit hat, um Fahrzeuge aufzunehmen, ist hier die Erkennungsquote durchgehend sehr gut. Vor allem weil die Autos eine lange Weile fast direkt auf einen zu fahren.

Was mir besonders gut gefallen hat, waren die Fähigkeiten als Action-Cam. Ich konnte einige Besonderheiten die ich unterwegs erlebt habe schön gemütlich daheim nochmals anschauen und es nicht nur Anderen erzählen. Ich hatte sogar einen Beweis in Form eines zugeschnittenen Videos, den ich dann mit meinen Bekannten teilen konnte.

Erstaunt hat mich die Videoqualität als ich im strömenden Regen unterwegs war. Trotz  prasselndem Regen, hatte ich kaum mit verschwommener Sicht zu kämpfen. Auch die plötzliche Dunkelheit störte die Flys nicht, ganz im Gegenteil. Das Wetter auf dem Video schaut viel heller aus, als ich es in dem Moment empfunden habe. Starke Sonneneinstrahlung ist für die Cams aber ebenfalls kein Hindernis. Das Einzige wodurch die Kameras ein wenig erschüttern werden sind Pflastersteine. Aber selbst da kann auf Grund der hohen Bilderzahl pro Sekunde noch immer von einem mehr als brauchbaren Bild gesprochen werden.

Fazit 

Zwar kann ich die Kameras nicht mit meiner Power Bank unterwegs mit Strom betreiben und gleichzeitig aufladen, ansonsten haben beide genau das, wonach ich auf der Suche war. Eine Kamera mit langer Laufzeit, die eine geeignete Auflösung hat, damit man auch Kennzeichen erkennen kann.

Beide haben bewiesen, dass Sie auch widrigen Wetterbedingungen ohne Schaden und noch dazu mit guten Aufnahmen trotzen können. Auch holpriger Untergrund ist kein großes Problem. Des Weiteren kann die Montage selbst auf einem räumlich eingeschränkten Aero-Lenker durchgeführt werden und die Flys sind nie wirklich im Weg. Ein paar kurze Berührungen im Wiegetritt einmal außen vor gelassen. Dies ließe sich aber mit einer anderen Halterung leicht beheben. Da ich es aber als nicht störend empfinde, belasse ich das Setup so bei meinen eigenen Lampen.

Jetzt aber das was mir wirklich am Herzen lag. Ich habe endlich eine Dashcam für mein Rad, auf die ich mich bei allen Eventualitäten verlassen kann, wenn ich mal einen Videobeweis brauchen sollte. Das kann ja auch bei etwas erfreulichem der Fall sein, wenn man seinen Freunden etwas zeigen will. Durch das mögliche Überschreiben der alten Dateien durch den Aufzeichnungsloop geht die Kamera auch nicht in den entscheidenden Fällen mit dem Speicher in die Knie und ist damit die geeignete Sicherheitskamera für mein Rad. Hinzu kommt hier die relativ hohe Speicherkapazität der verwendeten microSD Karten von 8GB (Fly6), bzw. 16GB (Fly12). Bei Bedarf kann in die Fly12 aber auch eine bis zu 64GB große Karte eingelegt werden. Bei der Fly6 werden immerhin noch bis zu 32GB unterstützt.

Durch den beinahe lückenlosen Blickwinkel der beiden Kameras, entgeht der Aufzeichnung nur recht wenig, und unauffällig sind sie noch obendrein. Für mich steht fest, ich fahre so schnell nicht mehr ohne und einen positiven Einfluss habe ich auch bereits auf mich selbst beim Radfahren bemerkt. Da ich weiß, dass ich auch mein Verhalten im Straßenverkehr aufnehme, fahre ich besonnener und vor allem umsichtiger als vorher. Wenn noch einige Radler sich so ausstatten würden, wären die anderen Verkehrsteilnehmer vielleicht ebenfalls etwas umsichtiger mit ihren Mitmenschen. Man weiß ja nie, ob man gerade gefilmt wird oder nicht.

Verlosung

Achtung – jetzt kommt’s – die für diese Review getesteten Geräte werden freundlichst von Cycliq für eine Verlosung bei uns auf der Homepage zur Verfügung gestellt.

Was musst Du dafür tun? Einfach hier und/oder bei Facebook den Artikel „liken“ und „kommentieren“ warum gerade Du dieses Kamerabundle im Gesamtwert von 416.30 gewinnen möchtest … und zwar bis zum 12. August 2017 (23:59 Uhr).

Teilnahmebedingungen: https://ilovecycling.de/gewinnspiel-teilnahmebedingungen/

Videos

Bildrechte: © Ralf Egger

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RALF EGGER
Ralf Egger hat einen Magister in Politikwissenschaft von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Seit vielen Jahren ist das Rennradfahren sein liebstes Hobby. Mit dem Rennradvirus hat ihn sein Vater infiziert. Für eine halbe Saison hat er in einer Zweiradwerkstatt als Mechaniker gearbeitet, damit er auch besser selbst an seinen Rädern schrauben kann und weil ihn so ziemlich alles um das Thema Zweirad herum interessiert. Da er mit ilovecycling.de-Herausgeber Jörg Lachmann einen Gleichgesinnten getroffen hat, freut er sich darüber, dass er sich in dessen Blog einbringen darf und seine Erfahrungen und Begeisterung mit anderen Radsportlern teilen kann. Sein Motto lautet: Es gibt nichts besseres als das Radfahren, um mal ungestört für sich zu sein und den Kopf frei zu bekommen. Da spielt es keine Rolle, ob man Profi oder Amateur ist, oder ob man allein oder in der Gruppe fährt.

