Viele meiner Leser und Leserinnen haben sich in den letzten beiden Tagen sehr über mich gewundert. Warum? Ich war auf Grund des schlechten Wetters nicht draussen am Radeln, sondern habe bekanntermaßen auf meiner Rolle trainiert … aber dabei war ich nicht wie gewohnt und erwartet in der ZWIFT-Welt unterwegs, sondern habe extra für Euch mal was Neues ausprobiert. Und nachdem ich die beiden Testfahrten auf STRAVA hochgeladen habe, kamen sofort Fragen auf. Eine davon war zum Beispiel, ob ich denn mittlerweile ZWIFTmüde geworden bin?

ZWIFT-Müdigkeit?

Naja, sagen wir mal so. Nach über 10.000 Rollen-Kilometer in einem Jahr in der ZWIFT-Welt (was berufliche wie auch gesundheitliche Gründe hatte, mehr dazu in einem späteren Artikel) kann man nicht von Müdigkeit reden, aber natürlich kenne ich mittlerweile dort jeden Grashalm und wahrscheinlich auch jeden Pixelfehler der Software. Ich habe so gut wie alles freige(fahren)schaltet, besitze „fast“ jedes Jersey, jedes Bike, jedes Laufrad. Natürlich ist da der Reiz des spielerischen Trainings auch ein wenig verflogen. Mittlerweile ertappe ich mich häufig dabei, dass ich das ZWIFT-Fenster etwas kleiner mache und nebenbei einen guten Film über Amazon-Prime während des Trainings schaue. Die eigentlichen Trainingswerte lese ich dann nebenbei über die ZWIFT-App auf meinem iPhone ab.

Natürlich bin ich immer noch mehr als begeistert von ZWIFT und der Philosophie dahinter. Aber ich wollte auch mal schauen, was es denn sonst noch so in der virtuellen Trainingswelt gibt, denn wie heisst es so schön … „Andere Eltern haben auch schöne Kinder“.

Road Grand Tour

Bei meiner Recherche bin ich dann auf Road Grand Tour gestossen. Wichtig zu wissen ist, dass diese „neue“ Software noch mitten in der Entwicklung steckt und ich einer der ersten bin, der einen „ALPHA-Test-Zugang“ bekommen hat. Deswegen möchte ich auch aufpassen, mit dem was ich hier von mir gebe und bitte meine Leser und Leserinnen, dass auch so zu verstehen. Ich will hier kein vorschnelles Urteil abgeben, sondern berichte lediglich über meine ersten Eindrücke und das Erlebte.

Mein Test-Equipement

Hardware: MacBook Pro (Retina, 15-inch, Mid 2015)
Prozessor: 2,8 GHz Intel Core i7
Speicher: 16 GB 1600 MHz DDR3
Grafikkarte: AMD Radeon R9 M370X 2048 MB
Betriebssoftware: macOS Sierra 10.12.4 Beta (16E154a)
Rollentrainer: Wahoo Kickr Modell 2017
Fahrrad: Cervélo S3 Disc 2017 (Testrad)
Powermeter: Garmin Vector 2
Radcomputer: Garmin Edge 1000
Software: RGT.app (RoadGrandTours) – Speicherbedarf auf der Festplatte: 1,9 GB
Unity Player Version: 5.4.2f2 (b7e030c65c9b)
Anschluss über: ANT+ USB Dongle

Discover the future
of indoor cycling

Die Ankündigung auf der Homepage von Road Grand Tours ist schon mal mutig. Erlebe die Zukunft des Indoor-Cyclings … steht da in grossen Lettern. Da wird die Messlatte natürlich gleich ein wenig höher gelegt. Dort kann man sich für den Alpha-Test registrieren und nachdem man dann zu den „Glücklichen“ und „Ausgewählten“ zählen darf, erhält man eine Mail mit den Zugangsdaten und kann sich die Software herunterladen und auf seinem Rechner installieren. Auf meinem Rechner waren das letztendlich 1,9 GB Speicherplatz, die die Software RGT für sich in Anspruch genommen hat, also ein echtes Schwergewicht, was die Datenmenge betrifft.

Was man sonst noch so benötigt um mit RoadGrandTours trainieren zu können, seht Ihr in der nachfolgenden Infografik:

Nach dem Start der RGT-Software erscheint erst einmal eine Menüauswahl, die sich mit den unterschiedlichsten Bildschirmauflösungen beschäftigt. Natürlich habe ich die Software testen wollen und somit die größtmögliche Auflösung und Grafikqualität ausgewählt.

