Bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h benötigt ein Radfahrer etwa 90 Prozent seiner Energie, um den Luftwiderstand zu überwinden. Wenn Du beim Zeitfahren gut abschneiden willst, musst Du also die Angriffsfläche für den Wind verkleinern.

Wie das geht, kannst Du hier nachlesen.

Welchen Einfluss haben eigentlich Deine Sitzposition, die Bekleidung, Hochprofilfelgen und Aerohelme beim Kampf gegen den Wind wirklich? Gerade beim Einzelzeitfahren kommt es auf eine gute Aerodynamik an. Mit Muskelkraft und Ausdauer alleine, lässt sich keine Topplatzierung mehr erreichen.

Bei dieser Materialschlacht kannst Du Dir sicherlich gut vorstellen, dass die Hersteller gerne ein Stück vom Kuchen abhaben wollen und immer neue und schnellere Laufräder, Rahmenformen oder Aerohelme präsentieren, die den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage ausmachen können.

Das haben wir uns mal genauer angesehen und versuchen Dir mal einen Überblick zu geben, was es gibt und was Dir davon am meisten bringt. Damit die Produkte untereinander vergleichbar sind, wird üblicherweise die Ersparnis in Watt ermittelt.

Watt ist eine physikalische Messgröße, um die erbrachten Leistung zu ermitteln. Mit einem Powermeter oder Leistungsmesser am Fahrrad, kann man genau ermitteln wie viel Leistung/Watt Du unter gleichbleibenden Bedingungen erbringen musst, um eine bestimmte Geschwindigkeit zu fahren. Üblicherweise werden solche Tests auf einer Radbahn absolviert, weil dort kein Wind die Ergebnisse verfälscht.

Damit Du die nachstehenden Werte besser einschätzen kannst: 10 Watt Ersparnis machen etwa 0,9 Sekunden pro Kilometer aus. Sparst Du also 10 Watt ein, schaffst Du die 40 Kilometer bei einem Einzelzeitfahren etwa 36 Sekunden schneller. Bei einem Ironman Triathlon kannst Du sogar bis zu 3 Minuten Fahrzeit einsparen. Kein Wunder also, dass sich vor allem Triathleten auf die neuesten Materialien stürzen.

Intervalltraining

1) DIE SITZPOSITION

Den größten Unterschied beim Zeitfahren macht die Sitzposition. Durch das Ablegen des Oberkörpers auf einen Aerolenker reduziert sich die Stirnfläche und bietet so dem Wind weniger Angriffsmöglichkeiten. Mit einer konsequenten Aeroposition lassen sich gegenüber der Fahrt im Oberlenker bis zu 50 Watt einsparen!

Ersparnis bei einem 40 Kilometer-Einzelzeitfahren: bis zu 3 Minuten

2) DIE RAHMENFORM

Auch der Fahrradrahmen bietet dem Wind Angriffsfläche und kann sich beim Kampf um Sekunden positiv oder negativ auswirken. Neben dem Fahrwind spielt unter realen Bedingungen vor allem auch der Seitenwind eine entscheidende Rolle.

Erstaunlicherweise haben klassische Rund-Profile sehr gute CW-Werte, wie neuere Tests im Windkanal ergeben haben. Dennoch kann ein aufwendig optimierter Carbonrahmen bei seitlich anströmendem Wind leichte Vorteile bringen. Diese sind wie bei allen beschriebenen Maßnahmen abhängig von der gefahrenen Geschwindigkeit. Fährt man rund 40 km/h bringen optimale Aerorahmen Vorteile von 10 bis 20 Watt.

Ersparnis bei einem 40 Kilometer-Einzelzeitfahren: 36-72 Sekunden

3) DER HELM

Der Kopf ist auch in optimaler Aeroposition immer im Wind und bietet viel Angriffsfläche. Entsprechend wichtig ist es, den anströmenden Wind von allen Seiten gut um den Helm herumzuleiten. Bei Zeitfahrhelmen geht die verbesserte Aerodynamik allerdings häufig mit einer schlechteren Belüftung und damit einer höheren Hitzeentwicklung einher.

Bei konsequenter Kopfhaltung in Aeroposition lassen sich je nach Modell rund 12 Watt einsparen. Drehst Du hingegen ständig den Kopf mit einem klassischen Aerohelm nach unten oder zur Seite geht der Effekt wieder verloren oder kehrt sich ins Gegenteil. Bei Fahrten im Oberlenker konnte hingegen kein Vorteil gemessen werden. Entscheidest Du Dich für einen klassischen Aerohelm, solltest Du unbedingt konsequent in Aeroposition fahren.

