TAG 5: Falscher Schlauch und hunderte Höhenmeter zusätzlich, eigentlich ein guter Tag.

Liebes Tagebuch, heute war wider erwarten eigentlich ein guter Tag 🙂

Ich fühlte mich gut und so konnten wir uns vom Start weg im vorderen Teil des Feldes aufhalten. Die heutige Etappe war zwar mit über 3.000 Höhenmetern auf nur 73 Kilometern nominell die zweitschwerste, durch die Unterteilung in viele Anstiege lag sie mir aber besser. Das obligatorische Geschiebe war heute durch die Lage im schattigen Wald auch gut zu ertragen, vor allen Dingen im Gegensatz zu gestern im steinigen Hochgebirge in der prallen Sonne. Auf Asphalt ging es über den San Pellegrino Pass, jetzt weiß ich auch woran ich denke, wenn ich das nächste mal eins trinke. Noch zwei weitere kleinere Pässe standen dann an, bevor es ins Ziel ins malerische gelegene San Martino di Castrozza ging. Auch technisch war die heutige Etappe im Vergleich zu den vorherigen sehr leicht und ich hatte keinerlei Probleme.

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Aber wer genau aufgepasst hat, hat ja zu Beginn das „eigentlich“ bemerkt. Denn Hannibals Elefanten hatte es zwar über die Alpen geschafft, aber die Löwen waren aus dem Colloseum ausgebrochen und liefen unkontrolliert durch den Wald. Dabei erwischten sie das Vorderrad meines Teamkollegen. Im Angesicht seiner Stärke als erfahrener Gladiator war aber sofort klar, dass er das selber regelt und ich weiter fahre. Wie sich nachher herausstellte kostete ihn dieser Routinestop, der normalerweise in 5 Minuten erledigt ist, heute aber geschätzte  45 Minuten. Denn er hatte den falschen Schlauch in der Tasche und musste dann auch noch einer Teilnehmerin erste Hilfe leisten, die unmittelbar neben ihm kollabiert war.

Während ich also fuhr und fuhr und mir klar war, das heute ein gewaltiger Sprung im Klassement drin gewesen wäre, wunderte ich mich ein wenig, wo er denn blieb. Geistig war ich also schon fast im Ziel, als plötzlich überall um mich rum Löwen waren. In Panik, alleine ohne meinen Teampartner war ich nämlich ein paar Fahrern dem  falschen Weg gefolgt – irgendwer hatte die Schilder verdreht.

Als ich das Maleur bemerkte stand ich an einer Kreuzung ohne Schilder und musste die Notfall-Nummer wählen. Nun hätte immer noch alles gut werden können, denn wie sich später herausstellte, hätte ich einfach nur links abbiegen können und wäre ohne große Verzögerung bald wieder auf die Strecke gekommen. Da ich das aber nicht wusste, musste ich wohl oder übel auf die freundliche Stimme von Cäser hören die durch den Hörer anwies: „Den Berg wieder hoch.“ Hat mich Hunderte von Höhenmetern zusätzlich, den letzten Nerv, viel Energie und vor allem genau eine Stunde gekostet. Man gönnt sich ja sonst nichts. So kam es, dass ich dann auch noch das Gewitter am letzten Pass mitnehmen durfte. Die letzten Meter waren zusätzlich dann auch noch Enduro Challenge – das heißt so viel wie besonderes anspruchsvolles bergabfahren. Über eine felsige nasse Wiese zu schlittern war aber dann irgendwie doch nicht so schlimm.

So kam es also das mein Teamkollege dann doch noch vor mir im Ziel war und das Team es heute leider nicht gemeinsam geschafft hat. Dabei war es trotzdem irgendwie schön, hätte aber noch viel schöner sein können. Denn bei regulärem Verlauf hätten wir über 60 Plätze in der Gesamtwertung gut gemacht und wenn ich die Regeln richtig verstanden habe, hätte dies heute eine Ehrung auf dem Podium inkl. Wertungstrikot nach sich gezogen. Das ganze nennt sich Attacke und ehrt das Team, das den größten Sprung macht. Nach vorne versteht sich, nicht nach hinten. Aber, wie pflegte mein großer Bruder immer zu sagen als wir noch Kinder waren: hätte und würde spielen wir nicht. Und Kindheitserinnerungen sind doch was schönes.

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Also mal schauen was morgen so geht. Derweil habe ich in dem wunderschönen Panorama auf dem Foto den heutigen Bericht geschrieben und möchte euch heute auch noch eine neue Kategorie vorstellen: Tour Splitter. Denn der ganze Tross aus fast 1.000 Fahrern und Organisation hält neben einer wirklich tollen familiären Atmosphäre viele interessante kleine Geschichten parat. Da ist zum Beispiel Romano der Busfahrer und passionierter Jäger, der seit vielen Jahren fester Bestandteil des Events ist, weil er so viele Sprachen und vor allem italienisch spricht. Oder es begegnet einem plötzlich eine Ex-MTB Olympia Teilnehmerin, die aber jetzt nicht mehr viel macht, einen aber trotzdem mit dem Finger in der Nase und 10 Jahren mehr auf dem Buckel stehen lässt.