13 Kommentare

  1. Ich kann das bestätigen. Schon das Vorhandensein eines leeren durchsichtigen GoPro-Schutzgehäuse hat den Effekt, dass erzieherische Massnahmen seitens Autos ausbleiben.

  2. Gute Idee – und gleichzeitig unauffällig. Hatte leider auch schon mit Provokationen während Ausfahrten über Land und in der Stadt zu tun. Schade, daß man bisher nichts beweisen konnte, was natürlich auch die Täter wissen. Dann kommen noch die unbeabsichtigten, einfach leichtsinnigen Zwischenfälle, meist in der Stadt noch dazu. Gefährdet bei Zwischenfällen mit Autos ist immer nur der Radler. Leider ist die Kombi auch recht teuer, daher wäre ein Gewinn die Lösung … 🙂

  3. Der Bericht gefällt mir, die Kombination aus Lampe und Kamera im Bundle mit einen dementsprechenden Rücklicht ist sehr interessant. Die Funktionsvielfalt gibt das her was ein Tag- und Nachtfahrer benötigt, um sich sicher und ggf. mit gespeicherten Beweisen im Straßenverkehr bewegen kann. Das Cockpit sieht durch die integrative Gestaltung auch viel aufgeräumter auf, das Strippengewirr hört auf.
    Fazit: Haben will. Schoön, wenn es mit dem Gewinn aus der Verlosung klappt .

  4. Aus einfachem Grund würde ich das gerne gewinnen. Als täglicher Pendler bin ich oft in Situationen gekommen wo ich gerne den Fahrer angezeigt hätte aber nicht genug schnell die nummer notieren konnte. Also einfach gesagt damit ich damit die Lehrer belehren kann

  5. Danke für den interessanten Bericht. Ich bin auch auf der Suche nach einer Kamera, bin aber immer über die zu kurzen Laufzeiten gestolpert. Das hier schein eine echte Alternativ zu sein. Jedoch würde mich die Aufzeichnungszeit bis zum Überschreiben interessieren.

  6. Hallo Ralf und erstmal vielen Dank für diesen ausgesprochen ausführlichen und Informativen Artikel 🙂

    Ich selbst Pendel per Rad täglich rund 15km quer durch die Stadt und bekomme dabei natürlich allerhand kurioses zusehen. Für mich ist es daher nur eine Frage der Zeit bis mir auf dem Weg zur Arbeit ein unachtsamer Autofahrer die Vorfahrt nimmt. Ich selbst habe mich auch schon einmal auf die Suche nach einer Dashcam fürs Fahrrad begeben und bin leider nie so richtig fündig geworden. Die beiden von dir vorgestellten Modelle gefallen mir hingegen sehr gut. Besonders die Kamera/Beleuchtungs Kombination in einem Gerät gefällt mir sehr gut. Allerdings muss ich zugeben dass mir 400 Euro für so ein Set dann doch zu teuer ist. Ich werde wie gewohnt weiterhin meine Gopro laufen lassen.

    MfG

  7. Seit fünf Jahren fahre ich in Würzburg mit dem Rad zur Arbeit.
    In dieser schönen aber vollkommen fahrradfeindlichen Stadt werde ich regelmäßig beinahe über den Haufen gefahren und hatte leider schon einen Unfall mit Fahrerflucht von dem ich einige Narben übrig behalten habe.

  8. Moin, den LKW, der mir gestern beim Überholen fast den Ellbogen aufgeschrammt hat, hätte ich schon gerne auf Film gehabt. Also versuche ich hier mein Glück für eine bessere Ausstattung, obwohl ich auf eine Wiederholung der Situation gerne verzichte.

  9. Moin, den LKW, der mir Gestern fast den Ellbogen aufgeschrammt hat, hätte ich sehr gerne auf Film gehabt … also versuche ich hier mein Glück, um zukünftig besser ausgestattet zu sein.

  10. Danke für den sehr lesenswerten Bericht.
    Seit 15 Monaten fahre ich täglich je 5 km zur Arbeit und zurück. Auch in Dresden haben Autofahrer*innen „ein rotes Tuch vor Augen“
    (Aussage eines Polizisten!). Deshalb würde ich mich sehr freuen, mit diesen DashCams unterwegs sein zu können.
    Viele Grüße

  11. Warum ich das Kamera-Bundle gerne gewinnen würde?

    Da es bei uns genauso wie oben im Artikel beschrieben viele möchtegern-Fahrlehrer gibt die einen mit ein paar cm Abstand überholen, anhupen, anschreien, ins Bankett drängen oder auch mal die Vorfahrt nehmen und ich der Überzeugung bin dass es sich in den Dörfern sehr sehr schnell herum sprechen würde wenn ein paar Autofahrer in der Gegend mal zum Gespräch über ihre Nötigungen und gefährliches Fahrverhalten gebeten werden.

  12. Der Artikel ist super ausgewogen und das Thema wurde von allen Seiten gut betrachtet. Täglich fahre ich je 30km mit dem Rad zur Arbeit nach Hamburg und zurück. Semigängige Radwege und die Straße wechseln dabei. Fast wöchentlich habe ich ca. drei kritische Situationen. Auch für mich selber wäre dieses Tool hilfreich auf eigene Fehler einzugehen. Sehr Hilfreich die Kombi aus Licht und Video! Top!!!

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