Übrigens: In letzter Zeit ist daher eine Entwicklung zu runden Aerohelmen mit kurzem oder abgerundetem Schweif zu beobachten, weil sich dadurch die Aerodynamik auch bei ungünstiger Kopfhaltung nicht so stark verschlechtert. Das Sky-Team fährt beispielsweise den relativ runden Helm Kask Bambino und Zeitfahrweltmeister Tony Martin bevorzugt den S-Works McLaren TT von Specialized.

Ersparnis bei einem 40 Kilometer-Einzelzeitfahren: bis zu 40 Sekunden

4) DIE BEKLEIDUNG

Der Körper des Radfahrers bietet die größte Angriffsfläche für den Wind, daher sollte auch der Bekleidung etwas Aufmerksamkeit gelten, denn sie hat großen Einfluss auf die Aerodynamik. Bereits ein flatterndes Radtrikot kann Dich bei einem 40 Kilometer langen Rennen bis zu 24 Sekunden kosten.

Auch die Oberfläche der Textilien spielt eine Rolle und kann den Luftwiderstand gegenüber der Haut deutlich verringern. Im Idealfall fährst Du daher mit einem langärmeligen Ganzkörperanzug und Handschuhen, damit der Wind gut um den Körper herumgeleitet wird.

Auch die Radschuhe werden beim Einzelzeitfahren mit Überschuhen abgedeckt, damit es hier nicht zu Luftverwirbelungen kommt. Aufgrund der Komplexität des Themas ist es allerdings recht schwierig, die mögliche Zeitersparnis zu ermitteln.

5) DIE FLASCHENHALTER

In den letzten Jahren sind auch die Trinkflaschen immer stärker in den Fokus der Radhersteller gerutscht. Dabei geht es nicht mal so sehr um die Form der Flaschen, sondern bereits um die Platzierung der Flaschenhalter. An der falschen Stelle angebracht, kann eine Radflasche die Aerodynamik des teuren Rahmens bereits wieder zunichte machen. Daher solltest Du im Zweifel bei einem kurzen Zeitfahren auf die Anbringung von Flaschenhaltern komplett verzichten.

Ersparnis bei einem 40 Kilometer-Einzelzeitfahren: bis zu 20 Sekunden

6) DIE LAUFRÄDER

Hochprofilfelgen machen ein Zeitfahrrad erst richtig schön. Entsprechend begehrt sind Laufräder mit hohem Felgenbett und Scheibenräder unter ambitionierten Radfahrern. Auch hier gilt allerdings, der maximale Vorteil kommt nur unter bestimmten Umständen zum Tragen.

Erstens gilt: Je schneller ich fahre, desto größer ist der Vorteil. Zweitens kommt es auf den Wind an. Bei Seitenwinden konnten manche Laufradhersteller bis zu 40 Watt Ersparnis messen, weil es dann zum so genannten Segeleffekt kommt. Statt einen zu bremsen, schiebt ein Scheibenrad einen bei schräg von vorn auftreffendem Wind von hinten an. Das ist sicherlich ein tolles Gefühl, allerdings sollte man dafür bereits mindestens Durchschnittszeiten von 35 km/h im Wettkampf fahren können.

Ersparnis bei einem 40 Kilometer-Einzelzeitfahren: bis zu 2,4 Minuten

FAZIT

Die Einsparmöglichkeiten lassen sich beim Zeitfahren grob aufaddieren. Es lohnt sich also, auch auf die kleinen Details zu achten.

Bildnachweis: © stefanschurr – iStock

 

 

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Jörg Birkel lebt und arbeitet seit 2013 auf Mallorca und bietet dort ganzjährig Sportreisen und Trainingslager an. Zuvor hat er an der Deutschen Sporthochschule in Köln studiert und mit einem Diplom als Sportwissenschaftler abgeschlossen. Im Anschluss an sein Studium hat sich Jörg als Sportjournalist selbstständig gemacht und über Trainings- und Ernährungsthemen geschrieben. Von 2003 bis 2009 war der passionierte Radfahrer und Fachbuchautor als Dozent an der Deutschen Sporthochschule tätig. Weitere Informationen unter: www.jorge-sports.com