So jetzt ist es aber Zeit ins Bett zu gehen, morgen geht’s wieder rund 🙂

Sportliche Grüße . . . Euer Philipp

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Offizieller Pressebericht:

Centurion-Vaude dominiert fünfte Etappe der Craft BIKE Transalp powered by Sigma | Sieg für Geismayr und Pernsteiner
Kaufmann und Käß bauen Führung aus

San Martino di Castrozza, 23. Juli 2015 – Daniel Geismayr (AUT) und Hermann Pernsteiner (AUT) haben auf der fünften Etappe der Craft BIKE Transalp powered by Sigma ihren ersten gemeinsamen Etappensieg eingefahren. Das Team Centurion-Vaude 2, das gestern noch aufgrund eines technischen Defektes knapp zehn Minuten verloren hatte, überquerte nach 73,27 km und 3.137 Höhenmetern von Alleghe nach San Martino di Castrozza die Ziellinie nach 3:28.56,8 Stunden und damit 2,3 Sekunden vor seinen Mannschaftskollegen und Spitzenreitern Markus Kaufmann (GER) und Jochen Käß (GER) von Centurion-Vaude 1.

Rang drei ging an die Gesamtzweiten vom Team Bulls 1 (3:29.29,6), Karl Platt (GER) und Urs Huber (SUI), die knapp 30 Sekunden auf die Gelben Trikots einbüßten, aber dennoch mehr als zufrieden waren.

Vor allem der siebenmalige Transalp-Sieger Platt, der keine guten Erinnerungen an die aufgrund ihres kupierten Höhenprofils extrem schwere Etappe hatte: „Vor zwei Jahren bin ich hier explodiert. Von daher bin ich sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Wir haben nur wenig zeit verloren.“

Den Grund dafür sah der 39-jährige Osthofener vor allem in seiner Erfahrung und den Abfahrt-Qualitäten des Team Bulls.

Ich habe mich auf keine Spielchen eingelassen und bin, immer wenn es schnell wurde, mein eigenes Tempo gefahren. In den Abfahrten konnten wir dann die Löcher, die sich nach Attacken in den Bergen aufgetan hatten, immer wieder stopfen“, so Platt.

Von Beginn des Rennens an hatten die beiden Centurion-Vaude-Paarungen Druck gemacht und das Tempo erhöht. Schnell gelang es die Konkurrenz abzuhängen, aber ein kleiner Umweg und die schon angesprochene Abfahrtsstärke der Rivalen führte dazu, dass die Lücke nie richtig groß werden konnte.

Wir habe heute gleich von Anfang an alles probiert. Es ist zwar nicht so viel Zeit dabei herausgekommen. Aber wir haben einen Etappensieg und uns damit ein Ziel erfüllt. Mal sehen, was die nächsten Tage noch passiert, nachdem wir den Rückstand auf Platz drei im Ranking verkürzen konnten“, so Pernsteiner, der erstmals in seiner Karriere einen Transalp-Etappensieg feiern durfte.

Bei nur noch zwei ausstehenden Etappen wird das Duell um das Podium nach dem heutigen Rennen noch einmal spannend. Topeak Ergon Racing 1 mit Alban Lakata (AUT) und Kristian Hynek (CZE), das heute Vierter wurde (3:30.27,6), hat nur noch 1.46 Minuten Vorsprung auf Centurion-Vaude 2.

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Business as usual in den weiteren Kategorien

Während Topeak Ergon bei den Männern ein wenig Zeit einbüßte, geben deren Teamkolleginnen Sally Bigham (GBR) und Christina Kollmann (AUT) bei den Damen weiterhin eindrucksvoll den Ton an.

Als Gesamt-35te des Feldes erreichten die pinken Leaderjerseys nach 4:25.16,3 Stunden das Ziel als erstes Frauenteam und durften sich damit über den fünften Etappensieg in Serie freuen.

Genau wie Massimo de Bertolis (ITA) und Andreas Laner (ITA) von Wilier Force Squadra Corse 1 (3:54.28,8) in der Mastersklasse sowie die beiden Grand Masters-Leader Hansjürg Gerber (SUI) und Bärti Bucher (SUI) von Bikeholiday.ch/BiXS (4:14.23,4).

In der Mixed-Wertung fuhr Team Herzlichst Zypern 1 mit Silke Schmidt (GER) und Sascha Schwindling (GER) den vierten Etappensieg ein (4:15.57,4).

Die morgige sechste und vorletzte Etappe führt von San Martino di Castrozza aus über 88,78 km und 2.530 Höhenmeter nach Levico Terme. Der Start erfolgt um 9:00 Uhr.

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Bildnachweise: © Henning Angerer