Auf der Zielgeraden von Münster holt Team Strassacker 2015 doch noch den Mannschaftssieg im German Cycling Cup. Kein Wunder also, dass ein emotionaler Teamchef Franco Adamo im Saisonabschluss-Interview ein sehr positives Fazit zieht und von seiner Mannschaft schwärmt. Für 2016 kündigte er eine etwas andere Ausrichtung an.

“Die Mannschaft hat Charakter gezeigt”

ilovecycling.de: Hättest Du Dir ein solches Saisonfinale vorstellen können?

Franco Adamo: Mein Vorstellungsvermögen ist groß, aber auch das hat Grenzen. Ich habe mir gewünscht, dass wir den Titel noch holen, aber auch die anderen Mannschaften waren über die gesamte Saison hinweg so stark, dass man nicht mehr damit rechnen konnte. Dieses packende Saisonfinale hat gezeigt, dass man im Sport nie aufgeben darf und sein Bestes geben muss. Das ganze Pech, das wir über die Saison hinweg hatten, hat sich in Münster in Glück verwandelt. Ich bin überglücklich und freue mich.

ilovecycling.de: Du hast das Finale an der Ziellinie verfolgt, wie hast du den Schlussspurt erlebt?

Franco Adamo: Es war sehr eng: Ich habe vier Fahrer von uns gesehen, aber auch einige Fahrer von Bürstner-Dümo und Leeze-Gebiomized, aber nur wenige Merkur-Fahrer hinter Tagessieger Daniel Knyss. Da schoss mir sofort der Gedanke durch den Kopf: Es könnte reichen. Aber wir wussten es nicht und mussten warten, bis endlich das Ergebnis kam. Und das hat dann einfach die Stärke meiner Mannschaft widergespiegelt.

ilovecycling.de: Damit feiert Team Strassacker nach 2013 erneut den Mannschaftssieg im German Cycling Cup. Was bedeutet Dir dieser Erfolg?

Franco Adamo: Das ist der Mannschaft sehr hoch anzurechnen. Sie hat genau in den Rennen, in denen man es am allerwenigsten erwartet hat, zugeschlagen: In Hockenheim und Münster haben wir die Mannschaftswertung gewonnen. Bei den anderen Rennen standen wir immer auf dem Podium und das, obwohl wir soviel Pech hatten, zum Beispiel in Leipzig, als wir gleich vier Fahrer durch Defekt verloren haben. Und dann fielen noch die Rennen in Frankfurt und auf dem Nürburgring aus – also zwei Kurse, die uns sehr liegen. Da sah ich schon unsere Felle davon schwimmen. Aber die Mannschaft hat Charakter gezeigt und die Ergebnisse woanders geholt. Wir haben nie aufgegeben und immer an unsere Chance geglaubt. Ich bin so stolz auf dieses Team.

ilovecycling.de: Die Entscheidungen in der Einzel- sowie der Gesamtwertung fielen erst auf den allerletzten Metern der Saison – was sagt das über die Qualität und Leistungsdichte im German Cycling Cup aus?

Franco Adamo: Das zeigt die hohe Qualität in meiner Mannschaft und in der ganzen Szene. Man spricht ja immer noch von “Jedermann”, aber eigentlich trifft es dieser Begriff nicht mehr zu. Die ersten Hundert im GCC sind allesamt sehr starke Fahrer. Wenn da der eine oder andere noch mehr Zeit zum Trainieren hätte, wären die vielleicht noch zu einem ganz anderen Niveau fähig.

ilovecycling.de: Einer hat alle überrascht: Christopher Heider, gerade einmal 19 Jahre alt, steht am Ende dieses Jahres auf dem Podium der Gesamtwertung des German Cycling Cup. Hättest Du ihm das zugetraut?

Franco Adamo: Ja! Ich habe Christopher Heider und Lennart Böhm ins Team geholt, weil ich von ihrem Talent überzeugt war und bin. Keiner konnte damit rechnen, aber ich habe an Beide geglaubt. Ich wusste, dass Christopher stark ist und mit einem richtig guten Team ist viel möglich. Ich denke, in dieser Saison haben auch andere Teams gesehen, was für ein begnadeter Radfahrer er ist. Aber nicht nur diese beiden jungen Talente, auch die anderen Neuzugänge wie Nils Kessler, Christian Thomas, Boris Halsner und Marco Schuchert haben das Team in diesem Jahr mannschaftlich wieder einen Schritt nach vorne gebracht. Besonders stolz bin ich auch auf unsere Routiniers wie einen Holger Koopmann, Timo Dahlheimer, Joscha Weber, Daniel Eisele, Philippe Deckers, Frank Stenzel, Johannnes Zorniger, Thomas Krecken und nicht zu vergessen unseren stärksten Strassacker-Fahrer Florian Vrecko. Sie zeigen über die letzten Jahre hinweg Topleistungen auf ganz hohem Niveau und haben dem Team Strassacker ihren Stempel aufgedrückt. Ich musste jetzt diese ganzen Namen erwähnen, weil Sie unterm Strich alle wichtig für den Erfolg 2015 waren.

ilovecycling.de: Eine lange Rennsaison liegt hinter dem Team. Wie lautet Dein Wunsch für 2016?

Franco Adamo: Ich wünsche mir weiter so viel Spaß mit dem Team. Wir werden den Druck etwas herausnehmen und uns die Rennen aussuchen, an denen wir teilnehmen. Wir wollen erfolgreich sein, aber nicht um jeden Preis. Ich sehe 2016 als Belohnung für die tollen Leistungen in 2015 – das haben sich die Jungs einfach verdient.

www.team-strassacker.de

Impressionen vom Münsterland-Giro 2015

© Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung von Markus Stera.