Und dann ist man auch schon mittendrin in der angeblichen Zukunft des Rollentrainings. Zur Zeit gibt es während der ALPHA-Testphase zwei Kurse die man ausprobieren kann. Mich persönlich hat das natürlich sehr gefreut, denn nach WATOPIA, RICHMOND und LONDON auf ZWIFT war mein Wunsch nach einer realen Umgebung endlich mal wieder erfüllt worden. Ich vermisse diese realen Strecken auch ein wenig auf ZWIFT, aber das ist ein anderes Thema.

Als absoluter Mallorca-Fan und Kenner dieser Insel habe ich mch natürlich sofort auf die Fahrt zum Cap Formentor gemacht. Wie häufig bin ich diese Strecke schon real gefahren und bei diesem zur Zeit nasskalten und trüben Wetter in Deutschland konnte ich zumindest virtuell wieder auf meiner Lieblingsinsel sein und trainieren.

Cap Formentor

Also, schnell auf das Cap Formentor Bild geklickt und schon konnte es losgehen. Wie Ihr auf dem Screenshot sehen könnt, erscheint erst einmal eine kurze Darstellung des Höhenprofils der Strecke. Über einen Schieberegler kann man sogar festlegen, ab welchen Punkt mal letztendlich starten möchte. Wie ich finde eine nette Idee, zwar nicht spektakulär aber trotzdem eine Möglichkeit einen Kurs individuell für sich zu erleben und vielleicht gezielt einzelne Abschnitte zu trainieren.

Nachdem man sich dann entschieden hat, von welchem Punkt man aus starten möchte landet man auch schon auf dem eigentlichen Bildschirm (siehe nachfolgenden Screenshot).

Dort sieht man in der linken oberen Ecke, welche Geräte sich über den ANT+ Dongle verbunden haben. Bei mir hat die Suche nach den unterschiedlichsten Geräten super und auch beim ersten Mal funktioniert. Powermeter, Herzfrequenzgurt, Trittfrequenzmesser und auch mein Wahoo Kickr wurden innerhalb von ein paar Sekunden erkannt und oben links dargestellt.

In der linken unteren Ecke findet man der während des Trainings die wichtigsten Werte wie Herzfrequenz, Trittfrequenz und die Wattleistung wieder. Dort wo jetzt nur eine graue Linie zu erkennen ist, erscheint dann während des Trainings eine Wattkurve als Balkendiagramm. An dieser Stelle hat man ausserdem die Möglichkeit geschaffen miteinander zu chatten.

In der rechten unteren Ecke kann man erkenn, an welcher Position man sich auf der ausgewählten Strecke befindet, die prozentuelle Anzeige der jeweiligen Steigung/Gefälle, die Geschwindigkeit, die zurückgelegte Strecke, die erreichten Höhenmeter und auch die dafür benötigte Zeit.

Am Ende einer Fahrt klickt man dann letztendlich in der rechten oberen Ecke auf „End ride“. Möchte man, dass diese Fahrt und die Daten automatisch auf STRAVA hochgeladen werden, dann setzt man einen Haken in das dafür vorgesehene Kästchen. In meinem Falle hat das gut funktioniert, wie meine Follower und/oder die ilovecycling.de-Strava-Clubmitglieder ja sehen konnten.

Zu den jeweiligen ilovecycling.de-STRAVA-Clubs geht es übrigens hier:
https://www.strava.com/clubs/ilovecycling
https://www.strava.com/clubs/ilovecycling-maedelsclub

In dieser frühen ALPHA-Testversion hat man damit eigentlich alles schon erledigt um losfahren zu können. Wer, wie auf ZWIFT, noch mehr Möglichkeiten sucht um sein Training und die jeweilige Umgebung individuell zu gestalten, wird „noch“ nicht fündig werden. Weder Bike, Laufrad und Trikot lassen sich bisher individuell auswählen. Die Suche nach vorgefertigten Workouts für die Trainingswelt verläuft auch ergebnislos. Ob man das direkt in einer vorgefertigten Software braucht, muss halt auch jeder selbst für sich entscheiden. Viele Radsportler/innen nutzen dafür mittlerweile eigene zusätzliche Programme (z.B. Trainierroad oder Xert) und nutzen dabei solche virtuellen Softwarelösungen und -welten nur für eine visuelle Unterstützung.

Nachdem alles eingestellt und ja überschaubar und damit schnell erledigt war, bin ich dann losgefahren. Natürlich gab es erwartungsgemäss in einer so frühen Version auch noch etliche Bugs. Aber da hatte ich ehrlicherweise Schlimmeres erwartet. Allerdings gab es zwei Auffälligkeiten, die mich teilweise sehr geärgert haben. Zwischendurch verlor der ANT+ Dongle die Verbindung zwischen Software und den angeschlossen Geräten, glücklicherweise waren das aber nur ganz kurze Momente, die trotzdem ärgerlich sind.

Viel schlimmer in meinen Augen war eigentlich, dass gerade bei diesem Kurs die Synchronisation zwischen dem was ich auf dem Bildschirm sah und dem was an Geschwindigkeit und der prozentualen Anzeige (Steigung/Gefälle) angezeigt wurde, sich nicht deckte. Alle anderen Werte wie Herz- und Trittfrequenz aber auch die Wattleistung hingegen passten.

Hier mal zwei Beispiele als Screenshot:

Die linken Werte passen wie gesagt definitiv. Der Bildschrm zeigt eigentlich eine kleine Steigung an, im rechten unteren Bildschirm seht Ihr aber eine Abfahrt mit einem Gefälle von 5.1% und einer Geschwindigkeit von sagenhaften 11,5 km/h. So schlecht trainiert bin ich dann doch auch wieder nicht. Natürlich handelt es sich hier um einen richtig heftigen Bug, der hoffentlich demnächst ausgemerzt sein wird.

Bei diesem Screenshot seht Ihr eine Steigung mit 8,1%, die ich natürlich mit 44,2 km/h und einem 123er Puls hochfahre … ich nehme übrigens gerne Angebote von interessierten Pro-Tour-Teams entgegen. Schön wären solche Werte zwar schon, aber in der Realität sieht das Leben dann doch en wenig anders aus, zumindest bei mir. Auch hier handelt es sich selbstverständlich um einen ärgerlichen Bug. Trotzdem hebe ich diesen Screenshot gerne zum Angeben auf.

Ich habe für Euch meine gesamte Fahrt auf diesem Kurs (den ich in beide Richtungen gefahren bin) einmal mit ein paar Screenshots festgehalten. Wie Ihr teilweise sehen könnt, gibt es auch in dieser virtuellen Welt STRAVA-Segmente, in denen man sich mit anderen Radsportlern auf einer vordefinierten Streckenlänge messen kann. Mit diesen Screenshots bekommt Ihr einen guten Eindruck auch von der grafischen Qualität dieser noch im Alpha-Status befindlichen Software. Viel Spass beim Anschauen:

Die aufmerksamen Leser und Leserinnen von Euch sollten auf das letzte Bild achten, dort sieht man, dass die gefahrene Gesamtstrecke mit 46,62 km und 887 Höhenmeter angegeben wird. Das kommt dann allerdings beim Hochladen auf STRAVA dabei heraus:

Die STRAVA-Werte scheinen allerdings die tatsächlichen und genaueren Werte zu sein, so jedenfalls mein persönlicher Eindruck. Wenn Du mehr zu den Werten auf STRAVA wissen willst, dann einfach auf das obige Bild klicken oder diesem Link folgen: https://www.strava.com/activities/860349410


Passo dello Stelvio

Nachdem ich mich vom ersten Test erholt habe, wollte ich am Tag 2 den nächsten Kurs in Angriff nehmen, und das war kein geringerer als der „Passo dello Stelvio“. Sicherlich eine Herausforderung für meinen derzeitigen Trainings“zu“stand, aber was mache ich nicht alles für meine treuen Leser und Leserinnen. Natürlich war ich gespannt, was mich nun erwartet … denn ich bin diesen Pass noch nie real gefahren … man möge mir das verzeihen. Und nach den Erfahrungen mit der virtuellen Welt vom Vortag mit dem Cap Formentor auf Mallorca war ich sehr gespannt, welche Bugs mich bei diesem Kurs überraschen werden.

Was soll ich sagen, ausser ein paar kleinerer Aussetzer in Bezug auf den ANT+ Dongle verlief diese Ausfahrt in der virtuellen Welt reibungslos. Die Synchronisation zwischen dem, was man auf dem Bildschirm sah und den angezeigten Werten passte, ganz im Gegenteil zum Vortrag, von der ersten bis zur letzten Sekunde.

Obwohl das nicht ganz stimmt, denn wie Ihr an den folgenden Screenshots sehen könnt, passte der Wert der Höhenmeter noch, als ich den Pass erreichte (1.115 hm). Allerdings kamen bei der Abfahrt plötzlich noch 315 Höhenmeter hinzu (1.430 hm), allerdings war das der einzige Bug, der mir während der gesamten Testfahrt an diesem Tag aufgefallen ist. Beim Hochladen der Daten auf STRAVA wurde aber auch das korrigiert und wieder die echten Werte angezeigt.

Wenn Du mehr zu den Werten auf STRAVA wissen willst, dann einfach auf das obige Bild klicken oder diesem Link folgen: https://www.strava.com/activities/861335303

Auch auf diesem Kurs habe ich nebenbei einige Screenshots für Euch gemacht, viel Spass beim Anschauen:

Fazit

Ich habe lange überlegt, was ich hier als Fazit schreiben soll, da die Software, wie schon mehrmals erwähnt, sich noch in einem Alpha-Status befindet und es für ein abschliessendes Fazit noch viel zu früh ist. Ich werde sicherlich weiter für Euch am Ball oder vielmehr Rad bleiben und über die nächsten Testszenarien und Verbesserungen/Veränderungen informieren.

Sicherlich ist jetzt schon positiv hervorzuheben, dass man mit Road Grand Tours endlich mal wieder echte und realistische Kurse nachfahren kann … das … was mir ehrlicherweise auf ZWIFT schon immer gefehlt hat.

Natürlich sind die Welten auf ZWIFT nett anzuschauen und haben auch ihren Reiz, aber jeder Radsportler und jede Radsportlerin möchte sicherlich die bekanntesten Pässe und Kurse dieser Welt gerne einmal virtuell nachfahren können. Ich habe das besonders in diesem Test-Szenario mit dem „Passo dello Stelvio“ erlebt. Es ist schon was anderes, wenn man 1,5 Stunden mal durchweg einen Pass hochfahren kann als die dann doch kurzen WATOPIA-Anstiege in der ZWIFT-Welt.

Natürlich hat ZWIFT immer noch einen deutlichen Vorsprung, was das Thema „Entertainment“ angeht. Man kann Bikes, Laufräder, Jerseys und vieles andere durch erbrachte Leistungen freischalten, an virtuellen Radrennen teilnehmen, „Ride on“ vergeben, und noch vieles mehr, aber eben nur in Phantasiewelten, wenn man mal von Richmond und London absieht.

Wenn ich mir was wünschen könnte, wäre es eine Kombination zwischen Road Grand Tours und ZWIFT … das Feeling von ZWIFT kombiniert mit echten und realen Pässen wie den Stelvio oder den Alpe d’Huez … oder mit Kursen wie zum Beispiel dem Küstenklassiker auf Mallorca.

Also keine Angst, die ZWIFTer werden mich nicht loswerden und mich wieder viele Kilometer in der ZWIFT-Welt begleiten können. Aber ein Blick nach rechts und links sei mir doch erlaubt.

In diesem Sinne :
„RIDE ON“

Mehr zum Thema Road Grand Tours erfahrt Ihr auf der Homepage https://www.roadgrandtours.comoder gerne auch im anschliessendem Video:

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JÖRG LACHMANN

Ich bin ein kreativer, konzeptionsstarker und querdenkender Vollprofi in allen Bereichen des On- und Offline-Marketings (B2B/B2C) . . . und somit (wie wohl auch nicht anders zu erwarten) beruflich als Marketingleiter bei der Firma CarbonSports (Lightweight) angestellt. Da ich schon seit vielen Jahren dem Hobby Radsport verfallen bin, habe ich mich im April 2014 dazu entschlossen, das Online-Magazin „ilovecycling.de“ mit „Herz” und vielen nützlichen Themen, Infos, Tipps und Tricks rund um den Hobby- und Jedermann-Radsport ins Leben zu rufen . . . und das alles ohne jegliches finanzielles Interesse! ;-)

2 Kommentare

  1. Mich begeistert nach wie vor, was in Zwift los ist. Allerdings ist es wirklich so, dass ich Kurse vermisse, die mehr Realität vermitteln. London ist öde und dem Foxhill entkommt man nicht wenn man flach fahren möchte. Watopia ist um Längen schöner und trotzdem ist es halt erfunden. Ich hab mir schon öfter gedacht, warum bauen die bei Zwift nicht einfach vielgefahrene Strecken nach? Alcudia über Inca zur Tankstelle, Pollenca und Formentor wären doch super zum Umsetzen. Dazu noch die Flachstücke um LLubi und Muro, dann wäre für jeden Radsportler was dabei und der Reiz viel länger, wenn man sich den ganzen Winter darauf freuen kann, endlich alle in echt fahren zu können.

    Von daher ist der Ansatz von RGT schon super. Wichtig ist halt, das der Multiplayergedanke nicht zu kurz kommt, denn das ist ja das große Plus von Zwift.

  2. Danke für den Blick über den Zwift-Tellerrand hinaus und danke für den ausführlichen Erstbericht. Leider kann mein „Elite Real Power Wireless CT Internet Trainer“ bei Zwift nicht mit Smartfunktion betrieben werden, ich hatte aber einige Wochen das Vergnügen Zwift zu fahren. Ich nehme also an, dass sich bei Road Grand Tours das gleiche Problem einstellen würde, auch wenn ich die realen Strecken auch bevorzuge. Dafür quäle ich mich mit dem Elite Real Power mit den echten Videos von Alp d’huez und Konsorten in den Anstieg. Vielleicht eine Alternative? ;-D

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